HEIMWEH NACH NEUBRANDENBURG

Zurückgekommen, um zu bleiben

Juliane Brückner ist zurück nach MV gezogen - und für sie ist klar: Es war die beste Entscheidung ihres Lebens. Dabei hätte es auch Hawaii werden können.
Juliane Brückner ist zum Studium nach Berlin gegangen und dort lange auch gelebt und gearbeitet. Seit 2017 lebt sie wiede
Juliane Brückner ist zum Studium nach Berlin gegangen und dort lange auch gelebt und gearbeitet. Seit 2017 lebt sie wieder in Neubrandenburg, in der selben Straße, aus der sie damals fortgezogen ist. Nun hat sie den Tollensesee wieder vor der Haustür und dazu noch 1000 Alternativen. privat
Neubrandenburg ·

Im Prinzip fühlt sich Juliane Brückner in ihrer Nachbarschaft schon seit 30 Jahren so richtig wohl, obwohl sie selbst dort fast die Hälfte dieser Zeit gar nicht gelebt hat. “Ich kenne hier jeden”, sagt die heutige Zahnärztin, die in Broda aufgewachsen ist, einem eher ruhigen Stadtteil am Rand von Neubrandenburg. Nach dem Abitur 2004 zog sie erst einmal weg, so wie fast jeder aus ihrem Jahrgang. Sie ging zum Studieren nach Greifswald und merkte schnell, dass die Stadt nichts für sie ist. Zu klein, fast so wie Neubrandenburg, das war ihr zu wenig. Also ab nach Berlin, wo alles etwas größer ist und sie schließlich an der Charité Zahnmedizin studierte.

“Es war wichtig, wegzugehen”, sagt sie heute. Abstand gewinnen, Eindrücke sammeln. Zuletzt hatte sie sechs Jahre im Stadtteil Neukölln gearbeitet und ganz andere Kulturen kennengelernt, von denen sie sonst vielleicht “nur über das Fernsehen” etwas gehört hätte. Das sei gut gewesen. Doch als ihr erster Sohn auf die Welt kam, da war ihr klar, dass er nicht in Berlin aufwachsen soll. “Ich hatte nie ausgeschlossen, wieder zurück zu kehren, doch ich hätte mir auch Hawaii vorstellen können.” Zur Geburt des Kindes war sie damals schon extra nach Neubrandenburg gekommen. Das habe sich einfach besser angefühlt, sagt sie.

Jetzt bestellen: Hier gibt es weitere Informationen zum Heimweh-Newsletter des Nordkurier

Wohnen in der Nähe der Eltern? Jackpot!

Dass sie dann 2017 wirklich wieder zurück in ihre Heimatstadt gezogen ist, lag auch an ihrer Nachbarschaft. Sie fand ein Haus in Broda, in der selben Straße, in der noch heute ihre Eltern wohnen. “Das war der Jackpot.” Nur ihr Mann musste vorher noch überzeugt werden, denn der ist immerhin Berliner und sei bei seinen ersten Besuchen in Neubrandenburg noch skeptisch gewesen, was diese Stadt betrifft, von der seine Frau immer so schwärmte. “Doch er wollte mitmachen.”

Nach dem Umzug im Jahr 2017 hätten sie dann schnell das Fazit gezogen, die beste Entscheidung ihres Lebens getroffen zu haben. Die Versorgung für ihre Kinder, inzwischen sind es zwei, sei nun viel besser und beruflich habe sie schnell wieder eine Praxis gefunden. “Ich habe gerne in Berlin gelebt”, sagt Juliane Brückner, doch es gibt Dinge, die sie dort vermisst habe. So habe sie meist eine Stunde bis zum nächsten See gebraucht – und dort dann keinen Platz gefunden. Nun hat sie den Tollensesee wieder vor der Haustür und dazu noch 1000 Alternativen. Wenn es etwas mehr sein soll, dann könne sie zudem schnell an die Ostsee fahren.

“Die Mehrheit hier ist ganz ehrlich”

Und dann seien da noch die Menschen, die ihr gefehlt hätten. “Die Mehrheit hier ist ganz ehrlich”, sagt sie. Das Vertrauen untereinander sei größer und auch der Respekt, der ihr als Ärztin entgegengebracht werde. In Neukölln sei es schon einmal vorgekommen, dass man ihre Fachkenntnis infrage gestellt habe. Natürlich seien die Mecklenburger auch etwas ruhiger, “aber ich mag die Mentalität gerne”.

Zum Start habe ihr geholfen, dass sie über ihre Kinder schnell Kontakte zu anderen Eltern knüpfen konnte. “Meinen alten Freundeskreis gibt es nicht mehr.” Die meisten seien noch immer in den Metropolen, in die es sie nach dem Abi verschlagen hatte – doch auch für sie würde Neubrandenburg noch “hoch im Kurs” liegen. Doch Juliane Brückner hatte natürlich auch noch ihre Familie in Neubrandenburg – und natürlich die Nachbarschaft.

Weiterlesen: „An der Ostsee kann ich wieder atmen”

Zum Neustart etwas Eigenes aufbauen

Zum Neustart wollte sie sich zudem auch noch sozial engagieren: “Wir sind gekommen, um zu bleiben.” Da passte es gut, dass ihr Mann mit einer Vision nach Neubrandenburg gezogen sei. Als ehemaliger Profi-BMX-Fahrer sei es sein Ziel gewesen, auch in Neubrandenburg eine Szene aufzubauen, obwohl er hier niemanden kannte. Er fand Gleichgesinnte und gründete den Verein „Rollkollektiv 4 Tore“, der inzwischen eine Halle für Skater, BMXer und Rollerfahrer hergerichtet hat. Juliane Brückner ist inzwischen ebenfalls im Vorstand.

“Ich fand es schön, eine Alternative zu schaffen zu den anderen Sportvereinen in der Stadt.” Sowieso, Alternativen: So cool sie ihr neues Leben auch findet, einige Dinge vermisst sie dann schon an Berlin. Als erstes nennt sie da Ausgehmöglichkeiten, schöne Clubs, in denen auch mal kein Schlager läuft. Rock und Indie sei da schon eher ihr Ding, doch da müssen sich wohl noch Leute finden, die ein neues Projekt hochziehen. Und vielfältige Gaststätten, die fehlen ihr auch. Doch da habe sich die Lage nun auch schon verbessert.

Heimweh - der Newsletter für Weggezogene

Der wöchentliche Überblick für alle, die den Nordosten im Herzen tragen. Im kostenfreien Newsletter erzählen wir jeden Montag die Geschichten von Weggezogenen, Hiergebliebenen und Zurückgekehrten und zeigen, wie die Region sich weiterentwickelt.

Jetzt schnell und kostenfrei anmelden!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

zur Homepage

Kommentare (2)

Oder nach Buxtehude, da wo die Hunde mit dem Schwanz bellen.
Und mal ganz ehrlich, einfach alles ist besser als dieses D***loch Berlin.

Heile Welt.