Wird Neubrandenburg morgen wieder einen Stadtpräsidenten bekommen? Die Stadtvertreter haben im HKB bei ihrer nächsten Sitzung die Wahl zwischen Jan-Kuhnert (Linke) und Thomas Gesswein (CDU/FDP-Fraktion, re.). NK-Montage/Fotos: alphaspirit - Fotolia/NK-Archiv
Stadtvertreter wählen

Wer wird Neubrandenburgs neuer Stadtpräsident?

Seit Monaten steht Neubrandenburg ohne formales Stadtoberhaupt da. Das soll sich Donnerstag ändern. Ein Linker und ein CDU-FDP-Mann treten gegeneinander an.
Neubrandenburg

Seit knapp drei Monaten steht die drittgrößte Stadt des Landes ohne formelles Stadtoberhaupt da. Diesen Donnerstag sollte sich das aller Voraussicht nach ändern. Dann wählen die mehr als 40 Stadtvertreter einen neuen Stadtpräsidenten.

So ist zumindest der Plan. Bereits Anfang Juni hatte sich der derzeit kommissarische Stadtpräsident Roman Oppermann (SPD) zur Wahl gestellt und war als einziger Kandidat bei einer in sich zerstrittenen Stadtvertretung durchgefallen.

Rücktritt nach unbelegten Mobbing-Vorwürfen

Notwendig wurde die Wahl, nachdem Dieter Stegemann (CDU) im Mai nach unbelegten Mobbing-Vorwürfen gegen Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) zurücktrat. Nur eine von vielen Turbulenzen, die Neubrandenburgs Bürgervertretung in den vergangenen Monaten ereilte.

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Eine Sommerpause nach dem erfolglosen Versuch Oppermanns wollen nun Jan Kuhnert (Linke) und Thomas Gesswein (CDU/FDP) versuchen, Neubrandenburgs oberster Repräsentant zu werden – und im Falle eines Wahlerfolgs endlich wieder für etwas Ruhe sorgen. „Wir müssen dringend zur Sachpolitik zurückkehren“, mahnt Kuhnert, der derzeit noch dem Stadtentwicklungsausschuss vorsitzt. Etwa bei der Energiekrise gebe es gerade weit größere Sorgen, mit der Großen Wollweberstraße stehe zudem eine Baustelle vor der Tür, „die uns noch einige Nerven kosten wird“, meint der Ratsherr.

Und die ewigen Streitereien mit dem Oberbürgermeister sollten endlich ad acta gelegt werden. „Da müssen alle mitwirken und ich möchte meinen Teil beitragen“, sagt er. Ohne dabei nur „Grüß-August“ zu sein. „Gerade bei Besuchen in Betrieben will ich auch mal ganz ungeschönt von den Beschäftigten was über die Arbeitsbedingungen erfahren, nennt Gewerkschafter Kuhnert ein Beispiel.

Thomas Gesswein will sich ganz an seinem möglichen Vorgänger Dieter Stegemann orientieren. „Ich will dafür sorgen, dass wir auch bei kniffligen Abstimmungen einen Konsens finden“, sagt der Mann der neu gegründeten CDU-FDP-Fraktion. Dafür brauche es viel mehr Miteinander und lösungsorientierte Gespräche. Die gelte es, zu initiieren und zu steuern.

Beide Kandidaten schätzen sich und würden dem gegenüber nach eigener Aussage auch den Wahlsieg gönnen. Kuhnert kann aber nicht verhehlen, dass er es weiter „verwunderlich“ findet, dass die CDU – nach dem Abgang von sechs Stadtvertretern nur noch zweitkleinste Fraktion – überhaupt einen Kandidaten aufgestellt hat. Gesswein hat seinerseits „ein gutes Gefühl“ beim Blick auf den Wahlausgang.

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Stirnrunzeln wegen Koalition mit AfD-Stimmen

Denn bei allen Harmonie-Wünschen der Kandidaten wird diese auch eine Art Feuerprobe sein, inwiefern die landesweit für Diskussionen sorgenden Fronten weiter bestehen. Eine Koalition von Linksfraktion, den aus Christdemokraten bestehenden „Bürgern für Neubrandenburg“ und der AfD hat für manch Stirnrunzeln gesorgt, zuletzt als zwei AfD-Vertreter dank der Linken Ausschussvorsitze erhielten.

Dem gegenübersitzen mit Gessweins neuer CDU, der SPD und den Grünen drei Fraktionen, denen bescheinigt wird, weit konstruktiver mit der Rathausspitze um Silvio Witt zusammenzuarbeiten. Aber: „Ich glaube nicht, dass die AfD einen Linken wählt“, sagt Jan Kuhnert. Vorstellig wurde er, wie auch Thomas Gesswein, aber bei ausnahmslos allen Fraktionen. Der Wahlausgang scheint offen. Nicht ohne Grund sind sich beide Kandidaten bei einem weiteren Aspekt ebenfalls einig: Der neue Stadtpräsident wird bestimmt in geheimer Abstimmung gewählt. Die Neubrandenburger Stadtvertretersitzung am Donnerstag im Haus der Kultur und Bildung startet um 15 Uhr.

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