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Integration und Abschiebung

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Warum dieser Ukrainer Neubrandenburg verlassen musste

Pavel Anissimov, als er noch in Neubrandenburg als Frisör gerabeitet hat.
Pavel Anissimov, als er noch in Neubrandenburg als Frisör gerabeitet hat.

Ein Mann aus der Ukraine, der seit dreieinhalb Jahren in Neubrandenburg wohnte, hatte nur eine halbe Stunde Zeit, um seine Sachen zu packen.

Der Pastor hält es kaum noch aus. Seinen Glauben an den Allmächtigen kann nichts erschüttern, wohl aber seinen Glauben an die Menschen. Günther Seidt ist verzweifelt. Zum ersten Mal musste der Geistliche, der seiner Gemeinde „Jesus Punkt“ in Neubrandenburg vorsteht, Abschied von einem Glaubensbruder nehmen, der in die alte Heimat abgeschoben wurde. Pavel Anisimov, seit knapp dreieinhalb Jahren in Deutschland, musste am Freitag seine Sachen packen.

Morgens kamen Polizisten und Vertreter des Ausländeramtes in die Wohnung, erzählt der Pastor. „Abschiebung. Eine halbe Stunde hatte er Zeit, um das Nötigste zu packen“. Selbst der Seelsorger, der hastig aufbrach, um sich zu verabschieden, wurde nicht in die Wohnung gelassen. „Er durfte die Tür nicht öffnen.“

Lernen für den deutschen Frisörabschluss

Warum der 37-Jährige, der mit seiner Frau 2014 vor dem Krieg in der Ostukraine floh, wieder gehen muss, erschließt sich dem Pastor nicht. „Der war tatsächlich bestens integriert, nicht nur in der Gemeinde. Pavel war gelernter Frisör und hat sogar in einem Salon in Broda gearbeitet.“ Dort waren die Kolleginnen voll des Lobes über den ukrainischen Frisör.

Trotzdem, der Flüchtling setzte sich sogar erneut auf die Schulbank, um auch den deutschen Frisörabschluss zu bestehen. Aus Kalkül: Denn, so hieß es zumindest immer, wer sich gerade in der Ausbildung befindet, sei von Abschiebung verschont. „Aber Pavel musste die Ausbildung abbrechen“, weiß sein Pastor.

Frau und Tochter werden jetzt auch ausreisen

Am Dienstag wollen sich Pavel Anisimovs Ehefrau Natalia und die gemeinsame Tochter – die Kleine wurde schon in Neubrandenburg geboren – im Ausländeramt „stellen“ und freiwillig ausreisen. „Was sollen sie hier ohne den Ehemann und Vater“, ist Seidt traurig. Nicht nur darüber, dass er „Schafe“ aus seiner Herde verliert. „Gerade musste ich erneut im Radio hören, dass in der Ost-Ukraine wieder geschossen wird“.

Vergebens auch das Bemühen des Neubrandenburger SPD-Landtagsabgeordneten Manfred Dachner. Erst im Februar sagte Dachner, man dürfe nicht diejenigen Menschen bestrafen, die sich Mühe geben. Gemeint war: Wer arbeitet, sich in der Ausbildung befindet und Deutsch lernt, sollte vor Abschiebung geschützt sein.

Engagement für Asylantrag nicht ausschlaggebend

Im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) werde zwar begrüßt, wenn sich die Menschen in Deutschland integrieren, die Sprache lernen und arbeiten, heißt es dort auf Nachfrage. Ausschlaggebend für einen Asylantrag sei solch ein Engagement aber nicht. Das Bundesamt prüfe im Asylverfahren ausschließlich, ob und welche Gefahr dem Asylsuchenden bei Rückkehr in sein Herkunftsland drohe.

Pastor Seidt telefoniert jetzt regelmäßig mit Pavel Anisimov, den es vorerst nach Kiew verschlagen hat. Auch dessen Glaube steht fest wie eine Burg. Aber nicht mehr der an die Menschen in Deutschland.

Kommentare (5)

Ich frage mich was die Behörden die ganze Zeit so machen. Asylbantrage aus der Ukraine kann man in 5 Minuten bearbeiten. Wie groß ist wohl die Ukraine? Zwei mal so groß wie Deutschland? Ich kann mir nicht vorstellen daß dort überall Krieg ,Verfolgung und Verteibung herrschen sonst wären die andern 42 Millionen Ukrainer auch schon alle hier. Pavel Anissimov wird in der Ukraine gebraucht. Einen Beruf wird er ja wohl auch schon vorher gehabt haben und Haareschneiden kann man überall. Hätte er freiwillig auf seinen Ablehnungsbescheid reagiert hätte er nächst Woche schon wieder auf Urlaub nach Deutschland kommen können.

Jeder hat das Recht selbst zu entscheiden, ob er in kriegsähnlichen Zuständen Kriegsflüchtling oder Urlauber ist. Ob wer in der Ukraine gebraucht wird, entscheiden weder Deutsche noch andere Nationalitäten. Aus der Ferne die Arbeitsmarkt- und Menschenrechtssituation in der Ukraine zu beurteilen ist ohne Hintergrund. Die Argumentation, wenn in einem Land 10km² oder 100km² ohne Krieg, Vertreibung oder Verfolgung herrschen "sicher" sei, ist die hilflose Argumentation der Merkelregierung z.B. zum Pulverfass Afghanistan.

Man sagt ganz oben, Integration hat Priorität. Wenn sich Migranten integriert haben und sich ordentlich verhalten werden sie abgeschoben. Warum? Ganz klar, weil der Platz für intensiv Straftäter mit Migrationshintergrund, Hassprediger und radikale Islamisten gebraucht wird. Und jetzt sucht man beim BAMS das Bauernopfer. Schuld hat hier nur eine. Und weiter wird versucht das Volk Tag für Tag für dumm zu verkaufen und zu verar..

Ich dachte, eine Zeitung könnte recherchieren und seinen Lesern einen ordentlichen Bericht liefern. Was soll diese Berichterstattung über den nicht wissenden Pastor, das macht den Leser nicht schlauer. Darüber kann man nicht diskutieren, ich jedenfalls nicht. Sorry, wie man heute sagt, liebe Nordkurier- Berichterstatter.

Ich denke immer falsch. Ich dachte, der Nordkurier antwortet einmal auf Fragen- falsch, macht er eben nicht. Die Überschrift des Artikels ist unzutreffend. Über das WARUM hat der Autor kein Wort verloren. Schade.