Die Brandschutzbedarfsplanung für Altentreptow zeigt: Gerade die fehlende Löschwasserversorgung in den Ortsteilen er
Die Brandschutzbedarfsplanung für Altentreptow zeigt: Gerade die fehlende Löschwasserversorgung in den Ortsteilen erweist sich bei Einsätzen als Problem. Felix Gadewolz
Feuerwehr

Wo hapert es beim Brandschutz in Altentreptow?

Im Juni wird die Stadtvertretung den neuen Brandschutzbedarfsplan beschließen. Zwar ist die Feuerwehr in Altentreptow ganz gut aufgestellt, doch es gibt auch Nachbesserungsbedarf.
Altentreptow

Vielerorts sieht es für die Freiwilligen Feuerwehren in der Region nicht rosig aus. Sei es veraltete Technik, fehlende Ausstattung oder ein Mangel an Nachwuchs – die Brandbekämpfer ringen mit einer Reihe von Problemen. Doch es gibt auch Wehren, die sich nicht beklagen können und zuversichtlich den nächsten Einsätzen entgegensehen, so auch in der Tollensestadt Altentreptow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte).

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Mit der Jugendwehr über dem Bundesdurchschnitt

Wie aus dem neuen, 79 Seiten umfassenden Brandschutzbedarfsplan für die Stadt hervorgeht, ist die Freiwillige Feuerwehr Altentreptow mit der derzeitigen Personaldecke und der vorhandenen Qualifikationsstruktur in der Lage, in voller Zugstärke mit 21 Kameraden auszurücken. „Wir mussten bislang zu keiner Tageszeit einen Einsatz an andere Wehren abgeben. Bei der Anzahl der Führungskräfte liegen wir deutlich über dem vorgegebenen Soll und auch unser Fahrzeugbestand ist dank des neuen Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugs (HLF 20) als bedarfsgerecht einzustufen. Bei den Mitgliederzahlen der Jugendfeuerwehr liegen wir sogar über dem Bundesdurchschnitt, was uns natürlich besonders stolz macht. Selbst während der Corona-Pandemie hatten wir mehr Zulauf als Abgänge zu verzeichnen“, erklärte der stellvertretende Wehrführer Remo Czinczoll bei der jüngsten Hauptausschusssitzung.

Wenig Hoffnung

Da die Wehr allerdings auch für einige Autobahnabschnitte mit zuständig ist und somit überörtliche Aufgaben erfüllt, wurde von der ISBM GmbH Wolgast, die den Plan erarbeitet hat, empfohlen, ein zusätzliches Löschgruppenfahrzeug (LF20) anzuschaffen. Die Verwaltung hatte mit Zustimmung der Stadtvertretung bereits zu Jahresbeginn einen entsprechend Förderantrag über das Investitionsprogramm „Zukunftsfähige Feuerwehr in MV“ gestellt, denn so ein neues Fahrzeug lässt sich mit eigenen Haushaltsmitteln nicht finanzieren. Rund 390.000 Euro wären dafür fällig.

Sollte der Antrag bewilligt werden, winkt eine 80-prozentige Förderung, wodurch für die Stadt ein Eigenanteil von 78.000 Euro übrig bleiben würde. Allerdings stehen die Chancen, berücksichtigt zu werden, eher schlecht. Das 50 Millionen Euro umfassende Fördervolumen ist schon jetzt völlig überzeichnet. „Ich persönlich habe da wenig Hoffnung, die Stadt sollte sich daher lieber nach alternativen Fördertöpfen umschauen“, regte Czinczoll an.

Mängel sollen behoben werden

Am Gerätehaus der Wehr hat sich mit der neuen Fassade und den Toren zwar schon einiges zum Positiven entwickelt, trotzdem gebe es auch hier nach wie vor manches, das sich unbedingt verändern müsse, hieß es. Gerade die unzureichenden Duschmöglichkeiten und die fehlende räumliche Trennung der Umkleidebereiche von den Fahrzeughallen seien von der ISBM kritisiert worden. „Allerdings sind uns bei dem letzten Punkt bauliche Grenzen gesetzt. Die Verwaltung arbeitet aber bereits daran, dass wir einen Strom- und Wasseranschluss bekommen, auch die hygienische Situation soll sich verbessern“, betonte der stellvertretende Wehrführer.

Bisher keine Förderung für Löschwasserversorgung

Ein viel größeres Problem stellt die fehlende Löschwasserversorgung dar. Während die Kameraden im Stadtgebiet auf das Hydrantennetz zurückgreifen können, sind in den umliegenden Ortslagen nur vereinzelt Brunnen oder Löschwasserteiche vorhanden. Der Wasser- und Abwasserzweckverband Demmin/Altentreptow hatte bereits vor längerer Zeit unmissverständlich klar gemacht, dass die GKU im ländlichen Raum des Amtes Treptower Tollensewinkel technisch nicht in der Lage sei, die Bereitstellung von Löschwasser sicherzustellen. Außerdem würde es ohnehin nicht zu den Aufgaben des Verbands zählen.

Die Verwaltung hatte daraufhin nichts unversucht gelassen, um an Fördermittel für den dringend erforderlichen Ausbau der Löschwasserversorgung zu kommen – bislang vergeblich. „Hier müssen wir in Zukunft unbedingt weiter dran bleiben, sonst könnte das im Ernstfall zum Problem werden“, machte Czinczoll deutlich.

Vertrag sollte angepasst werden

Da sich die Stadt vor Jahren vertraglich dazu verpflichtet hatte, den abwehrenden Brandschutz und die technischen Hilfeleistungen für Pripsleben mit zu übernehmen, wird die Gemeinde im Bedarfsplan bei der Gefährdungsbeurteilung ebenfalls mit betrachtet. Personell und materialtechnisch wäre das auch kein Problem, allerdings sei die vorgeschriebene Eintreffzeit von zehn Minuten aufgrund der Entfernung keinesfalls zu schaffen. „Der geschlossene Vertrag sollte deshalb von der Verwaltung überarbeitet werden, damit der Gemeinde auch bewusst wird, dass es länger dauert, bis wir einige Ortsteile erreichen. Die durchschnittliche Ausrückzeit von Altentreptow aus liegt schon bei zwei bis drei Minuten, schneller geht‘s einfach nicht. Hinzu kommt, dass die Löschwasserversorgung vor Ort sehr schlecht ist“, meinte Czinczoll. Der Gemeinde wurde von der ISBM daher empfohlen, zusätzlich selbst präventive Maßnahmen zu entwickeln, um diesem offensichtlichen Mangel entgegenzuwirken und Gefährdungen zu mindern.

Der Hauptausschuss hatte den vorgestellten Beschlussvorschlag zur Brandschutzbedarfsplanung inklusive der gesetzten Schutzziele geschlossen durchgewunken. Die endgültige Entscheidung obliegt den Stadtvertretern.

Das enthält eine Brandschutzbedarfsplanung

Laut Landes-Brandschutzgesetz von Ende 2015 müssen die Kommunen den Brandschutz sowie die technische Hilfeleistung in ihrem Gebiet sicher- und eine Brandschutzbedarfsplanung aufstellen. In diesem Plan gibt es eine Gefahren- und Risikoanalyse, die das Gefahrenpotenzial entsprechend der örtlichen Verhältnisse beschreibt. Zudem werden sogenannte Schutzziele festgesetzt, die das beschreiben, was die Wehr erreichen muss. Dafür wird alles genau analysiert: der aktuelle Stand der Ausstattung an Technik, Fahrzeugen und Gebäudebeschaffenheit, die Anzahl der aktiven Kameraden, ihre Tages-Einsatzbereitschaft sowie die Zeit, in der sie beim Einsatzort sind. Aus der Analyse und den Schutzzielen werden dann die Maßnahmen abgeleitet, um den Brandschutz vollumfänglich sicherzustellen.

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