NEUBRANDENBURGER BAHNHOF

Züge sind zu lang für den Bahnsteig

Im Winter passten die Züge in den Bahnhof, zum Sommerhalbjahr kommt ein Waggon dazu – und jetzt ist ein Zug zu lang für den Neubrandenburger Bahnsteig. Das ärgert Passagiere. Womöglich droht das Problem auch in Burg Stargard.
Paulina Jasmer Paulina Jasmer
Gut zu sehen: Die Waggontür ist auf dem Neubrandenburger Bahnhof nicht über den Bahnsteig zu erreichen, weil sie in der Luft schwebt. Damit soll in drei Wochen Schluss sein und es in Burg Stargard erst gar nicht dazu kommen.
Gut zu sehen: Die Waggontür ist auf dem Neubrandenburger Bahnhof nicht über den Bahnsteig zu erreichen, weil sie in der Luft schwebt. Damit soll in drei Wochen Schluss sein und es in Burg Stargard erst gar nicht dazu kommen. Privat
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Neubrandenburg.

„Das Problem, dass die Züge nicht auf den Bahnsteig passen, besteht entgegen der Beteuerungen der Bahn immer noch“, schreibt ein Leser an den Nordkurier. Der nach Neubrandenbug einfahrende Zug habe am vergangenen Freitag vorn bündig am Bahnsteig gestanden. An der betroffenen Tür, die über den Gleisen schwebte, habe aber niemand gestanden, im Zug habe es keine Durchsagen gegeben: „Wenn da ein sehbehinderter Mensch an der Tür gestanden hätte und einfach ausgestiegen wäre, hätte der sich vermutlich ziemlich schwer verletzt.“

Fünfter Waggon verursacht das Problem

Bahnsprecher Gisbert Gahler hatte im November 2017 erklärt, der Bahnsteig sei lang genug für die Züge, und zwar ziemlich genau auf den Meter. Steht ein Zug mit fünf Waggons – so lang sind die Züge im Sommerhalbjahr – im Bahnsteig, muss die Lok außerhalb des Bahnsteigs halten. Die dafür nötigen Einstiegshilfen für die Lokführer hinter dem Bahnsteigende seien jedoch noch nicht vorhanden, erklärte Gahler damals. Daher hielten bei Personalwechsel jene Züge mit dem Triebfahrzeug voran so, dass sich die Lok-Tür noch am Bahnsteig befinde – die letzte Tür des letzten Wagens dann allerdings nicht mehr. Diese Tür würde in so einem Fall vom Kundenbetreuer verschlossen. Für Lokführer und Kundenbetreuer gebe es Handlungshinweise für den Ein- und Ausstieg von Rollstuhlfahrern oder Reisenden mit Fahrrädern.

Bis Ostern trat das Problem nicht auf: Im Winterhalbjahr hatten die Züge nur vier Wagen pro Zug. Doch das Oster-Erlebnis des Neubrandenburgers beweist nun einmal mehr, dass es offenbar noch ziemlich knirscht im Gebälk. Gisbert Gahler sagte auf erneute Nordkurier-Anfrage, dass in Neubrandenburg jetzt wieder Regional-Züge mit fünf Wagen hielten. Als Einstiegshilfe für die Lokführer sei hinter dem Bahnsteigende eine Fläche ausgeplattet worden, damit die Lokführer dort arbeitsschutzgerecht ein- und aussteigen könnten. In etwa drei Wochen werde eine richtige Einstiegshilfe aufgebaut. Das bedeutet laut Gahler, dass es ab Ende April gar nicht mehr zu solchen Situationen wie vom Leser beschrieben komme. Das Zugpersonal hätte seinen eigenen Ein-/Ausstieg und alle Wagen würden am Bahnsteig halten.

Bahnhof rückt näher an Stargards Zentrum

Könnte der Knatsch um die Länge der neuen Bahnsteige womöglich auch in Burg Stargard losgehen? Denn Burg Stargards Bürgermeister Tilo Lorenz (CDU) hatte Besuch von Vertretern der Deutschen Bahn. Das Unternehmen plant eine größere Investition auf dem Bahnhof-Areal. So soll der Bahnsteig verlegt werden, etwa zweihundert Meter dichter an den Bahnübergang heran, auf Höhe der Tankstelle. „Das ist schade ums Bahnhofsgebäude, aber so wäre der Bahnsteig näher am Zentrum“, zeigte er Vor- und Nachteil auf. Außerdem soll es zwei Bahnsteige geben, aber nicht in der Form wie bisher: Wenn alles neu ist, werde der eine Bahnsteig über die Bahnhofstraße und der andere über die Neustrelitzer Straße zu erreichen sein.

Gisbert Gahler gab hinsichtlich der Bahnsteig-Bedenken Entwarnung: Zwar würden auch in Burg Stargard die Bahnsteige rund 140 Meter lang werden, aber in der Kleinstadt sei kein Personalwechsel vorgesehen. Somit sollen alle Waggons am Bahnsteig halten, versichert er.

Wie Bahn-Sprecher Gisbert Gahler auf Nordkurier-Nachfrage bestätigte, werden in Burg Stargard für rund 1,1  Millionen Euro zwei neue Außenbahnsteige errichtet, voraussichtlich ab September. „Im Bereich des Mittelbahnsteigs wird ein Gleis neu verlegt und die alte Infrastruktur zurück gebaut. Zeitgleich wird die Beleuchtungsanlage erneuert, somit die Verfügbarkeit der Anlage verbessert und der Instandhaltungsaufwand minimiert“, ergänzte Gahler. Das Empfangsgebäude werde wohl als Baubüro genutzt werden.

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