Während in MV viele Spielhallen dichtmachen müssen, ist das Online-Glücksspiel im Land legalisiert worden.
Während in MV viele Spielhallen dichtmachen müssen, ist das Online-Glücksspiel im Land legalisiert worden. Bernd Weissbrod
19 Spielhallen gibt es im Stadtgebiet. 13 davon stehen aktuell auf dem Prüfstand. Vielen droht das endgültige Aus.
19 Spielhallen gibt es im Stadtgebiet. 13 davon stehen aktuell auf dem Prüfstand. Vielen droht das endgültige Aus. Henning Stallmeyer
Die Spielhalle im Reitbahnviertel: Die Zukunft der insgesamt 19 Spielhallen in der Stadt ist zur Zeit ungewiss.
Die Spielhalle im Reitbahnviertel: Die Zukunft der insgesamt 19 Spielhallen in der Stadt ist zur Zeit ungewiss. Pablo Himmelspach
Glücksspiel

Wie viele Spielhallen dürfen in Neubrandenburg bleiben?

Spielhallen müssen mehr als 500 Meter von Schulen entfernt sein. In Neubrandenburg hat das heftige Auswirkungen.
Neubrandenburg

Vielen Spielhallen in der Stadt droht das Aus. Mit Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags gelten besonders strenge Regeln für Glücksspielhäuser. So muss es nun ein Mindestabstand zwischen den Spielhallen in Mecklenburg-Vorpommern geben. Mindestens 500 Meter Luftlinie sollen die Konkurrenten voneinander entfernt sein. Dieser Abstand gilt auch zu weiterführenden Schulen. Das soll sowohl verhindern, dass Minderjährige angelockt werden, als auch, dass Spielsüchtige von der einen Spielhalle direkt in die nächste stolpern. Wettbüros dürfen sich ebenfalls nicht näher als 200 Meter zueinander oder zu Schulen befinden.

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13 Spielhallen auf dem Prüfstand

In Neubrandenburg hat das drastische Auswirkungen. 19 Spielhallen gibt es laut der Stadtverwaltung zurzeit im Stadtgebiet. Bei 13 Spielhallen steht seit einem Jahr der weiterführende Betrieb auf dem Prüfstand. Sie gelten momentan als sogenannte Härtefallregelungen. Genaue Auskünfte, wie es um die Zukunft der einzelnen Betriebe steht, darf die Stadt aber nicht geben.

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Aus wegen Nähe zu einer Schule

Ein Spielhallenbetreiber im Norden Neubrandenburgs rechnet jedoch schon fest damit, bald seine Türen schließen zu müssen. „Realistisch habe ich keine Hoffnung mehr. Wir sind im Einzugsgebiet einer Schule und einen neuen Standort in der Stadt zu finden, ist bei den jetzigen Regeln praktisch unmöglich“, sagt der Betreiber, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Er macht sich vor allem Sorgen um seine drei Mitarbeiter, die ohne Arbeit da stehen, wenn der Betrieb verboten wird. Immerhin hätten zwei schon eine andere Anstellung in Aussicht. Zuletzt gab es auch im Landtag erneute Diskussionen über die Sinnhaftigkeit der neuen Glücksspielregelungen. Doch Grund zur Hoffnung sei das für ihn nicht, so der Inhaber.

Kritik an Regeln für Online-Glücksspiel

Was den Spielhallenbetreiber besonders ärgert, ist, dass die neue Regelung seiner Meinung nach gar nichts gegen Glücksspielsucht unternimmt. Im Gegenteil. Derselbe Vertrag, der die Spielhallen einschränkt, legalisiert faktisch gesehen auch das Online-Glückspiel in Mecklenburg-Vorpommern. „Eine Katastrophe. Hier kenne ich alle meine Stammkunden persönlich und kann sie in ihre Schranken verweisen. Wer übernimmt das denn im Netz?“, echauffiert sich der Spielhallen-Besitzer.

Deutlich weniger Steuereinnahmen erwartet

Eine Einschätzung, die auch Berater vom Suchthilfezentrum in Neubrandenburg teilen. „Seit Corona erleben wir schon einen starken Anstieg von Glücksspielsüchtigen. Die meisten davon spielen online. Den neuen Vertrag kritisieren wir aufs Schärfste“, stellt ein Sprecher der Beratungsstelle klar.

Für die Stadt Neubrandenburg bedeutet die mögliche Schließung von potenziell 13 Spielhallen auch einen Rückgang von Steuereinnahmen. Zwar sei dieser schwer einzuschätzen, „da die vorangegangenen Jahre aufgrund der coronabedingten Schließungen nicht repräsentativ sind“, lässt sich ein Sprecher des Rathauses zitieren, doch nach Nordkurier-Informationen kann die Stadt mit einem Verlust von einer halben Million Euro rechnen.

Termin für Entscheidung offen

Wann genau die Prüfung der 13 Wackelkandidaten unter den Neubrandenburger Spielhallen abgeschlossen sein wird, darauf kann die Stadt ebenfalls keine Antwort geben. Im Fall der Fälle wäre die Stadt als Verwaltungsbehörde für die Durchsetzung der Schließung verantwortlich.

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