Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, wird in Cosa bei Friedland auf alle Fälle fündig.
Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, wird in Cosa bei Friedland auf alle Fälle fündig. Tim Prahle
Peter und Petra Schröder übernahmen im vergangenen Sommer den Campingplatz „Star Camp Cosa“. Zu Ostern s
Peter und Petra Schröder übernahmen im vergangenen Sommer den Campingplatz „Star Camp Cosa“. Zu Ostern startet die kleine Familie in ihre erste richtige Saison. Tim Prahle
Die vielerorts immer beliebter werdenden Schlaffässer gehören zu den Neuerungen, die das junge Paar mit nach Cosa br
Die vielerorts immer beliebter werdenden Schlaffässer gehören zu den Neuerungen, die das junge Paar mit nach Cosa brachte. Tim Prahle
Aus der Zeit gefallen: Auf dem Ortseingangsschild wird Cosa noch im Landkreis Mecklenburg-Strelitz verortet, den es seit 2011
Aus der Zeit gefallen: Auf dem Ortseingangsschild wird Cosa noch im Landkreis Mecklenburg-Strelitz verortet, den es seit 2011 nicht mehr gibt. Tim Prahle
Das 1,4 Hektar große Gelände des Campingplatzes weist insgesamt rund 40 Stell-und Zeltplätze auf.
Das 1,4 Hektar große Gelände des Campingplatzes weist insgesamt rund 40 Stell-und Zeltplätze auf. Tim Prahle
Tourismus

Wer die Ruhe sucht, wird auf diesem Campingplatz fündig

Im Cosa bei Friedland starten Petra und Peter Schröder in ihre erste Saison als Campingplatz-Betreiber. Der abgelegene Ort hat Vorzüge, manche Touristen tun ihnen dennoch leid.
Cosa

„Am Ende der Welt, links ab“, scherzt Peter Schröder, wenn es um den Standort des Campingplatzes geht. Ganz Unrecht hat er damit nicht. Cosa, südöstlich von Friedland gelegen, ist tatsächlich weit ab vom Schuss. Das Ortsausgangsschild zeigt das nächste Dorf erst gar nicht an, das Eingangsschild begrüßt die Autofahrer noch im Landkreis Mecklenburg-Strelitz – mehr als zehn Jahre nach der Kreisgebietsreform. Die Zeit scheint stehen geblieben.

Schlaffässer, Hofladen und Fass-Sauna sind neu

Doch für den Campingplatz gilt das nicht. „Wir haben den ganzen Winter geackert“, sagt Petra Schröder. Schlaffässer, ein Hofladen und eine Fass-Sauna kamen hinzu, Stand Up Paddeln wird angeboten, Ferienwohnungen wurden neu eingerichtet und der Bau eines eigenen Wohnhauses läuft in vollen Zügen. Insgesamt beläuft sich die Investition auf einen sechsstelligen Betrag.

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Petra und Peter Schröder haben zwar verblüffend gut zueinander passende Vornamen, aber eigentlich keine Ahnung von der Führung eines Campingplatzes. Der 41-jährige gebürtige Rheinländer arbeitete zuletzt als freier Software-Entwickler, die zwei Jahre jüngere Petra verließ Friedland nach der Schule in Richtung Hamburg für eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Dass es nach 20 Jahren in der Großstadt für sie nun zurück in die Heimatregion ging, hat ihr Mann Peter zu verantworten, den sie in Hamburg kennen und lieben gelernt hatte.

Aus Langeweile wurde Interesse am Wechsel

Während der Coronazeit blieb er meist zu Hause, kümmerte sich um den kleinen Sohn Paul. „Mir wurde irgendwann wahnsinnig langweilig“, erinnert er sich schmunzelnd. Eher zufällig stieß er auf die Anzeige von Jochem Wernecke, der den Campingplatz aus Altersgründen abgeben wollte. Peter Schröder schaute sich das 1,4 Hektar große Gelände mit insgesamt rund 40 Stell-und Zeltplätzen gemeinsam mit dem Filius an. Nur seine Frau musste noch überzeugt werden, das Leben plötzlich komplett umzukrempeln.

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„Ich kann da wahnsinnig nervig sein“, gibt Schröder zu. Zupass kam ihm, dass der Eigentümer in Hamburg ihr Reihenhaus verkaufte. „Wir hätten in Hamburg also auch neu anfangen müssen“, sagt Petra Schröder, deren Eltern noch immer in Friedland wohnen. Nun geht ihr sechs Jahre alter Sohn Paul in denselben Kindergarten wie einst sie, das Ehepaar startet zu Ostern seine erste richtige eigene Saison.

Abgeschiedenheit und Ruhe als Pluspunkte

Faktisch hätten sie den Platz schon im vergangenen Sommer übernommen, zogen direkt am Campingplatz ein und mussten sich „erst einmal einfinden“, wie Petra Schröder sagt. Die Bewährungsprobe gelang, die Pläne sind groß. „Wir sind selbst eine kleine Familie und wollen uns hier wirklich noch mehr in Richtung Familien-Camping ausrichten“, betont Peter Schröder. Die Familie sei selbst gerne in den Camping-Urlaub gefahren, das Leben als Betreiber solle vor allem Spaß machen.

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Die Chancen schätzen sie gut ein. Die nächsten Campingplätze seien erst inUeckermünde und Neubrandenburg, die Abgeschiedenheit sei eine Stärke. „Wir haben hier kein Remmidemmi, sondern Natur und Ruhe.“ Einige kämen extra, weil es auf Usedom schon zu voll ist. Nicht nur Berliner auf den Weg an die Ostsee, sondern Menschen aus ganz Deutschland und Europa kämen nach Cosa. „Die suchen sich teilweise ganz gezielt das Nirgendwo aus“, sagt der 41-Jährige.

Mit Tourismusverein soll Belebung kommen

Die jungen Betreiber sind direkt in den Tourismusverein Brohmer & Helpter Berge eingetreten. Denn die andere Seite der Medaille der Abgeschiedenheit ist eine gewisse Strukturschwäche. Besonders die Radtouristen täten ihnen teilweise leid, zum einen wegen des Zustandes der Wege, zum anderen, weil gastronomische Angebote Mangelware seien. Wohin sie die Camper schicken können, wenn die mal etwas erleben möchten, mussten sie selbst sich erst erarbeiten. „Wir hoffen, mit dem Tourismusverein noch etwas Frische reinzubringen“, sagen die Schröders, die sich offenbar längst auf dem Dorf eingelebt haben. Hier, am Ende der Welt, links ab.

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