BAUPLAN FÜR BAHNHOFSFLÄCHE

Wohnpark-Gegner ohne Kontakt zum Investor

Es geht um 100 Wohnungen und die Beseitigung eines „städtebaulichen Missstands“. Es gibt aber auch Gegner der geplanten Bebauung einer großen Brachfläche am Bahnhof.
Thomas Beigang Thomas Beigang
Auf rund 17 000 Quadratmeter Brachfläche westlich des Bahnhofes sollen 100 neue Wohnungen gebaut werden. Das Proje
Auf rund 17 000 Quadratmeter Brachfläche westlich des Bahnhofes sollen 100 neue Wohnungen gebaut werden. Das Projekt gefällt längst nicht allen. Thomas Beigang
Neubrandenburg.

Jetzt wird es langsam ernst. Den Ratsfrauen und Ratsherren im Hauptausschuss der Neubrandenburger Stadtvertretung liegt heute der Beschlussentwurf für den Bebauungsplan Nummer 122 „Westliches Bahnhofsquartier“ vor. Noch dreht sich alles um den Entwurfs- und Auslegungsbeschluss des ehrgeizigen Vorhabens – doch spricht vieles dafür, dass die Stadtvertreter dem Projekt in der jetzigen Phase grünes Licht erteilen. Damit wäre schon ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Baustart vollzogen, der nach dem Willen der Investoren im Frühling 2020 Wirklichkeit werden soll.

Die Neubrandenburger Firma HCG Projekt will auf der 17 000 Quadratmeter großen Brache westlich des Bahnhofes rund 100 Eigentums- und Mietwohnungen bauen. Die viele Jahre von der Bahn genutzte Fläche, in jüngster Vergangenheit nur noch vorwiegend für Parkplätze genutzt, stellte selbst in den Augen der Planer im Rathaus einen „städtebaulichen Missstand“ dar. Mit der Wiedernutzbarmachung der bisherigen Bahnflächen sollen gleichzeitig angrenzende Grundstücke wieder an Attraktivität gewinnen – so die Hoffnungen in der Stadtverwaltung.

Gegner wollen Projekt stoppen

Genau daran aber glauben die Mitglieder einer Bürgerinitiative im benachbarten Nachtjackenviertel nicht. Die Bewohner oder Eigentümer der zumeist klassizistischen Bauten fürchten vielmehr um die Abwertung ihres Quartiers – wegen „Billigarchitektur“ der neuen Nachbarhäuser im Gleisquartier. Allerdings habe man sich bislang noch nicht mit den Wohnpark-Planern in Verbindung gesetzt. Dafür, lässt Rechtsanwalt Hagen Schäfer von dem Bürgerbündnis wissen, sehe man auch überhaupt keine Notwendigkeit. Die Gegner der jetzigen Planung bleiben optimistisch, das Projekt noch stoppen zu können. Träumen könne aber jeder, so Schäfer in Richtung der Investoren.

Bedarf an 1000 neuen Wohnungen bis 2031

Der Geschäftsführer des Investors HCG Projekt – das Unternehmen befasst sich unter anderem mit dem Verkauf, der Vermietung und der Verwaltung von Wohnungen – zeigt sich darüber mehr als verwundert. Diese Bürgerinitiative habe tatsächlich noch nie bei ihnen nachgefragt, so Hartmut Golke auf Nordkurier-Anfrage.

Das umstrittene Gelände befindet sich im Bereich des ehemaligen Südbahnhofs. Die Flächen liegen vollständig brach, ehemals vorhandene Lagergebäude sind bereits vor langer Zeit abgerissen worden. Für die Stadtverwaltung bietet sich hier die Chance auf einen innerstädtischen Standort mit guter Verknüpfung zu verkehrlicher, sozialer und kultureller Infrastruktur. Denn neue Wohnungen werden dringend benötigt. Laut einer Prognose besteht in Neubrandenburg bis 2031 der Bedarf an rund 1000 neuen Quartieren.

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Kommentare (5)

Ja warum wohl? Es glaubt doch niemand , daß es die Angst vor irgendeiner Billigarchitektur ist? Es ist die Angst vor dem Prekariat. In irgendwelche Sozialwohnungen könnten möglicherweise wohlstandsferne Mieter einziehen.

erarbeiteten Wohlstand zu sichern???

Es spricht nichts dagegen. Jedes Ghetto hat aber auch seine geographischen Grenzen. Dann hilft nur noch eine Mauer ,Poller und patrolierender Wachschutz. Anderswo gibts das ja auch schon.

Irgendwie fehlt in dem Artikel das Wort Sozialwohnung. Es ist wie schon mehrfach üblich in dieser Stadt nur den Besserverdienern genug Wohnunraum zur Verfügung zu stellen. Das gemeine Volk bleibt wie immer auf der Strecke, war es doch das, für die heute Regierenden ihre guten Posten erst eingefordert hat mit "Wir sind ein Volk!" Beschämend!

Die eigentliche Objektarchitektur ist das spätere Thema, wie derzeitige Entwürfe sich darstellen ist tatsächlich im Moment relativ uninteressant, das weiß auch der Investor. Im Moment geht es einzig und allein um den B-Plan und dessen Inhalte. Den gilt es für den Investor durchzubringen!
Investorenziel ist immer eine maximale Grundstückswertsteigerung durch maximale Flexibilität und Verwertbarkeit für eine spätere Bebauung zu erreichen. Diese ist erst nach Beschluss der Gremien und nach Siegelung durch den Oberbürgermeister für einen B-Plan gegeben. Gestaltung und Architektur das Areals kann sich danach, bei Einhaltung der Festsetzungen noch immer beliebig ändern! Inwieweit die Stadtplanung als Ausleger des B-Plans hierfür Ihre Gestaltungsziele, für dieses Areal - manifestiert im gelungenen Gestaltungsplan des Rahmenplans von 2010 - mit einer an die Investoreninteressen angepassten Version über Bord wirft, ist dabei sicher genau zu hinterfragen. Zweck dieser vorgelagerten Rahmenpläne ist die Darstellung der städtischen Vorstellungen des künftigen Stadtbilds in dem betreffenden Gebiet. Diese sind sicher von erfahrenen Stadtplanern aufgestellt worden. Die hier beschriebenen Vorstellungen sind eben nicht beliebig austauschbar.
Denn Stadtplanung und Gestaltung ist zu allererst eine Aufgabe der verantwortungsvollen Stadtplanung und nicht Inverstorenaufgabe, die verantwortlichen Stadtplaner sind kein Werkzeug von Inverstoren!