DIGITALISIERUNG

Warum eine Beerdigung in der Kirche verweigert wurde

Der Kirchengemeinderat sperrt sich bislang gegen die Öffnung des Gotteshauses in Groß Teetzleben für weltliche Beerdigungen. Aber was eine Familie bei der Beerdigung ihrer Mutter erlebt hat, macht sie immer noch wütend.
Bärbel Gudat Bärbel Gudat
Die kleine Kirche in Teetzleben darf nur für kirchliche Beerdigungen genutzt werden.
Die kleine Kirche in Teetzleben darf nur für kirchliche Beerdigungen genutzt werden. Danilo Vitense
Teetzleben.

Wut und Enttäuschung sind gleichermaßen zu spüren, wenn Sylvia Siatkowski von der Beerdigung ihrer Mutter berichtet: Der Trauergemeinde wurde die Nutzung der gerade wieder eröffneten Kirche in Groß Teetzleben verwehrt. Sie musste vor der Tür bleiben, mit dem Verweis auf die Gemeindetrauerhalle im benachbarten Klein Teetzleben. Dank des schönen Herbstwetters blieb wenigstens die Aufbahrung neben der Kirche.

Nicht im kirchlichen Melderegister zu finden

Mit dieser Wut und Enttäuschung ist die Teetzlebenerin nicht allein. Es mischt sich bei vielen von ihren Freundinnen und Bekannten das Unverständnis über die Hartherzigkeit des Kirchgemeinderates. Der hat grundsätzlich entschieden: Keine weltlichen Beerdigungen in der kleinen Kirche. Aber Renate Schwarz war ja ein Mitglied in der Kirche, sagt die Tochter. „Meine Mama ist getauft, konfirmiert und kirchlich getraut worden, die Papiere habe ich zu Hause.“ Da sie vor 15 Jahren schwer erkrankte, nahm sie jedoch nicht mehr aktiv am kirchlichen Leben teil. In Vorbereitung auf die Trauerfeier war Renate Schwarz nicht im kirchlichen Melderegister zu finden.

Ein Fehler, der bei der Digitalisierung der Daten entstand, wie sich später herausstellte. Es gab eine Fehlerquote von etwa 10 Prozent bei der Übernahme ins kirchliche Meldewesen, erläutert der zuständige Pastor und Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Michael Giebel. Er selbst war zum Zeitpunkt der Anfrage im Urlaub, sonst hätte es sich schnell geklärt. So blieb es für die Tochter dabei, kein Kirchenmitglied – keine Nutzung der Kirche für die Beerdigung. Der Kirchengemeinderat habe sich noch vor meiner Zeit dafür entschieden, sagt Pastor Giebel. Im benachbarten Klein Teetzleben steht eine Trauerhalle der Gemeinde. „Sie ist aber klein, es haben nur wenige Leute Platz“, sagt die Teetzlebener Bürgermeisterin, Karin Heß. Die Gemeinde versuche aber, für den anschließenden Leichenschmaus zum Beispiel dem Raum der Feuerwehr zur Verfügung zu stellen.

Für Sylvia Siatkowski war diese Variante keine Möglichkeit. Viele der Trauergäste seien hochbetagt und auf Rollatoren angewiesen. Sie hat schon mal erlebt, dass bei einem Regenguss viele durchnässt waren und dann nicht mehr zum anschließenden Leichenschmaus kamen. Diesen Weg auf sich zu nehmen, „sei so was von böse“. Es gibt noch etwas anderes, was die Gefühle der trauernden Kinder von Renate Schwarz verletzte. „Wir wollten, dass die Urne unseres 2001 verstorbenen Vaters am Fußende des Sarges unserer Mutter mit beerdigt wird.“

Würdevolle Beerdigung bei schönem Wetter

Bei ihrer Anfrage wurde ihr mitgeteilt, dass erst einmal die WhatsApp-Gruppe der Kirchenmitglieder befragt werden müsste. Für sie befremdlich, auch wegen des Datenschutzes. Michael Giebel hat dafür eine Erklärung: Es existiere für den kirchlichen Friedhof in Teetzleben eine Satzung. „Der Umbettung muss der Kirchengemeinderat zustimmen“, argumentiert er. Es sei so die schnellste Möglichkeit, sich abzustimmen, denn ein Treffen der sieben Mitglieder des Kirchengemeinderates war für die nächsten Wochen nicht vorgesehen. Der Pastor fragt sich aber seinerseits, warum die Familie eine kirchliche Trauerfeier ablehnte. „Weil wir alles organisiert hatten und die Traueranzeige am Dienstag erschienen ist“, hält die Tochter der Verstorbenen entgegen. Erst Donnerstag habe sich die Pastorin Renate Moderow gemeldet. „Es war ein sehr nettes Gespräch“, versichert sie. Aber eben alles schon organisiert.

Da die Nutzung der Kirche nicht erlaubt wurde, haben sie ihre Mutti neben der Kirche aufgebahrt, weil sie wusste, dass ihr das viel bedeutet hätte. Es war schönes Wetter und es wurde eine würdevolle Beerdigung. Zurück blieben die Kinder mit ihren Fragen und sie wissen, dass es vielen anderen im Dorf genauso geht.

Die Kirche wurde in den zurückliegenden Monaten auch mit staatlichen Geldern renoviert. Da wäre es doch nur legitim, weltliche Beerdigungen zu gestatten. „Heißt es nicht, vor Gott sind alle Menschen gleich?“ Andere Kirchengemeinden wie die im benachbarten Breesen erlauben beispielsweise weltliche Beerdigungen. Sie wären auch bereit gewesen, einen gewissen Obolus zu bezahlen. „Die Kirchgemeinde jammert immer, dass sie keine neuen Mitglieder mehr findet.“ Das sei doch verständlich, wenn es solche Erfahrungen wie Fall ihrer Mutter gibt. Da wird zukünftig der Friedhof in Teetzleben ziemlich leer bleiben, glaubt Sylvia Siatkowski.

Der Kirchengemeinderat werde noch einmal dieses Thema besprechen, einen genauen Termin gebe es jedoch nicht, sagt Pastor Michael Giebel. „Es wird darüber geredet werden bei nächster Gelegenheit. Aber zum Kirchengemeinderat gehören eben sieben Mitglieder.“

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Kommentare (2)

Da sieht man den wahren Charakter der Kirche. Kinderschänder, Kohle machen um jeden Preis. Superpaläste bauen( Tebartz Van Elst). Menschen verdummen. Leider gibt es genug Menschen die darauf reinfallen. So ein Zirkus zu veranstalten wegen einer Beerdigung, einfach lächerlich.

Ich bin am 20.9.1990 notariell beurkundet aus der Kirche ausgetreten. Der Spaß hat mich damals DM 9,98 inc. Mehrwertsteuer gekostet. Ich bin mir sicher, das Geld war gut angelegt.