EBBE UND FLUT

Was ist los mit den Bächen in Neubrandenburg?

Fließendes Wasser im Gätenbach und fehlendes Wasser im Lindebach. Dabei liegen doch zwischen beiden Neubrandenburger Gewässern nur wenige Hundert Meter. Was ist da passiert?
Thomas Beigang Thomas Beigang
Der Gätenbach in Neubrandenburg zeigt sich relativ gut gefüllt. Ebbe herrscht dagegen im benachbarten Lindebach. Der Grund dafür ist menschlicher Natur.
Der Gätenbach in Neubrandenburg zeigt sich relativ gut gefüllt. Ebbe herrscht dagegen im benachbarten Lindebach. Der Grund dafür ist menschlicher Natur. Thomas Beigang
Neubrandenburg.

Die aufgeregten Anrufer sind verwirrt und besonders die Einwohner der Neubrandenburger Südstadt stehen vor einem Rätsel. Denn die beiden „Flüsschen“ Gätenbach und Lindebach stellen sich gegenwärtig so unterschiedlich dar, wie es nur irgend geht. Gut gefüllt der Gätenbach, der parallel zur Horst-Jonas-Straße, hinter der Kita „Bumerang“ und unter der Neustrelitzer Straße Richtung Tollensesee fließt.

Traurig dagegen der Anblick des „Bruders“ – der Lindebach hat in den vergangenen Wochen kaum Wasser geführt, besonders auf Höhe des Schwanenteichs herrscht Ebbe. Trockenen Fußes kann die Linde hier überquert werden. Was ist passiert? Ist die lang anhaltenden Rekord-Trockenzeit in Norddeutschland schuld an der Misere? Aber schließlich dürfte auch der Gätenbach dann kein Wasser führen. Betroffen zeigte sich an den vergangenen Tagen aber nur der Lindebach. Aufklärung kann vielleicht Bodo Heise, der „Wasser-Verantwortliche“ im Neubrandenburger Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) bieten.

Stalu klärt Rätsel auf

Natürlich sei die Trockenheit verantwortlich dafür, dass sämtliche Gewässer auch in und um Neubrandenburg weniger Wasser führen als in der vergangenen Jahren, so der Fachmann. Allein der Tollensesee, der fünftgrößte See Mecklenburg-Vorpommerns: Im Gegensatz zum Wasserstand am 1. Mai, als der Neubrandenburger Tollensesee bis zum Rand vollgelaufen war, fehlten im August fünf Milliarden Liter Wasser. Aber das, so Heise, sei nicht die wahre Ursache für das von zahlreichen Neubrandenburger beobachtete Phänomen an beiden Bächen. Denn das fehlende Wasser im Lindebach ist handgemacht.

„Dafür“, sagt der Stalu-Spezialist fürs nasse Element, „sind wir verantwortlich“. Zwei handfeste Gründe gebe es für die Ebbe im Lindebach. Zum einen die Bitte der Baubetriebe vor der Umsetzung der Baustelle Engelsring/Neustrelitzer Straße, das Wasser doch bitte über den Gätenbach umzuleiten. „Damit die dort an der Baustelle für einen gewissen Zeitraum besser zurechtkommen“.

Außerdem, so Heise, habe es sich notwendig gemacht, die Linde zwischen Hinterster Mühle und Heidmühlenstraße zu entkrauten. Weil aber das Flüsschen – der Trockenheit geschuldet – zu wenig Wasser führte, um das sogenannte Krautboot zu tragen, musste auch hier Wasser angestaut werden. „Das fehlte dann natürlich in der Stadt“, sagt Heise. Mittlerweile, so der Mann vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt, müsse aber schon wieder Wasser im Neubrandenburger Lindebach angekommen sein. „Die beiden Maßnahmen zur Anstauung des Wassers sind beendet“.

Die Linde entspringt bei Woldegk und fließt über den Lindebach und den Gätenbach in Neubrandenburg in den Tollensesee.

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