2,5 Prozent der Erststimmen und 1,6 Prozent der Zweitstimmen in Neubrandenburg waren ungültig.
2,5 Prozent der Erststimmen und 1,6 Prozent der Zweitstimmen in Neubrandenburg waren ungültig. Tim Prahle
Eine Übersicht der ungültigen Stimmen zur Bundestagswahl aus Neubrandenburg, den Ämtern Friedland, Neverin, Stargarder Land und insgesamt aus Mecklenburg-Vorpommern.
Eine Übersicht der ungültigen Stimmen zur Bundestagswahl aus Neubrandenburg, den Ämtern Friedland, Neverin, Stargarder Land und insgesamt aus Mecklenburg-Vorpommern. NK-Grafik
Urnen- und Briefwahl

Was war denn da los? 1000 ungültige Stimmen in Neubrandenburg

Es gibt verschiedene Gründe für ungültige Wahlscheine. Doch mehr als 1.000 ungültige Erst- und Zweitstimmen allein zur Bundestagswahl aus Neubrandenburg – das lässt schon aufhorchen.
Neubrandenburg

722 Erststimmen, 453 Zweitstimmen: Alleine bei der Auszählung der Urnenwahl mussten am späten Wahlsonntag in Neubrandenburg mehr als 1.000 Stimmen für die Bundestagswahl für ungültig erklärt werden. Eine Auswertung der Wahldaten zeigt in der gesamten Neubrandenburger Region das gleiche Bild. Die Stimmen für die Direktkandidaten (Erststimmen) sind häufiger ungültig als die für Parteien (Zweitstimmen); die von Urnengängern häufiger ungültig als jene von Briefwählern.

In Neubrandenburg wurde jede 40. Erststimme für ungültig erklärt. Im Amtsbereich Friedland sieht es ähnlich aus. Zum Vergleich: Landesweit liegt der Anteil bei 2,1 Prozent.

Warum ein Stimmzettel als ungültig ist, wird statistisch von den Wahlleitungen nicht erhoben. Schon wenn der Wählerwille nicht zweifelsfrei zu erkennen ist, etwa weil mehrere Kreuze gemacht werden, verliert die Stimme ihre Gültigkeit. Ebenso bei Zusatzbemerkungen oder Fragezeichen sowie Kennzeichnungen auf der Rückseite des Wahlzettels. Denn auch das Wahlgeheimnis darf nicht gefährdet werden.

Durchgestrichen gleich ungültig

Es gibt jedoch auch Fälle, bei denen der Zettel ganz absichtlich durchgestrichen und damit ungültig gemacht wird – aus Protest. Oder wenn der Stimmzettel leer ist, was besonders häufig bei den Direktkandidaten vorkommen könnte, zu denen die Wähler gemeinhin etwas weniger Bezug haben als zu den Parteien.

In Neubrandenburg war der Anteil ungültiger Stimmen mit 3,2 Prozent bei der Wahl der Direktkandidaten an der Urne besonders hoch. Das liegt maßgeblich an einem Vorfall aus dem Wahllokal im Albert-Einstein-Gymnasium. Jenes Wahllokal, bei dem knapp 100 Stimmzettel aus dem falschen Wahlkreis landeten, die bei der Auszählung alle für ungültig erklärt werden mussten. Diese 100 Stimmen machten statistisch bereits einen Unterschied von beinahe 0,5 Prozentpunkten und hoben den Anteil der ungültigen Stimmen bei den Direktmandaten erst über die 3-Prozent-Hürde. Die Amtsbereiche Friedland und Neverin lagen ebenfalls leicht über dem Landesdurchschnitt. Der Amtsbereich Stargarder Land erreichte hingegen in allen Bereichen einen überdurchschnittlichen Wert bei der Stimmgültigkeit.

Eine Übersicht der ungültigen Stimmen zur Bundestagswahl aus Neubrandenburg, den Ämtern Friedland, Neverin, Stargarder Land und insgesamt aus Mecklenburg-Vorpommern.

Briefwahl deutlich unauffälliger

Auffällig, lokal wie landesweit, dass die Briefwahl eine deutlich geringere Quote an ungültigen Stimmen aufwies. In Neubrandenburg und dem Umland lag sie wie auch im Landesdurschnitt bei den Zweitstimmen gar bei unter einem Prozent. Obwohl mit den verschiedenen Umschlägen sogar formale Fallstricke dazukommen.

Landeswahlleiterin Gudrun Beneicke ist davon auf Nordkurier-Anfrage jedoch kaum überrascht. Denn schon vor fünf Jahren war der Anteil ungültiger Stimmen bei der Briefwahl geringer, die Werte hätten sich bei den Wahlen ohnehin in ziemlich ähnlichen Sphären bewegt, wie aus ihrer Antwort hervorgeht. Woher eine niedrigere Quote ungültiger Stimmen bei der Briefwahl komme, ließe sich vielleicht dadurch erklären, dass der Wähler zu Hause mehr Ruhe hat und weniger gestört wird. „Aber auch das ist rein spekulativ“, betont die Landeswahlleiterin.

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