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Westernpferde haben einen Sinn für Kühe

Zum ersten Mal wurde auf dem Pferdhof Gohrs die Arbeit am Rind geübt.  FOTO: Bärbel Gudat

VonBärbel GudatDer Burg Stargarder Pferdewirtschaftsmeister Ulf Gohrs beschreitet neue Wege in der Reitausbildung. Nicht nur Pferde spielen dabei eine Rolle, ...

VonBärbel Gudat

Der Burg Stargarder Pferdewirtschaftsmeister Ulf Gohrs beschreitet neue Wege in der Reitausbildung. Nicht nur Pferde spielen dabei eine Rolle, sondern auch Rinder. Da stellen sich sogar Zuschauer ein.

Burg Stargard.„Netti, lass Blizzard mal ein bisschen rückwärtsgehen.“ Pferdewirtschaftsmeister Ulf Gohrs auf „Hank“ hat seine vier Reitschüler genau im Blick. „Wir müssen die Tiere aufwärmen“, erklärt er. Pferde und Reiter wagen sich an diesem Vormittag auf unbekanntes Terrain und haben diesmal sogar eine ganze Reihe von Zuschauern an der Bande. Sie wollen sehen, wie sich die Stargarder Cowboys bei ihren ersten Ritten anstellen. Die meisten Zaungäste sind selbst Reiter. Auch die im Sattel haben schon viele Jahre als Westernreiter Erfahrung.
„Ich wollte das hier immer schon mal machen“, gibt Ulf Gohrs zu. Im Westernstil zu reiten sei das eine, aber richtig mit Rindern zu arbeiten, das andere. Jetzt hat es sich ergeben und die Jungrinder warten vor der Reithalle. Als die acht Schwarzbunten hereingeholt werden, mahnt Ulf Gohrs seine Reiter erst einmal mal zur Ruhe. Langsames Annähern ist angesagt. „Westernpferde haben Sinn für Kühe“, versichert der Ausbilder. Aber es seien auch Fluchttiere. Kleinste unbekannte Geräusche erschrecken sie. Schritt für Schritt nähern sich die Reiter auf ihren Pferden der kleinen Herde. In gut einem Meter Abstand bleiben sie stehen. „Dennis, jetzt reitest du an“, bittet Ulf einen seiner Schüler. Hoch zu Roß bringt der Reiter die Herde in Bewegung. Anfangs klappt nicht alles, aber nach und nach halten die Reiter die Herde gut beisammen. Selbst „die lange Bande“ der Reithalle wird von den Cowboys und -girls bewältigt.
Bei allem stehen die Pferde mit ihren Reitern immer mit Blick zu den Rindern. „Dreht euch nicht weg“, mahnt Ulf Gohrs. „Warum reitet denn nicht einer vor der Herde her, so dass die Tiere folgen können?“, will einer der Zuschauer wissen. Das würde den Fluchtinstinkt bei dem Pferd aktivieren und sie wollen nur noch weg.
Dieses „working cowhours“ ist eine Westerndisziplin, eine weitere ist das sogenannte Cutting. Neben Golf und Tennis sei es Amerikas höchstbezahlteste Sportart, weiß Ulf Gohrs. Hierbei wird ein einzelnes Rind aus einer Herde separiert. Wichtig sei dabei, dass das Pferd die Arbeit nach dem Trennen fast selbstständig übernimmt. Auch die Pferde in der Stargarder Reithalle werden immer mutiger. Zum Abschluss trauen sie sich schon durch die kleine Herde zu reiten. Nach knapp zwei Stunden satteln auch die Reiter ab und sind unheimlich stolz.

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b.gudat@nordkurier.de