Onlinehandel

Wie unwürdig wohnen Amazon-Fahrer in Neubrandenburg?

Gerade in der Weihnachtszeit boomt der Online-Handel. Notwendig dafür sind viele Fahrer, die auch ein Dach über dem Kopf brauchen. Damit gibt es offenbar Probleme in Neubrandenburg.
Amazon hat in Neubrandenburg im Oktober ein neues Verteilzentrum mit knapp 10 000 Quadratmetern Fläche errichtet u
Amazon hat in Neubrandenburg im Oktober ein neues Verteilzentrum mit knapp 10 000 Quadratmetern Fläche errichtet und will 180 feste Arbeitsplätze schaffen. Für die Auslieferung der Pakete sind bei Lieferpartnern etwa 450 Fahrer zuständig. Mirko Hertrich
Neubrandenburg

Neuer Wirbel um das Verteilzentrum des weltgrößten Online-Händlers Amazon in Neubrandenburg: Diesmal geht es um die Unterbringung der bei Subunternehmen angestellten Fahrer sowie ihre nach Feierabend abgestellten Fahrzeuge. Im Reitbahnviertel sorgt das jetzt für Unmut, schildert eine Mieterin, die sich an den Nordkurier wandte. „Die Autos werden geparkt, wo gerade Platz ist“, sagte die Frau. Auch vor den Mieterparkplätzen werde nicht haltgemacht. „Und die Autos sind nicht gerade klein.“

„Kein Bett, keine Couch – nichts in der Wohnung”

Noch mehr stört die Mieterin der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges), dass die vielfach aus dem Ausland stammenden Fahrer ihrer Beobachtung nach in fast leeren Wohnungen untergebracht sind. „Keine Möbel oder Teppiche, die den Schall dämmen, wenn die Männer Feierabend haben“, monierte sie. Dabei seien die Bewohner gar nicht übermäßig laut und zudem freundlich. Mit einem Übersetzungsprogramm aus dem Internet habe sie sich mit ihren aus Bulgarien stammenden neuen Nachbarn verständigt, sagte sie.

„Dann kehrt auch Ruhe ein.“ Der Neubrandenburgerin tun die Fahrer eigentlich leid. „Kein Bett, keine Couch, nichts ist in der Wohnung.“ Nach eigenen Worten hat sie sich mit ihrer Beschwerde an den Vermieter gewandt.

Die Gewerkschaft Verdi berichtet ebenfalls über fragwürdige Umstände, unter denen die Fahrer leben. Verdi-Gewerkschaftssekretärin Silvia Reichert berichtete unserer Zeitung, aufgrund der Aktionen bei Amazon habe in Erfahrung gebracht werden können, dass die Beschäftigten in der Regel am Standort untergebracht seien. „Nach Aussage der Kollegen sind sie in Zwei- oder Dreiraumwohnungen mit vier bis sechs Personen untergebracht und zahlen rund 300 Euro pro Person.“ Die ersten zwei Monate sollten von Amazon übernommen werden. Danach müssten die Kollegen selber zahlen, berichtet sie von den Gesprächen.

Konzern widerspricht Darstellungen

In der Konzernzentrale von Amazon wird diesen Darstellungen widersprochen. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit wiederholt darauf verwiesen, dass die Vereinbarung mit den Lieferpartnern es diesen untersagt, Wohnraum an deren Fahrer zu vermieten. Ein Sprecher teilte dem Nordkurier auf Anfrage mit, Kritiker würden Amazon zu vielen verschiedenen Themen angreifen und „wir sind zu einer Projektionsfläche für Organisationen geworden, die Aufmerksamkeit für ihre Themen suchen“.

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Vermieter und Behörde ist nichts bekannt

Tatsächlich entsprächen die Aussagen nicht der Wirklichkeit der Tausenden von Menschen, die bei Lieferpartnern in ganz Deutschland beschäftigt seien. Alle Lieferpartner seien vertraglich verpflichtet, alle geltenden Gesetze einzuhalten, insbesondere in Bezug auf Löhne, Sozialabgaben und Arbeitszeiten.

Bei der Neuwoges als Vermieter ist der vom Nordkurier geschilderte Sachverhalt der Lärmbelästigung nicht bekannt, wie Unternehmenssprecher Matthias Trenn mitteilte. Er verwies auch darauf, dass der Abschluss von unbefristeten Mietverträgen mit Unternehmen, um die Unterbringungen von deren Mitarbeitenden zu gewährleisten, „nichts Ungewöhnliches“ sei. Es gebe bei der Neuwoges eine Vielzahl solcher Vertragsverhältnisse. Details zu den Vertragspartnern nannte das kommunale Wohnungsunternehmen aus Datenschutzgründen nicht. Die Parkproblematik ist im Rathaus ebenfalls nicht bekannt. Bei den Kontrollen durch das Ordnungsamt seien nicht mehr Falschparker aufgefallen, sagte Rathaussprecherin Anett Seidel

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