Mega-Hitze

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Wird die Weihnachtstanne jetzt teurer?

Weihnachtsbäume in Gefahr: Im Forstamt Neuendorf beklagt der Revierförster einen Totalausfall bei den Neuanpflanzungen (Symbolfoto).
Weihnachtsbäume in Gefahr: Im Forstamt Neuendorf beklagt der Revierförster einen Totalausfall bei den Neuanpflanzungen (Symbolfoto).
Eckhard Kruse

Die anhaltende Trockenheit macht der Natur zu schaffen und – wer hätte es gedacht – auch Weihnachtsbäume haben arg zu kämpfen. Fachleute reden von Totalausfällen. Müssen Kunden tiefer in die Tasche greifen?

„Ja, nun müssen wir uns wohl alle einen künstlichen Christbaum kaufen“, sagt Thorsten Loop. Dieser Satz ist natürlich als Spaß gemeint, doch ein Quentchen Wahrheit steckt auch beim Neuendorfer Revierförster dahinter: Denn obwohl sich quasi ganz Europa in einem Hitze-Rausch befindet, die Mecklenburgische Seenplatte bildet keine Ausnahme, ist die Weihnachtszeit gar nicht mehr so fern. Rein praktisch gesehen ist sie für alle diejenigen, die das ganze Jahr die Weihnachtsbäume im Blick haben, allgegenwärtig – vielerorts sogar mitunter in Gefahr. Denn die anhaltende Mega-Hitze setzt allen zu, auch den Bäumen. Müssen die Leute nun um ihren Weihnachtsbaum fürchten? Und werden die Bäume, die diesen Hitze-Sommer überstehen, etwa teurer?

Revierförster Thorsten Loop winkt ab. „Nein, davon gehe ich nicht aus“, sagt er im Gespräch mit dem Nordkurier. Allerdings habe er schon Ausfälle zu beklagen. Die 1000 im Frühjahr eingegrabenen Neuanpflanzungen seien verdurstet und somit vertrocknet. „Ein Totalausfall“, so der Fachmann. Wässerungen, wie man sie jetzt oft am Straßenrand an jungen Bäumen sieht, seien nicht möglich gewesen. Denn die 1000 Jungbäume seien nicht an einem Standort zusammen gepflanzt worden, sondern verteilten sich auf vier Hektar.

Hinter diesen jungen Bäumen kann Thorsten Loop einen Haken machen. Die Leute müssten sich aber hinsichtlich des Weihnachtsbaum-Bestandes keine Sorgen machen. Der allseits beliebte Weihnachtsbaum-Verkauf Mitte Dezember nahe des Forsthauses stehe weiterhin unter einem guten Stern, so der Revierförster. Denn allein auf die 1000 jetzt verdorrten Jungbäume musste sich Loop nicht verlassen. „Es gibt jedes Jahr Neupflanzungen. Die älteren drei- bis zehnjährigen Bäume halten durch“, sagt er, wenngleich auch bei den etwa Zweijährigen hier und da Ausfälle zu beklagen seien. „Aber es gibt ja noch genug“, so der Förster, der von 12.000 Bäumen spricht.

Erstmals mussten Bäume gewässert werden

Dass vor allem Neuanpflanzungen von der anhaltenden Trockenperiode betroffen sind, davon kann auch Benedikt Schneebecke ein Lied singen. Er ist Eigentümer und Betriebsleiter der Ostseetanne. Das Unternehmen verkauft Weihnachtsbäume in weiten Teilen der Seenplatte. So einen extremen Fall wie in diesem Sommer habe er noch nie gehabt. Erstmals überhaupt mussten die jungen Bäume gewässert werden. „Normalerweise macht man das nicht. Die Neuanpflanzungen haben jetzt aber die größten Probleme, da ihre Wurzeln noch nicht so tief in den Boden gehen.” Aktuell vertrocknen die Bäume, ihr Erscheinungsbild ändert sich deutlich. Die Nadeln werden kurz und hart, die Bäume gelblich. Kurz gesagt, sie sterben ab.

Davon betroffen seien die erntefähigen Bäume aber (noch) nicht. Die Nordmanntanne etwa, der beliebteste Weihnachtsbaum der Deutschen, versorgt sich durch seine kräftige Pfahlwurzel, die in tiefere Regionen reicht, mit Wasser. Das Sterben der Neuanpflanzungen im Wald geht aber weiter, wenn es beim Wassermangel bleibt. Und dann? „Ich halte die Preise noch für stabil. Aber es hängt natürlich davon ab, wie sich das Wetter entwickelt”, sagt Schneebecke über einen möglichen Preisanstieg.

Besser sieht es aus beim Tannenhof Werder in Brandenburg an der Havel. Auch dort werden Weihnachtsbäume für den Verkauf in der Seenplatte vorbereitet. Das Wetter mache den Bäumen zwar auch mächtig zu schaffen, doch hat man dort mit einem ausgebauten Wasser-Leitungsnetz vorgesorgt. „Unsere Bäume werden zu 100 Prozent anwachsen, dafür wässern wir aber auch massig”, sagt Chef Gerald Mai und erklärt aber gleichzeitig, dass die Trockenheit positive Auswirkungen auf die Tannenbäume haben kann. „Dadurch gibt es keinen Schädlings- oder Pilzbefall und wir konnten weniger Pflanzenschutzmittel als sonst einsetzen.”