Neue Betrugsmasche

Wie ein Fake-Verlag Kunden abzocken will

Eine harmlose Anzeige in einer Bürgerinformationsbroschüre – und plötzlich flattert ein Brief ins Haus, der es mächtig in sich hat. Doch die Betroffene war auf der Hut.
Beim Schreiben der „Pro Media Verlags-GmbH” stecken üble Absichten dahinter.
Beim Schreiben der „Pro Media Verlags-GmbH” stecken üble Absichten dahinter. ©-Coloures-Pic---stock.adobe
Altentreptow

Es ist erstaunlich und erschreckend zugleich, welche perfiden Betrugsmaschen sich Kriminelle immer wieder aufs Neue einfallen lassen, um an das große Geld zu kommen. Die Täter versuchen mittlerweile sogar harmlose Werbeheftchen für ihre Zwecke zu missbrauchen und Anzeigenkunden auf hinterhältige Weise zu täuschen, wie der jüngste Vorfall aus der Tollensestadt zeigt. Etliche Firmen und Betriebe haben in der jüngst veröffentlichen Informationsbroschüre für das Amt Treptower Tollensewinkel eine Anzeige geschaltet, um für sich zu werben – darunter auch das Gemeinnützige Wohnungsunternehmen Altentreptow (GWA).

Dessen Geschäftsführerin Stefanie Tines reagierte irritiert, als sie kürzlich eine E-Mail mit dem Betreff „Werbeanzeige GWA GmbH“ in ihrem Postfach entdeckt. „Im Anhang befand sich ein Formular mit der Anzeigenvorlage, das ich zur weiteren Bearbeitung unterschrieben wieder zurück schicken sollte. Der Absender war jedoch nicht der herausgebende Mediaprint Infoverlag, sondern die angebliche Korrekturstelle des Pro-Media-Verlags, der mir überhaupt nicht bekannt war. Deshalb habe ich auch vorsichtshalber gar nicht darauf reagiert“, erzählt Tines dem Nordkurier. Sonst wäre sie auch prompt in die Kostenfalle getappt. Wie aus dem Formular hervorgeht, hätte sich die GWA-Geschäftsführerin mit ihrer Unterschrift nämlich dazu bereit erklärt, eine separate Rechnung über 1096 Euro für die Annonce in der gewünschten Größe zu bezahlen.

Telefon-Terror von „Sina Winter”

Da sie der Aufforderung nicht nachgekommen ist, wird Tines seitdem ständig mit Anrufen einer vermeintlichen Verlagsmitarbeiterin namens Sina Winter terrorisiert, die auch schon als Ansprechpartnerin in der E-Mail vorkam. „Sie hat mich mehrfach gefragt, ob die GWA in der Kundenkartei des Verlags bleiben möchte oder nicht. Wenn keine weitere Verlängerung über den November 2022 hinaus gewünscht ist, müsste ich das unterschriebene Formular umgehend an sie per Mail oder Fax zurückschicken. Ich habe ihr daraufhin unmissverständlich klargemacht, dass ich nicht daran denke, irgendetwas zu unterschreiben und das Gespräch beendet. Sie lässt allerdings nicht locker und versucht es immer wieder“, ärgert sich die Geschäftsführerin.

Dass es sich beim Pro-Media-Verlag um einen Fake handelt, wird schon beim Blick auf die angegebene Adresse ersichtlich. „Park Cad. 24 / 07450 Kestel“ – ein kleines Dorf im Distrikt Alanya, das zur türkischen Provinz Antalya gehört. Die angebliche Verlagsmitarbeiterin ruft bei der GWA jedoch unter einer Telefonnummer mit Hamburger Vorwahl an und würde laut Tines auch akzentfreies Deutsch sprechen. „Wenn man nach der Nummer im Internet sucht, wird auf mehreren Seiten ausdrücklich davor gewarnt. Deswegen kann ich nur jedem raten, der ähnliche Mails und Anrufe vom Pro-Media Verlag bekommt, einfach alles zu ignorieren“, so der Appell der Geschäftsführerin.

Dem Mediaprint Infoverlag ist ebenfalls bekannt, dass momentan wieder verstärkt unseriöse Trittbrettfahrer unterwegs sind, die vorgeben, in ihrem Auftrag zu handeln und versuchen, ahnungslose Kunden übers Ohr zu hauen. Deshalb bittet der Verlag darum, bloß nichts zu unterschreiben, sondern sich bei solchen Vorfällen stattdessen mit ihnen telefonisch unter 08233 384-0 oder per E-Mail [email protected] in Verbindung zu setzen.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Altentreptow

zur Homepage