LANDWIRTSCHAFT

Wird 2020 das nächste Katastrophenjahr für die Bauern?

Nicht nur die Trockenheit macht den Bauern zu schaffen. Viele ungünstige Faktoren treffen im Krisenjahr 2020 zusammen. Das Coronavirus ist da nur einer von vielen.
Der Schein trügt. Vielerorts sind die Rapsfelder nicht so dicht wie üblich und die Blütenpracht weitaus kleiner
Der Schein trügt. Vielerorts sind die Rapsfelder nicht so dicht wie üblich und die Blütenpracht weitaus kleiner. Der milde Winter lässt grüßen. Hinzukommen kommen Trockenheit und Nachtfrost. Christina Weinreich
Altentreptow.

Auf Kartoffeln setzt Landwirt Jürgen Rienitz aus Reutershof bei Altentreptow in diesem Jahr nicht mehr. Es lohnt sich einfach nicht für seinen Betrieb, wie er sagt. Keine langfristigen Verträge, nicht ausreichend Beregnungswasser für den Kartoffelanbau, gut eine halbe Million Euro Investitionsaufwand für das Jahr 2020. Und es fehle an Arbeitskräften, in Summe an die zehn Leute. Ganz zu schweigen vom derzeitigen Marktpreis, sagt der Landwirt mit Betriebssitz in Reutershof. „Heute gehen 100 Kilogramm für zwei Euro weg. Noch im Herbst habe ich für 30 Euro nach Belgien verkauft.“ Kostendeckend sei das nicht, so Rienitz. Deshalb belässt er es jetzt beim Mais- und Zuckerrübenanbau, bei Bohnen und Erbsen.

Ganze Pommes-Fabriken stehen still

Und es wird mehr Stilllegungen geben. Denn durch das Coronavirus sei die Welt auch für Landwirte durcheinandergeraten und schwieriger geworden. „Ganze Pommes-Fabriken arbeiten gerade nicht. Ersatzteile, beispielsweise für Beregnungsanlagen, gibt es momentan auch nicht zu kaufen. Sie kommen ja zum Großteil aus Spanien und Italien“, listet er auf.

Es ist aber nicht nur die Pandemie, die die Arbeit der Bauern erschwert. Auch die Großwetterlage sorgt wieder einmal für Probleme. Zu heiß, zu trocken, zu windig, zu kalt – so sah das Bild in der Vergangenheit aus. Mit dem Ergebnis, dass die Bauern die letzten Höchsterträge vor 5 oder 6 Jahren eingefahren haben, sagt Barbara Brands vom Bauernverband Altentreptow. Im April seien gerade mal drei Liter Niederschlag gefallen. Meteorologen sprechen von nur etwa drei Prozent der üblichen Niederschlagsmenge, teilte der Landesbauernverband mit. Viel zu wenig, da sind sich alle einig. „Es ist nicht unbedingt vorteilhaft, wenn wie jetzt in der Hauptwachsphase diese Bedingungen vorherrschen“, heißt es von der Geschäftsführerin des Altentreptower Bauernverbandes.

Weniger Ertrag bei höheren Kosten

„Die anhaltende Trockenheit ist schlimm“, so Rienitz. Viel schlimmer seien aber die Kälte in der Nacht und der Frost. Der Boden gefriert, Wasser steigt an die Oberfläche und die Sonne des kommenden Tages lässt alles verdunsten. Das ist schlecht für die angelaufene Maisbestellung und für die Zuckerrüben. Schädlich ist die nächtliche Kälte auch für die Rapsblüte. Die Folge: Vielerorts sind die Felder nicht so dicht wie üblich und die Blütenpracht weitaus kleiner.

Barbara Brands zufolge kommen im Prinzip ganz viele Faktoren zusammen – Trockenheit, Spätfrost, ein milder Winter, der für eine frühe Rapsblüte sorgte. Dagegen bewirke der starke Wind einen geringeren Insektenflug. Das heißt, es sind auch weniger Schadinsekten unterwegs. Und demnach muss der Landwirt weniger gegen diese vorgehen.

In der Tierproduktion läuft es momentan ebenfalls nicht ganz reibungslos, wie Marion Dorn von Landboden Wolde zu berichten weiß. Auch sie ist stark gebeutelt. Besonders mit Rindfleisch sei kaum noch etwas zu verdienen. „Etwa 40 Euro erhalten die Bauern momentan für ein Kalb“, sagt sie. Die Nachfrage nach Rindfleisch sei wegen der Coronakrise weggebrochen, im Ausland wie in der Gastronomie. Ähnlich ist der Fall bei Geflügel gelagert. „Andererseits sind die Futtermittelpreise gestiegen“, so Marion Dorn. Für die Landwirtin aus Wolde bedeutet das weniger Einnahmen und höhere Ausgaben.

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