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Wie zufrieden sind die Mitarbeiter?

VonJörg SpreemannDie Beschäftigten beim Callcenter SNT begegnen dem Projekt, das sich mit ihren Arbeitsbedingungen beschäftigt, zunächst mit Skepsis. In ...

Antje Preuß (links) und Mirjam Kontschak leisten bei SNT in Neubrandenburg technische Unterstützung für Kunden eines Kabelnetzbetreibers in Süddeutschland.  FOTO: J. Spreemann

VonJörg Spreemann

Die Beschäftigten beim Callcenter SNT begegnen dem Projekt, das sich mit ihren Arbeitsbedingungen beschäftigt, zunächst mit Skepsis. In einer zweiten Runde hingegen steigt die Teilnehmerzahl deutlich.

Neubrandenburg.Ein wenig Schwäbisch müssen Antje Preuß und Mirjam Kontschak verstehen – obwohl beide in Neubrandenburg als Kundenbetreuerinnen im Call-Center SNT arbeiten. Sie beraten vom hohen Norden aus die Kunden eines süddeutschen Kabelanbieters und leisten bei Bedarf am Telefon technische Hilfe. „Wir sind die erste Anlaufstelle, bevor ein Techniker rausfährt“, berichtet Antje Preuß. Da komme es schon mal vor, dass ein Anrufer das Kabel-Modem „Käschtle“ nenne, ergänzt ihre Kollegin Kontschak.
Die technische Hilfe ist nur eine Sparte bei SNT am Standort Neubrandenburg, an dem über 500 Beschäftigte tätig sind. Die Mitarbeiter wickeln in der Viertorestadt darüber hinaus den Kundenservice für Stromanbieter, Finanzdienstleister oder Verlage ab. Um die Beschäftigten trotz des eher schmalen Salärs in der Branche und des harten Wettbewerbs der Callcenter in Neubrandenburg an das Unternehmen zu binden, wird bei SNT deren Zufriedenheit im Job gemessen. „Wir wollen erreichen, dass die Kollegen gern zur Arbeit kommen“, begründet Standortchefin Susanne Starkowski. Flexible Arbeitszeiten, schnelles Einstellen auf die Kundenwünsche und die Bereitschaft, Produkte der jeweiligen Auftrageber anzubieten, gehörten zum Berufsbild. „Damit dafür der Kopf frei ist, sollte man sich um die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter kümmern“, findet die Chefin.
Mit dem Bildungswerk der Wirtschaft und der Telemarketing-Initiative MV habe SNT das Projekt „Gesundheit-Motivation-Leistung“ angeboten. Mit anfangs schwacher Resonanz. „Es war schwer, die Mitarbeiter zu überzeugen, sich zu beteiligen“, räumt die Standortchefin ein, die auch für die Niederlassung Greifswald zuständig ist. Nur 33 Kollegen seien bei der ersten Runde dabei gewesen. „Wir haben anfangs nicht genug informiert“, schätzt Susanne Starkowski selbstkritisch ein. Auch Kundenbetreuerin Antje Preuß hatte Vorbehalte: „Ich war erst ziemlich skeptisch.“
Über die Gesprächsinhalte mit den Sozialberatern, die grundsätzlich nicht von SNT stammten, wurde Vertraulichkeit vereinbart. „Das muss schon wegen des Datenschutzes so sein“, erläutert Sylvia Neu vom Bildungswerk der Wirtschaft, die selbst Gespräche mit SNT-Mitarbeitern geführt hat. Die wichtigsten Aussagen seien gebündelt worden und anonym an die Firmenleitung getragen worden. Darunter sei Kritik an Führungskräften ebenso gewesen wie der Wunsch nach höherer Bezahlung. Als Konsequenz darauf seien die Teamleiter geschult worden und die Grundlöhne angehoben worden. Dass die Anregungen und Wünsche der Mitarbeiter nicht folgenlos bleiben, hatte sich in der Firma schnell herumgesprochen: An der zweiten Runde von „Gesundheit-Motivation-Leistung“ beteiligten sich 120Mitarbeiter.

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