Ein Neubrandenburger liegt mit dem Jobcenter im Streit: Es geht um einen Cent.
Ein Neubrandenburger liegt mit dem Jobcenter im Streit: Es geht um einen Cent. NK-Montage / Mirko Hertrich / Christian Götz
Der Cent resultiert aus einem mathematischen Problem: Manchmal lässt sich ein Betrag nicht durch drei teilen, ohne dass h
Der Cent resultiert aus einem mathematischen Problem: Manchmal lässt sich ein Betrag nicht durch drei teilen, ohne dass hier und da ein Cent verloren geht. Christian Götz
Durch geringere Betriebskosten sinkt Christian Götz's Miete um 11 Euro. Doch das Jobcenter streicht ihm monatlich 11
Durch geringere Betriebskosten sinkt Christian Götz's Miete um 11 Euro. Doch das Jobcenter streicht ihm monatlich 11,01 Euro. Woher kommt der eine Cent? Christian Götz
Hartz IV

Wegen einem Cent – Ärger mit dem Jobcenter

Ein Neubrandenburger Hartz IV-Empfänger ärgert sich über das örtliche Jobcenter. Denn dieses berechnet dem Mann seit einem Monat einen Cent zu viel. Steckt da System hinter?
Neubrandenburg

Es ist nur ein einziger Cent, der Christian Götz im Monat zu viel vom Jobcenter berechnet wird und trotzdem ärgert ihn das. Oder gerade deshalb. Denn bei einem Cent, da regt sich ja niemand auf, vermutet der 55-jährige Neubrandenburger. Doch was, wenn da System hinter steckt, fragt er sich. „Für einen Einzelnen sind das nur 12 Cent pro Jahr. Aber wenn das Jobcenter so bei einer Million Leuten abrechnet, dann sind das 120.000 Euro Gewinn für das Jobcenter”, rechnet Christian Götz vor.

Betriebskosten sinken – Jobcenter überweist weniger

Zu dem vermeintlichen Fehler kam es nach einer Änderung der Betriebskostenabrechnung im September. Die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges) informierte als Vermieter Christian Götz darüber, dass seine Miete in Zukunft um genau 11 Euro gesunken ist.

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Als Hartz IV-Empfänger meldete er das sofort dem Jobcenter in Neubrandenburg, damit die geringere Miete mit dem monatlichen Arbeitslosengeld 2 verrechnet wird.

Doch bei der nächsten Abrechnung wunderte sich der 55-Jährige nicht schlecht, als ihm das Arbeitsamt elf Euro und genau einen Cent weniger bewilligt als üblich. Woher kommt also der Cent, der Christian Götz zu viel abgezogen wurde?

Ein Anruf seinerseits bei der Agentur für Arbeit brachte keine erhellende Erkenntnis. „Das wird automatisch so vom System errechnet”, bekam Christian Götz als Antwort.

Der Cent ist ein mathematisches Problem

Auf Nordkurier-Nachfrage erklärt ein Sprecher des Neubrandenburger Jobcenters das etwas genauer: Die Abweichung um ein Cent ist ein mathematisches Problem. Er entsteht besonders oft dann, wenn eine ungerade Personenanzahl zusammenlebt und Sozialhilfe empfängt – so wie Christian Götz, der mit seiner Lebensgefährtin und deren Sohn zusammen wohnt.

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Dann nämlich wird die monatliche Miete auf die Anzahl der Personen, die in der Wohnung leben, aufgeteilt. Dabei kann es zu Verschiebungen im Cent-Bereich kommen.

Die monatliche Miete von Christian Götz beträgt nach der neuen Betriebskostenabrechnung 514 Euro. Das Jobcenter teilt die Miete auf die drei Personen gleichmäßig auf und rundet auf zwei Nachkommastellen. Das wären dann gerundet 171,33 Euro pro Person. Rechnet man jetzt aber die anteilige Miete mal drei so entsteht ein Betrag von 513,99 Euro. Es fehlt also ein Cent.

Gesetzgeber erlaubt geringe Abweichungen

Was auf den ersten Blick merkwürdig ungenau aussieht ist aber vom Gesetzgeber gedeckt. Dort heißt es: „Die Bedarfe für Unterkunft und Heizung werden zu gleichen Teilen auf die Mitglieder der Haushaltsgemeinschaft aufgeteilt. Geringe Abweichungen sind möglich, wenn der Gesamtbetrag der Bedarfe für Unterkunft und Heizung nicht exakt durch die Personenanzahl teilbar ist.”

Für Christian Götz ist mit dieser Erklärung der Fall erledigt. Er hätte sich aber die Erklärung gerne direkt vom Arbeitsamt gewünscht.

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