EXHIBITIONISMUS

Wenn nackte Menschen für Angst und Schrecken sorgen

Die Polizisten in Neubrandenburg suchen wieder mal nach einem Entblößer. Aber wo genau verläuft die Grenze, ab der ein Exhibitionist zu einem Straftäter wird?
Am Neubrandenburger Oberbach treibt sich wieder einmal ein Entblößer umher, der junge Schülerinnen schockierte
Am Neubrandenburger Oberbach treibt sich wieder einmal ein Entblößer umher, der junge Schülerinnen schockierte. Thomas Beigang, © Peter Atkins - stock.adobe.com
Neubrandenburg ·

Die Mädchen waren geschockt – und haben das einzig Richtige getan, als sie vor wenigen Tagen am Neubrandenburger Oberbach von einem Exhibitionisten belästigt wurden. Der Mann habe nach Aussage der Mädchen auf einer Parkbank gesessen und sichtbar an seinem Glied herumgespielt. Als eine 16-Jährige ihr Handy hervorholte, um die Polizei zu rufen, floh der Verdächtige. Bereits im Juli hatten Schülerinnen von einem ähnlichen Vorfall am Oberbach berichtet. Auch in Röbel, Greifswald und Neustrelitz gab es in jüngster Vergangenheit Vorfälle.

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Polizisten raten allen Beobachtern, die mit Entblößern konfrontiert werden, unbedingt in jedem Fall mit der Polizei Kontakt aufzunehmen. Und beim unmittelbaren Zusammentreffen sollte nach Möglichkeit versucht werden, den Exhibitionisten zu ignorieren – auch wenn das schwer fällt. Denn dem Gegenüber käme es ja gerade auf die Aufmerksamkeit an, die er erregt. Muss er die vermissen, verliert das Geschehen für ihn an Reiz.

Sie fahren in Nachbarorte oder in den Urlaub

Exhibitionistische Handlungen werden mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Das Maß der Strafe hängt von der Intensität der Handlung sowie den Folgen der Straftat für das Opfer ab. Aber – so leicht wird die Polizei des freizügigen Verdächtigen nicht habhaft werden können, wissen die Ermittler aus Erfahrung. In aller Regel ziehen Exhibitionisten sich dort aus, wo sie niemand kennt. Es sei äußerst selten, dass jemand genau dort, wo er auch wohnt, seine Neigung auslebt. Meist würden diese Männer zu diesem Zweck in Nachbarorte oder in den Urlaub fahren.

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Auf den Tischen der Amtsgerichte landen jedes Jahr einige Fälle, in denen Männer als Entblößer angeklagt werden. Außer in Fällen hartnäckiger Wiederholungstäter werden meist Geld- oder Bewährungsstrafen ausgesprochen. Aber – nicht jede exhibitionistische Handlung stellt auch automatisch eine Straftat dar, sondern wird erst dann eine, wenn so eine andere Person belästigt wird. Dazu muss, so sagt das Gesetz, die Handlung eine Person nicht unerheblich in ihrem Empfinden beeinträchtigen, zum Beispiel, indem sie Gefühle von Ekel, Schock oder Schrecken verursacht oder das Schamgefühl verletzt. Die Belästigung ist nicht gegeben, wenn die Reaktion des oder der Betroffenen Interesse, Verwunderung oder Mitleid ist. Völlig anders hingegen, wenn die unfreiwilligen Zeugen Kinder oder Jugendliche sind. Da exhibitionistische Handlungen oftmals aufgrund von Zwängen erfolgen, ist häufig davon auszugehen, dass ein Rückfall droht. Richter raten Angeklagten daher immer dringend, sich um medizinische Hilfe zu bemühen.

Exhibitionisten haben im Gefängnis schlechten Ruf

Manchmal holen Richter allerdings auch weit aus, um Wiederholungstätern den Ernst der Angelegenheit drastisch klar zu machen. Ein Richter am Warener Amtsgericht hatte vor Jahren einem jungen Mann, den er zum wiederholten Mal zu einer Strafe auf Bewährung verurteilte, mit den möglichen Folgen konfrontiert. Sollte der junge Mann noch einmal vor ihm stehen, könne er davon ausgehen, hinter Gittern zu landen.

„Und dort“, drohte der Richter, „sind Sie eine ganz arme Sau“. Mit einem Urteil als Entblößer im Nacken müsse er damit rechnen, im Gefängnis selbst ganz schnell zum Missbrauchsopfer zu werden. Im Strafvollzug herrschen andere Gesetze. Nur wer stark ist oder ein gepfeffertes Urteil vorweist, steigt in der Hierarchie nach oben. Und stark, das sind Exhibitionisten selten.

 

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Kommentare (6)

Exhibitionist*Innen.

Ist das so? Und das hat der Richter gesagt? Wenn das so stimmt, ist es um die Justiz hier im Land schlecht bestellt. Das Recht auf Menschenwürde oder auch körperliche Unversehrtheit gibt man doch nicht am Gefängniseingang ab. Wenn ein Richter Drohungen auf so eine Art und Weise ausspricht, ist er fehl am Platz.

Es war keine Drohung sonder eine Feststellung. Solche Typen laufen dort Spießruten. Der Richter warnt nur. Lesen und Verstehen. Bob Die lok

Soviel zu Lesen und Verstehen.

Mehr nicht eine Bedrohung ist etwas anderes. Aber für sie nicht zu erkennen.

Der Sommer ist vorbei. Nicht mehr nackt rumlaufen. Dein kleinen will keiner sehen.