Studie zu Papiermüll
Warum blaue Tonnen leicht und teuer sind

Bei einer Studie ist herausgekommen, dass sich die Inhalte der blauen Tonnen verändert haben. Auch in Neubrandenburg lässt sich dieser Trend ausmachen, dessen Gründe im veränderten Konsumverhalten zu finden sind.
Bei einer Studie ist herausgekommen, dass sich die Inhalte der blauen Tonnen verändert haben. Auch in Neubrandenburg lässt sich dieser Trend ausmachen, dessen Gründe im veränderten Konsumverhalten zu finden sind.
Holger Hollemann

Das Entsorgungsunternehmen Remondis beobachtet in Neubrandenburg Veränderungen in den Altpapiertonnen. Die Verpackungen der großen Versandhändler haben die Kataloge derselben verdrängt.

Sie werden leichter, aber nicht seltener. Die blauen Tonnen in Neubrandenburg, die für das Altpapier und Kartonagen bereitstehen, sind derzeit ein Behälter für einen anscheinenden Widerspruch. Während das Entsorgungsunternehmen Remondis 2015 noch 2700 Tonnen Papierabfälle in der Viertorestadt abgeholt hat, waren es im vergangenen Jahr nur noch 2350  Tonnen. Ein enormer Rückgang, der sich jedoch nicht in der Anzahl der geleerten Container und Tonnen bemerkbar macht.

„Dieses Phänomen beobachten wir in den vergangenen Jahren zunehmend“, stellt Remondis-Betriebsstättenleiter Jürgen Hirlemann auf Nachfrage fest. Die Erklärung sei im Zeitgeist der Konsumenten zu finden. „Immer weniger Menschen lesen die Zeitung auf dem Papier, deshalb geht sie in den Tonnen auch mehr und mehr zurück“, erklärt der Fachmann. Auf der anderen Seite boome das Geschäft der Onlineversandhändler und die nutzen ausufernd Kartons und Papier als Verpackungsmaterial. „In Neubrandenburg sehen wir, dass die Bürger ihre eigenen Tonnen vorm Haus voll bekommen wollen. Deshalb werden die Verpackungen auch schön gefaltet und zerkleinert“, erläutert Hirlemann. Doch in den Depotcontainerplätzen kommen immer mehr unzerkleinerte Großkartons an, die dann auch des Rätsels Lösung bilden, da sie platzintensiv, aber leicht sind. Zwei Attribute, die sich dann auf die Tonnen übertragen.

Verbraucher zahlen zweimal

Diesen Trend hat der Verband der kommunalen Unternehmen (VKU) bei einer Studie des INFA-Instituts bestätigt. Es kam dabei heraus, dass der volumenbezogene Verpackungsanteil in der Tonne zwischen 64 und 71 Prozent beträgt. Bisher ist man jedoch von 15 bis 20  Prozent ausgegangen. Dies sei auch die Basis für die Kostenabrechnung. „Das wirkt sich auf die Müllgebühren aus, die die Bürger zahlen müssen. Sie zahlen derzeit doppelt für die Entsorgung von Verpackungen aus Papier und Pappe. Das kann nicht sein“, merkt Patrick Hasenkamp von der VKU an.

In Neubrandenburg haben die Verbraucher in Sachen Papiermüllentsorgung Handlungsspielraum, jedoch nicht bei der Bezahlung. Denn auch hier gilt, dass für die Entsorgung der Verpackungen die Verbraucher an der Ladentheke – oder eben mit der Kreditkarte im Internet – zahlen. Auf jedes verpackte Produkt wird ein Lizenzentgelt aufgeschlagen, das an die dualen Systeme weitergereicht wird. „Im Duchschnitt zahlt jeder Verbraucher circa 13 Euro im Jahr für die Verpackungsentsorgung, wobei diese Kosten durch die gestiegenen Recyclinganforderungen des Verpackungsgesetzes und die hohen Systemkosten vermutlich deutlich steigen werden“, erklärt Hasenkamp.

Jürgen Hirlemann findet das System umständlich, aber nicht ungerecht. „Der Verbraucher zahlt zweimal. Aber es sind ja auch verschiedene Systeme, die hier greifen“, erläutert er. Gerade bei Verpackungen seien die Versandhäuser seiner Ansicht nach gefragt, die Entsorgung früher mitzudenken.