FAKE NEWS

Windige Nachrichten über Tornado in Mecklenburg

Seit Tagen gewittert es heftig im Land. Fotos und Videos von spektakulären Blitzen machen die Runde. Und jetzt auch noch ein Tornado in Trollenhagen?
Philipp Schulz Philipp Schulz
Ein Tornado in Trollenhagen? Nein, in Kanada!
Ein Tornado in Trollenhagen? Nein, in Kanada! Screenshot/ Montage: NK
Trollenhagen.

Es ist ein wahrlich bedrohliches Szenario, das auf dem Bild zu sehen ist. Dunkel verhangene Wolken, nur angedeutete Bäume vor dem Horizont, ein Feld und Strommasten. In der Mitte der Fotografie baut sich ein monströser Tornado auf. Ein riesenhafter Trichter zwischen Himmel und Erde. Laut einigen flinken Meldungen im Internet soll das Bild aus Trollenhagen nördlich von Neubrandenburg stammen. Ein Tornado, hier in Mecklenburg-Vorpommern, das wäre was – stimmt nur leider nicht.

Das Foto, welches das mutmaßliche Schreckensszenario in Trollenhagen darstellen soll, zeigt tatsächlich einen Tornado, nur eben nicht hier, im beschaulichen Mecklenburg-Vorpommern, sondern in der kanadischen Provinz Manitoba. Und es wurde auch nicht während der Gewitter der vergangenen Tage, sondern im Juni 2007 aufgenommen. Wem das nicht an Beweisen reicht: Es ist das Beispielbild für Tornados, das Wikipedia auf seiner Seite anführt.

Keine so starken Tornados in Deutschland

Ein weiteres Indiz dafür, dass es sich bei dem Foto um eine offensichtliche Falschmeldung handelt, ist die schiere Größe des abgebildeten Tornados. Er ist als F5 eingestuft. Die höchste Schadensklassifikation, die ein Tornado erreichen kann. Davon gab es in Deutschland vermutlich erst einen – im Jahr 1764. Immerhin jedoch auch hier in der Region, in Woldegk. Der jüngste Tornado, der für deutschlandweite Berichterstattung und schwere Schäden gesorgt hatte, wütete am 5. Mai 2015 für nur wenige Minuten in Bützow. Auch wenn er einen enormen Schaden von rund 40 Millionen Euro anrichtete, war er nur als F2-Sturm klassifiziert.

Auch wenn jedes Jahr zahlreiche Meldungen über Tornados in Deutschland auflaufen, wurden im vergangenen Jahr nur fünf davon bestätigt, alle an der Ostsee. Oft beobachten die Menschen Trichterwolken. Diese sind zwar auch Verwirbelungen, unterscheiden sich aber in so fern von einem Tornado, dass sie nicht sichtbar den Boden erreichen.

StadtLandKlassik - Konzert in Trollenhagen

zur Homepage