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Zahlung an Stadtwerke-Chef soll geprüft werden

Neubrandenburgs früherer Stadtwerke-Chef Holger Hanson hat zum Abschied eine stattliche Zahlung bekommen. Ob die überhaupt rechtmäßig war, soll nun geprüft werden.
Jörg Franze Jörg Franze
Die Stadtwerke Neubrandenburg hatten einmal den Slogan: "Das und mehr!" Ob das auch für ehemalige Geschäftsführer gilt?
Die Stadtwerke Neubrandenburg hatten einmal den Slogan: „Das und mehr!” Ob das auch für ehemalige Geschäftsführer gilt? Ingmar nehls
Neubrandenburg.

Die Stadt Neubrandenburg lässt prüfen, ob eine Zahlung an den ehemaligen Geschäftsführer der Stadtwerke, Holger Hanson, zu Recht geflossen ist. Nach Informationen des NDR bekam Hanson nach seinem Wechsel in den Ruhestand 184 000 Euro. Er soll das Geld im vergangenen Jahr beansprucht haben.

Im Neubrandenburger Rathaus bestätigt man auf Anfrage lediglich, dass ein externes Gutachten in Auftrag gegeben wurde. Ergebnisse würden voraussichtlich in den kommenden zwei Monaten vorliegen, so Sprecher André Hesse-Witt. Darauf wartet auch das für die Kommunalaufsicht zuständige Schweriner Innenministerium. „Der Sachverhalt wurde uns durch die Stadt zur Kenntnis gegeben”, heißt es.

Doch allein schon diese Prüfung stößt manchen Stadtvertretern sauer auf. Denn nach Nordkurier-Informationen hatten die Ratsfrauen und -herren nach Bekanntwerden der Forderung Hansons in nichtöffentlicher Beratung schweren Herzens beschlossen, die Zahlung abzusegnen. Wohl auch, weil man die Forderung als wasserdicht ansah. Jetzt Geld für eine erneute Prüfung auszugeben, sei eine fragwürdige Geldausgabe und ein Misstrauensvotum gegen Aufsichtsrat und Stadtvertretung, so ein Mitglied der Ratsversammlung.

„Eine Prüfung ist nie angenehm”

Nach Auskunft von Diana Kuhk, Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke, die eine städtische Tochtergesellschaft sind, handelt es sich um nichtöffentliche Vorgänge. Sie erklärte auf Anfrage, den Prüfauftrag nicht zu kennen, den eine Anwaltskanzlei von der Stadt erhalten haben soll.

„Eine Prüfung ist nie angenehm”, macht sie deutlich. Die Aufsichtsratsvorsitzende sieht indes nicht allein das Gremium, dem sie vorsitzt, im Fokus. Schließlich seien die Stadtwerke-Geschäftsführung, der Aufsichtsrat und die Stadt als Gesellschafter in verschiedener Weise in Verantwortung und an Entscheidungen beteiligt.

Bis dahin, so lassen es vorliegende Informationen vermuten, war dieses Detail des Anstellungsvertrages dem Aufsichtsrat, in dem sieben Stadtvertreter, eine sachkundige Einwohnerin und zwei Arbeitnehmervertreter sitzen, nicht bekannt. Auf alle Fälle soll der Vertrag mit der vereinbarten Zahlung ausgehandelt worden sein, bevor die jetzige Besetzung des Gremiums nach den Kommunalwahlen 2014 ihre Arbeit aufnahm.

Keine Betriebsinterna ausplaudern

Hanson soll das Geld bekommen haben, damit er nach seinem Ende bei den Stadtwerken nicht zur Konkurrenz wechselt. So eine Zahlung sei grundsätzlich nicht unüblich und habe durchaus ihre Gründe, erklärt SPD-Stadtvertreter Roman Oppermann. „Es macht Sinn, einen Menschen in einer solchen Position daran zu hindern, nach seinem Ausscheiden mit seinem Wissen auf den Markt zu gehen.”

Eine derartige Klausel habe also einen Präventionscharakter für das Unternehmen. Denn Kenntnisse über Betriebsinterna könnten für Wettbewerber von Interesse sein.

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Kommentare (2)

Einer Schmierung gleich, die an anderer Stelle strafbar wäre, stoßt mir diese Sache sauer auf. Gerade weil die Stadtwerke eine städtische Tochter sind und dieses Ruhegeld kommunales Geld ist, ist die Sache als höchst verwerflich zu betrachten.
Das Wissen, das sich Herr Hanson in seiner Zeit bei den Stadtwerken aneignete, darf er zum Teil auch nach seinem Ausscheiden nicht preisgeben! Allgemeine Erfahrungen, die er auch bei einer Konkurrenz zu Geld machen könnte, kann man ihm doch auch mit Schmiergeldern nicht abkaufen.
Er hat als Stadtwerke-Chef sicherlich ein hohes Einkommen gehabt und kann sich, so er er möchte, einen angenehmen Ruhestand gönnen.
Leider bekommen manche Leute nie genug.
Mich würde es nebenbei mal interessieren, wie viel es kosten würde, wenn die Busse besseren Anschluss hätten und man nicht eine Stunde warten muss. Dann geht man eben zu Fuß, ist aber nicht Sinn der Sache!

So nennt man das in der Ukraine. Und die ist auch bei den Stadtwerken und der Stadt nicht weit weg. Alles was der Bürger nicht wissen soll ist geheim. Nur das der Einwohner NB ein Recht darauf hat, da es seine Unternehmen sind und nicht die der Parteien Stadtverwaltung und Stadtvertretung. Aber wie sonst kann man in den Parteien alle mit einem Posten versorgen.