VERUNREINIGUNG

Weiter Chlor im Neubrandenburger Trinkwasser

Seit Wochen muss dem Leitungswasser in Neubrandenburg Chlor beigemischt werden. Wie lange das noch andauert, weiß keiner. Aber die Gefahr durch Bakterien soll viel größer sein als das gegenwärtige chlorhaltige Dilemma.
Thomas Beigang Thomas Beigang
Die angeordnete Desinfektion läuft so lange, bis das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung diese wieder aufhebt.
Die angeordnete Desinfektion läuft so lange, bis das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung diese wieder aufhebt. © sirirak – Fotolia.com
Neubrandenburg.

Die einzigen, die sich am Chlorgeruch und Chlorgeschmack des Neubrandenburger Trinkwassers gegenwärtig nicht stören, sind die Inhaber der zahlreichen Getränkemärkte in der Stadt. „Die Leute kaufen viel mehr Wasser als zu anderen heißen Zeiten“, heißt es auf Nachfrage bei „Getränke A-Z“ im Schimmelweg. Die meisten anderen „Nachfüllstationen“ bestätigen das am Dienstag während einer Nordkurier-Blitzumfrage.

Alle anderen sind sauer und machen in Anrufen bei der Heimatzeitung ihren Herzen Luft: Das gechlorte Wasser schmecke überhaupt nicht mehr und rieche unangenehm, heißt es. Manche mögen kaum noch die Dusche benutzen oder nehmen selbst zum Kochen von Kaffee und Kartoffeln Wasser aus der Flasche – ein teurer Spaß. „Statt zehn schleppe ich inzwischen wöchentlich 30 Liter Brunnenwasser von der Kaufhalle nach Hause“, schreibt ein verärgerter Neubrandenburger. Schuld daran ist eine Verunreinigung des Trinkwassers. Die bakterielle Verunreinigung, wohl durch die Beschädigung einer Trinkwasserleitung verursacht, ist Mitte Juni bei einer Routineprobe erst nachträglich festgestellt worden, so eine Sprecherin der Neubrandenburger Stadtwerke. Deshalb, so hieß es weiter, sei ein „Abschiebern“ der Unglücksstelle zur Eingrenzung der Verschmutzung nicht mehr möglich gewesen. Die bittere Folge: Die Desinfektion mit Chlor musste im gesamten Trinkwassernetz erfolgen.

Gesundheitsamt untersucht das Wasser wöchentlich

Wann das Trinkwasser endlich wieder schmeckt, weiß in den Stadtwerken niemand zu sagen. Die angeordnete Desinfektion laufe so lange, bis das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung diese wieder aufhebt, so die Auskunft. Und dort heißt es, die Chlorung der Trinkwasserleitung müsse aufrecht erhalten werden, bis die Laborwerte eine Entwarnung rechtfertigen. Wöchentlich untersuche das Gesundheitsamt das Wasser in der Kreisstadt, so eine Sprecherin der Kreisverwaltung.

Auch wenn es ungewohnt riecht und schmeckt – die Chlorung des Trinkwassers ist nach Ansicht der Stadtwerke das kleinere Übel. Die Konzentration des Mittels sei so gering, dass eine gesundheitliche Gefährdung nicht zu befürchten sei. Ziel der Chlorung sei, dass gänzlich ausgeschlossen werde, dass sich noch Bakterien im Leitungswasser befinden. „Diese könnten dem Verbraucher deutlich eher schaden, als geringe Mengen Chlor“, lautet die Auskunft der Stadtwerke. Das Wasser sei zum Trinken, Kochen, Zähneputzen oder zur Zubereitung von Speisen, zum Duschen oder Baden weiterhin geeignet, aber „ungünstig für Aquarien“, heißt es weiter. Es sei aber verständlich, dass die Bürger unsicher wegen der Nutzung des Trinkwassers seien, zeigt das Neubrandenburger Unternehmen Einsicht in die Gefühle seiner Kunden. Auch bei den Stadtwerken würden sich die Anrufe besorgter und verärgerter Neubrandenburger häufen.

Dabei warnen Verbraucherschützer schon lange besonders Schwangere und Mütter von Säuglingen vor der chemischen Substanz. Die sollen bei längerer Chlorung des Wassers zu Alternativen wie Babywasser oder Flaschenwasser aus dem Supermarkt greifen. Über die genauen Auswirkungen, die Chlor im Trinkwasser auf die Gesundheit ungeborener Babys oder Säuglinge hat, sind sich die Experten aber noch größtenteils uneinig.

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Kommentare (3)

Achtung chlorwasser erhöht mindestens Blasenkrebs und Asthmagefahr

Schon erbärmlich wenn Mitarbeiter des nordkurier nicht mal andere Zeitungen oder offizielle Bundeswebsiten lesen und richtig wiedergeben können

Die Nordkurier-gruppe ist Geschäftspartner der Stadt, neusw und eines jedem Amtes in nb, er stellt nämlich die Post zu aber wie gut das er immer so neutral und objektiv über Stadt, Ämter, kommunale und städtische Unternehmen berichtet

PS 600 bis 700 verschiedene Substanzen könnten entstehen, wenn Chlor mit organischem Material Haare, Schuppen, Urin

Wie wärst mal wenn man objektive Untersuchungen zu jedem einzelnen der 600 Stoffe macht bzw veröffentlicht (gute Journalisten finden sowas schon) anstatt solchen Schwachsinn zu schreiben saß das Baden u Trinken ungefährlich ist

Eh meine Absätze werden unterschlagen extra vierfach geteilt zur Übersicht next mal nehme ich Leerzeichen oder Striche

Das mit den Absätzen können sie auch nicht. ;-) Und zum Wasser: Da ist es genau wie mit Essen allgemein auch: das ungesündeste daran sind die negativen/besorgten Gedanken darüber.