Im Frühjahr 2022 wurde auf Initiative von Klimaschutzmanagerin Anne Harnack (rechts) gemeinsam mit Barbara Brands vom Alt
Im Frühjahr 2022 wurde auf Initiative von Klimaschutzmanagerin Anne Harnack (rechts) gemeinsam mit Barbara Brands vom Altentreptower Bauernverband und Bürgermeisterin Claudia Ellgoth die erste städtische Insektenweide angelegt. Tobias Holtz
Die meisten Bürger im Amtsbereich können wenig Verständnis dafür aufbringen, dass sie für das Tolerie
Die meisten Bürger im Amtsbereich können wenig Verständnis dafür aufbringen, dass sie für das Tolerieren so vieler Windkraftanlagen in ihrem Lebensumfeld nach wie vor keinen Ausgleich erhalten. Bernd Wüstneck
Projekte & Konzepte

Wo steht der Treptower Tollensewinkel beim Klimaschutz?

Ab dem 1. Februar steht das Amt vorerst ohne Klimaschutzmanager da. Doch Anne Harnack hat in den vergangenen Monaten schon einiges auf den Weg gebracht.
Altentreptow

Klimaschutzmanagement ist eine echte Mammutaufgabe – das war Anne Harnack durchaus bewusst, als sie sich 2021 auf den Posten im Rathaus beworben hatte. Doch mitunter gibt es im Berufsleben Momente, in denen man spürt, dass es Zeit für Veränderungen ist. So hat sich auch die Klimaschutzmanagerin nach 16 Monaten dazu entschieden, neue Wege gehen zu wollen.

Überraschende Kündigung

„Ich habe diese Aufgabe sehr gerne übernommen. Aber es gab strukturelle und inhaltliche Divergenzen, die letztendlich zu meinem Entschluss geführt haben“, begründet Harnack gegenüber dem Nordkurier ihre überraschende Kündigung, ohne einen weiteren Kommentar zu verlieren. Denn eigentlich wäre ihr auf drei Jahre befristeter Vertrag erst zum 31.  August 2024 ausgelaufen, wobei eine Verlängerung vom Fördergeber nicht ganz unrealistisch erschien.

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Trotzdem hat die scheidende Klimaschutzmanagerin im vergangenen Jahr viele Projekte angeschoben, auf denen ihr potenzieller Nachfolger aufbauen kann. Gerade was das lückenhafte Radwegenetz im Amtsbereich betrifft, soll sich mit einem völlig neuen Konzept einiges verbessern. Allerdings hielt sich das Interesse an dem im Dezember gestarteten Workshop mit nur 13 Teilnehmern in Grenzen. „Das muss auf Außenstehende so gewirkt haben. Aber wie mir unser Projektpartner „FixMyCity“ mitgeteilt hat, ist das bei einer Datenerhebung schon eine gute Ausgangsbasis für den ländlichen Raum. Außerdem sind seit dem Aufruf im Nordkurier noch weitere Radfahrer hinzukommen, die sich per Smartphone-App an dem Projekt beteiligen. Auch Mitarbeiter aus der Verwaltung sorgen in ihrer Freizeit dafür, dass die blinden Flecken von der digitalen Wegenetzkarte verschwinden“, betonte Harnack.

Mitmach-Frist für Erfassung der Radwege verlängert

Theoretisch ließe sich schon jetzt mit den gesammelten Daten arbeiten. Aber je mehr Informationen zum Zustand der vorhandenen Radwege vorlägen, umso besser sei die Grundlage für das Wunschwegenetz, über das bei einem weiteren Workshop im Frühjahr diskutiert werden soll. „Deswegen haben wir die Frist noch einmal um vier Wochen bis Ende Februar verlängert, um so vielen Menschen aus dem Amtsbereich wie möglich, die Chance zu geben, mitzumachen“, verdeutlicht die Klimaschutzmanagerin. Anschließend gehe es darum, gemeinsam zu entscheiden, inwieweit sich das erarbeitete Konzept in der Praxis umsetzen lässt und wo es noch Änderungsbedarf gibt.

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Dabei gehe es nicht nur darum, neue Wege zu bauen. So sei in Abstimmung mit dem Bauamt angedacht, Strecken, die derzeit als Wirtschaftswege genutzt werden, fahrradtauglich zu sanieren, wodurch sich nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld einsparen lässt. Das endgültige Konzept soll im Sommer vom Amtsausschuss beschlossen und für die weitere Nutzung durch die Gemeinden freigegeben werden.

Anwaltskanzlei als Berater bei Energie-Projekten gewonnen

Auch was das Thema der erneuerbaren Energien angeht, hat sich die Klimaschutzmanagerin gemeinsam mit der Verwaltung dafür eingesetzt, die angestrebte kommunale Teilhabe an Photovoltaik- und Windenergieanlagen rechtlich auf sichere Füße zu stellen. „Wir konnten eine Anwaltskanzlei gewinnen, die der Stadt und den Amtsgemeinden bei anstehenden Verhandlungen mit Investoren beratend zur Seite steht, damit die Bürger endlich daran partizipieren können“, sagt Harnack. Ebenfalls sei mit lokalen Betreibern der Windparks eine „Wind-AG“ gegründet worden, die sich damit beschäftigt, wie sich überschüssige Windenergie technisch am besten nutzen lässt.

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Ein weiterer wichtiger Punkt, der gemeinsam mit dem Landeszentrum für erneuerbare Energien angegangen werden soll, ist es, den hiesigen Landwirten neue Möglichkeiten der nachhaltigen Energieversorgung aufzuzeigen. „Netzwerkarbeit hat in diesem Job oberste Priorität. Klimaschutz kann nur Hand in Hand funktionieren“, weiß Harnack, die seit ihrem Dienstantritt auch jede Menge Schreibarbeit zu erledigen hatte.

„Der Anfang ist gemacht, jetzt heißt es dranbleiben“

So dauerte es vier Monate, bis der fertige, über 50 Seiten umfassende Antrag für den Bundeswettbewerb „Zukunft Region“ auf dem Tisch lag. Doch die ganze Arbeit hat sich gelohnt. Das Amt gehört zu den zehn Bewerbern, die bundesweit in das mit 240.000 Euro dotierte Programm aufgenommen wurden. Bis Ende 2024 soll demnach ein „tragfähiger Fahrplan“ vorliegen, der grob gesagt darauf abzielt, die Lebensqualität zu erhöhen und den Treptower Tollensewinkel als Wirtschaftsstandort zu stärken. Unterstützung gibt es dabei von Dr. Judith Logall. Welche Aufgaben bei der neuen Projektmanagerin zuerst auf dem Zettel stehen, will sie noch in dieser Woche im Nordkurier verraten.

Anne Harnack ist jedenfalls überzeugt, dass das Amt in Sachen Klimaschutz auf einem guten Weg ist, seine gesteckten Ziele schrittweise zu realisieren. „Der Anfang ist gemacht, jetzt heißt es dranbleiben“, resümierte Harnack an ihrem letzten Arbeitstag.

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