Innenminister zu Gast

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Wie sicher ist Neubrandenburg?

Nach offizieller Auskunft ist die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, in Neubrandenburg geringer als in anderen Städten des Landes.
Nach offizieller Auskunft ist die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, in Neubrandenburg geringer als in anderen Städten des Landes.
Stephan Radtke

Die CDU-Fraktion der Stadtvertretung hat Einwohner eingeladen, um mit ihnen über die Lage in Neubrandenburg zu debattieren. Dabei spielten vor allem Gefühle eine große Rolle.

Zwei Auffassungen, wie sie gegensätzlicher nicht sein können. Eine 71-jährige Neubrandenburgerin aus der Ihlenfelder Vorstadt hat am Dienstagabend während einer öffentlichen Sitzung der städtischen Christdemokraten aus ihrem Herzen im wahrsten Sinne des Wortes keine Mördergrube gemacht. Sie, so die beherzte Dame, sehe keine Polizisten mehr Streife laufen und auch deshalb gerate in ihrer Heimatstadt alles aus dem Ruder.

Über dem Marktplatz hänge der Geruch von Cannabis, man traue sich kaum noch auf die Straße und müsse in gewissen Situationen ja befürchten, dass ein Messer im Rücken landet. Der Gegenpol dazu: Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier, der dem Ruf seiner Parteifreunde aus Neubrandenburg gefolgt ist.

Wer hat recht, wer übertreibt oder verniedlicht?

Nahezu alle Zahlen aus der Kriminalitätsstatistik würden in der Kreisstadt der Seenplatte sinken, so Caffier. „Im Vergleich zu ähnlich großen Städten wie Stralsund oder Greifswald lebt es sich in Neubrandenburg ausgesprochen sicher“, wehrte sich der oberste Dienstherr aller Landespolizisten gegen das vernichtende Urteil seiner Vorrednerin.

Wer hat recht, wer übertreibt oder verniedlicht? Immer wieder fiel während der Veranstaltung der Begriff vom „subjektiven Sicherheitsgefühl“. Die Wahrscheinlichkeit, rein statistisch, in Neubrandenburg Opfer einer Straftat zu werden, ist in den vergangenen Jahren gesunken. Das nutze aber niemandem, der gerade bestohlen oder verprügelt wurde.

Solidarität mit Polizeibeamten

Neubrandenburg Vize-Oberbürgermeister Peter Modemann machte auf das Phänomen Dunkelfeld aufmerksam. Zu wenige Bürger, so hieß es, würden im Falle eines Falles auch tatsächlich Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten bei der Polizei anzeigen. „Zeigen Sie alles an“, darum bat auch Neubrandenburgs Polizeipräsident Nils Hoffmann-Ritterbusch.

Entsetzen machte sich in vielen Wortmeldungen der Einwohner breit über die Geschehnisse der vergangenen Tage in ihrer Stadt, von denen sie jeden Tag im Nordkurier lesen mussten. Solidarität mit dem Polizeibeamten, der bei einem Einsatz in der vergangenen Woche nach einem wahrscheinlichen Angriff auf sich die Dienstwaffe einsetzen musste, beherrschte die Debatte und völlige Verblüffung, wie es sein könne, dass im Anschluss Freunde und Angehörige der Inhaftierten deren Freilassung verlangen können. Das sei tatsächlich eine Ausnahmesituation gewesen, sagte Innenminister Caffier dazu dem Nordkurier.

 

Kommentare (7)

Als Neubrandenburger wundere ich mich über dieses öffentliche Forum von Kommunalpolitiker nebst Landesinnenminister im Ratssaal der Stadt Neubrandenburg. Thema: Sicherheit. Sicher in NB. Darüber hinaus besteht für die Einladenden auch keine Zuständigkeit. Eine solche prominent besetzte Veranstaltung muss das Sicherheitsgefühl in der Stadt herab setzten. Das Thema suggeriert Alarmstimmung. Das wiederum finde ich, gemessen am Realen, unverantwortlich. Unsere Stadt ist sicher. Fakt. Der nicht geladene Polizeipräsident hätte nichts anderes berichtet.

Entschuldigung, der Polizeipräsident war anwesend. War im Irrtum.

Wenigstens die CDU kümmert sich um die Sorgen der Bürger und gibt diesen auch die Gelegenheit sich öffentlich zu äußern. Besser als andere Parteien, die immer nur reden oder schreiben und nichts tun. Recht herzlichen Dank an die CDU. .

Was hat die CDU denn bei der Veranstaltung gemacht? Sie hat den Anwesenden zugehört, okay. Aber dann? Mehr Leute für mehr auf Streife gibts nicht. Vermutlich gibt es auch keine sachlichen Gründe dafür. Nur für ein besseres Gefühl der Bürger ausgebildete Beamte auf Spaziergang schicken. Für das sicherere Gefühl reichten dann Schauspieler in Uniform, aber nur, bis der Schwindel auffliegt. ;-) Ängste der Bürger müssen nicht ernstgenommen werden. Sie müssen behandelt und dürfen nicht auch noch geschürt werden. Und behandeln ist hier nicht medizinisch gemeint. Ursachenbeseitigung, Kriminalitätsbekämpfung, Durchsetzung der gesellschaftlichen Regeln ...

Dieses ominöse, subjektive Sicherheitsgefühl hat was mit den alltäglichen "Katastrophen"-Wettervorhersagen, Unfallberichten, Fahrraddiebstählen, ausführlich beschriebenen Kioskprügeleien und anderen "Sensations"meldungen zu tun. Diese schaffen eine erhöhte Sensibiltät für solche Informationen und produzieren den Anschein, es ist alles schlimmer geworden. So ist seit diesem NK-Artikel der Geruch von Cannabis ein großes Sicherheitsrisiko in NB, dass dieser wiedergegeben werden musste.

Ich war schon lange nich mehr hier und plane auch nicht, mich weiter hier zu beteiligen. Womöglich ist Dir meine Betstätigung auch unangenehm, aber Scheiße: Danke für Deine Ausdauer - gegen den Rotz.

war wohl zu hart - für euch Schreiberlinge - naja was soll;s - beiße nie die Hand welche dich füttert - mfG Erwerth