FOTO VON 1959

Warum legt Google Neubrandenburg in Trümmer?

Bei der Suche mit der Suchmaschine Google gibt Neubrandenburg derzeit kein gutes Bild ab: Suchende sehen zuerst ein Bild aus den 1950ern.
Mirko Hertrich Mirko Hertrich
Das Foto bei Google von Neubrandenburg wurde vor 60 Jahren aufgenommen, die aus anderen Städten zeigen aktuelle und schönere Motive.
Das Foto bei Google von Neubrandenburg wurde vor 60 Jahren aufgenommen, die aus anderen Städten zeigen aktuelle und schönere Motive. Hertrich, Mirko
Google Neubrandenburg Foto: Mirko Hertrich
Google Neubrandenburg Foto: Mirko Hertrich Mirko Hertrich
Neubrandenburg.

Über die Suchmaschine Google zeigen sich die Städte von ihren schönsten Seiten. Für Neustrelitz spuckt die Abfrage ein Luftbild des quadratischen Marktplatzes nebst Wikipedia-Angaben aus. Waren grüßt die Internet-Surfer im einem Panoramabild aus dem Hafen und Burg Stargard präsentiert sich im World Wide Web mit der Höhenburg.

Das Google-Bild für Neubrandenburg macht aktuell aber stutzig: Ein Straßenzug im Bau mit aufgerissener Straße prangt neben der Beschreibung der Stadt, beides ist – wie bei den anderen Städten auch – aus der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia übernommen.

Viele Sehenswürdigkeiten zur Auswahl

Doch anstatt wie ansonsten das Wahrzeichen oder einen anderen markanten Punkt der Stadt auszuwerfen, zeigt Google seit ein paar Tagen ein Foto aus dem Bundesarchiv, das auf den ersten Blick wie die Ansicht einer Trümmerlandschaft anmutet. Tatsächlich abgebildet sind aber Neubauten an der Stargarder Straße aus dem Jahr 1959, wo sich heute am Marktplatz unter anderem ein Bäcker befindet. Die Bildunterschrift dazu lautet: „Ein großer Teil der zerstörten Altstadt wurde in den 1950ern im Stil des sozialistischen Klassizismus neu bebaut, mit Zitaten von Baudetails der barocken und klassizistischen Vorkriegsbebauung.“

Natürlich ist das nicht gerade eine Visitenkarte für die Viertorestadt. Wer sich beispielsweise im Internet mal ein Bild für einen Besuch über die Osterfeiertage machen will, könnte dadurch leicht abgeschreckt oder schnell zu einem Klick auf eine andere Stadt verleitet werden. Aber warum listet die Google-Suche nicht schönere Fotos der Stadt aus Wikipedia?

Denn davon stünden zahlreiche zur Auswahl. Zuallererst der Tollensesee, alle vier Stadttore, natürlich die Konzertkirche, aber auch Wiekhäuser, Bellevedere oder Behmshöhe, selbst die dort abgebildete DDR-Briefmarke von 1982 zu „Markante Bauten im Bezirk Neubrandenburg“ wäre ein schöneres Motiv.

Bei der Stadt zeigt man sich resigniert

Wie Google zu dieser Bildauswahl kommt und vor allem, wie man sie wieder weg bekommt, ist allerdings eine schwierige Frage. Bei der Stadt zeigt man sich etwas ratlos. „Wir können ja nicht Herrn Google schreiben“, sagt Stadtsprecherin Anett Seidel leicht resigniert.

Der Nordkurier kontaktierte per Mail zumindest mal die deutsche Pressestelle des US-amerikanischen Internetriesen Alphabet Inc., zu dem Google gehört. Die Anfrage wurde am frühen Dienstagnachmittag gestellt, bis Mittwoch zum Redaktionsschluss war keine Antwort eingegangen. So wird Neubrandenburg wohl zumindest noch über die Osterfeiertage mit einem alten Baustellenbild auf Google repräsentiert.

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Kommentare (1)

Grundsätzlich ist Google-Algorithmus gültig, solange man nicht an Google spendet, um ein Bild an erste Stelle zu hieven. Ohne den Faktor "Spende" an Google hat folgender Blog von Martin Mißfeldt mit einer schönen Grafik das Prinzip des Algorhithmus veranschaulicht: https://www.tagseoblog.de/gutes-ranking-google-bildersuche-erreicht