Bürgermeisteramt

Wie viel ist das Ehrenamt dem Land wert?

Mit dieser Frage sind jetzt zwei Bürgermeister im Land an die Öffentlichkeit getreten. In Sachsen beispielsweise wird das Ehrenamt weit höher honoriert. Die SPD-Fraktion will das Thema in den Landtag bringen.
Christina Weinreich Christina Weinreich
Die enormen Differenzen bei den Summen, mit denen ehrenamtliche Bürgermeister bundesweit entschädigt werden, hat zwei hiesige Bürgermeister stutzig gemacht.
Die enormen Differenzen bei den Summen, mit denen ehrenamtliche Bürgermeister bundesweit entschädigt werden, hat zwei hiesige Bürgermeister stutzig gemacht. © jeremias münch - Fotolia.com
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Altentreptow.

Weder Marcel Falk noch André Bonitz geht es darum, Reichtümer anzuhäufen. Aber die enormen Differenzen bei den Summen, mit denen ehrenamtliche Bürgermeister bundesweit entschädigt werden, macht beide sehr stutzig. „Ich bin zufällig darauf gestoßen“, sagt Marcel Falk, der seit 15 Jahren Bürgermeister in Stolpe ist und dieses Amt gern ausübt. Als Grundlage für die Entschädigung der Bürgermeister dient die Anzahl der Einwohner. Bis 500 Einwohner erhalten Bürgermeister in Mecklenburg-Vorpommern 420 Euro. Das Land Sachsen löhnt 1050 Euro. Bis 1000 Einwohner gibt es hier 700 Euro, in Sachsen 2100 Euro.

Stolpe hat keine 500 Einwohner. „Ich bekomme die 420 Euro nicht auf die Hand. Nach Abzug der Steuern bleiben monatlich 295 Euro.“ Beide Dorfoberhäupter haben nun einen Brief verfasst, den sie an den Städte- und Gemeindetag sandten und auch an zahlreiche Ämter. „Das Echo ist groß. Viele Bürgermeister unterstützen unsere Bitte, die Entschädigung anzupassen. Gestern rief mich der Staatssekretär Patrick Dahlemann an und informierte, die SPD-Fraktion wolle unsere Anregung in den Landtag bringen.“

Wie hoch die Entschädigung ausfällt, ist Sache der Gemeindevertretung. Schon aufgrund der schlechten finanziellen Ausstattung der Gemeinden, so Falk, komme kein Bürgermeister auf die Idee, überhaupt mehr Entschädigung zu fordern. Viele Gemeinden könnten schon lange nicht mal mehr die Pflichtaufgaben erfüllen. „Stolpe lebt seit zehn Jahren von Kassenkrediten.“ Aber die zunehmende Arbeit, die Bürgermeister erledigten, werde von allen stillschweigend und als normal hingenommen. An die 15 Stunden sei er pro Woche für die Gemeinde unterwegs – neben seiner Arbeit als Angestellter. „Sind wir hier Bürgermeister zweiter Klasse?“ fragen die Beiden deshalb.

Rosenows Bürgermeister Norbert Stettin begrüßt den Vorstoß und betont ebenso, sein Ehrenamt nicht auszuüben, um zu verdienen. Er ist zutiefst davon überzeugt, dass auf dem flachen Lande heute nichts mehr passieren würde, „wenn wir kein Ehrenamt hätten“. Ihn ärgere es deshalb sehr, mit welcher Selbstverständlichkeit in der Verwaltung die Gehälter erhöht werden.

Altentreptows Bürgermeister Volker Bartl war der ehrenamtlicher Bürgermeister in Siedenbollentin. „Bürgermeister, zu deren gemeindlicher Infrastruktur noch Schule, Kita und Vereine gehören, haben eine Menge zu tun. Vielleicht sollte ein Katalog erarbeitet werden, in dem dies genau geregelt wird, statt an Einwohnerzahlen festzuhalten“, rät er. Viel wichtiger als diese Debatte ist es, die Gemeinden endlich mit auskömmlichen Finanzen auszustatten, sagt Woldes Bürgermeisterin Marion Dorn. „Wir kriegen doch nichts mehr gebacken.“ Eine höhere Entschädigung wolle sie nicht. „Es heißt doch Ehrenamt. Ich habe mich freiwillig dafür bereit erklärt.“