WARNTAG 2020

Zwei Mal eine Minute lang Geheul der Alarm-Sirenen

Viele glauben der schrille Alarm richtet sich eigentlich an die Feuerwehr. Doch dem ist nicht so. Ein bundesweiter Warntag soll ab jetzt an ihre Funktion erinnern.
Am Warntag ertönen alle Sirenen im Land gleichzeitig.
Am Warntag ertönen alle Sirenen im Land gleichzeitig. Martin Gerten
Neustrelitz.

Eine irre Geräuschkulisse darf wohl erwartet werden, wenn am Donnerstagvormittag Hunderte Sirenen im Nordosten gleichzeitig aufheulen. Am ersten, bundesweiten Warntag ertönen allein in der Mecklenburgischen Seenplatte mehr als 280 Sirenen, im Landkreis Rostock 256 und in Vorpommern-Greifswald 231.

Die Aktion soll die Menschen laut den Organisatoren von Bund und Ländern dafür sensibilisieren, die wichtigen Signaltöne zu erkennen. Denn längst nicht jedem sei das Alarm-Geheul noch bekannt.

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Dabei hat ihre Bedeutung laut Marko Stange, Kreiswehrführer in Vorpommern-Greifswald, keinesfalls abgenommen. Dass es sich lediglich um eine ältere Form der Alarmierung von Feuerwehrleuten handelt, sei ein Irrglaube. „Die Sirenen dienen der Warnung der Bevölkerung”, stellt Stange klar. Sie seien im Prinzip nicht für den Ruf der Feuerwehrleute zum Einsatz vorgesehen. Diese werden mit zuverlässigen, digitalen Meldern zumeist persönlich informiert.

Gemeinde nicht zu Sirenen verpflichtet

So warnen Sirenen eben nicht nur vor Feuer, sondern auch vor anderen Katastrophenfällen – zum Beispiel mit einem Flieger-Alarm. Schließlich kann selbst ein Kriegsszenario nach Stanges Einschätzung nie vollständig ausgeschlossen werden. Zu Diskussionen hatte in der Vergangenheit unter anderem die abnehmende Zahl an Sirenen geführt – insbesondere in Vorpommern-Greifswald, wo weniger Sirenen vorhanden sind als in den benachbarten Landkreisen. Der dortige Kreistag beschloss deshalb Anfang des Jahres, eine flächendeckende Alarmierung weiter auszubauen. Aktuell arbeitet die Kreisverwaltung an der Umsetzung der Forderungen, teilte sie dem Nordkurier auf Nachfrage mit.

Auch in der Mecklenburgischen Seenplatte sind mit der Zeit einige Sirenen verschwunden. Laut der Sprecherin des Kreisfeuerwehrverbandes Birgit Schmidt wurde der Abbau-Welle jedoch irgendwann Einhalt geboten – um den Bevölkerungsschutz bewahren zu können.

Zwar sind Sirenen laut Kreis-Sprecherin Haidrun Pergande eine wichtige Teilkomponente des Warnkonzeptes des Landkreises. Allerdings existiere kein Gesetz, dass zum Unterhalten einer Sirene verpflichte. Deshalb gebe es durchaus Gemeinden, in denen gar keine Sirene vorhanden ist. „Als Grund wurden zumeist die Wartungskosten genannt”, so Pergande.

Warnungen an Kitas und Pflegeheime

Am 10. September um 11 Uhr beginnt die Alarm-Übung mit einem einminütigen auf-und-abschwellenden Ton. Ein ebenso langer Sirenen-Dauerton signalisiert nach 20 Minuten Entwarnung und das Ende der Aktion. Zuvor haben Behörden gesonderte Warnungen an Kindertagesstätten und Pflegeheime gesendet. Denn gerade dort könnten durch den langanhaltenden Probealarm Erinnerungen an vergangene Kriegszeiten geweckt werden.

Neben den Sirenen werden an diesem Tag auch Warn-Apps für das Smartphone getestet. Über die Handy-Anwendungen sowie im Fernsehen und im Internet gibt es Probewarnungen. So kann sich beispielsweise jeder mit Hilfe der Warn-App Nina über Gefahren oder das Pandemie-Geschehen auf dem Laufenden halten. Die Behörden raten ohnehin dazu, sich im Katastrophenfall in den Medien über das Geschehen und nötige Vorsichtsmaßnahmen zu informieren.

Am Donnerstag, 10. Sptember, werden bundesweit um 11 Uhr Sirenen klingen und andere Warnmittel, zum Beispiel LED-Werbeflächen, aktiv sein. Es tut sich etwas bei den Apps, die für Notfälle erdacht wurden, und auch in den Funkmedien geht es dann um eine Alarmierung. Es ist der erste Warntag – und der gilt für das gesamte Bundesgebiet.

Dazu wird um 11 Uhr eine Probewarnung an alle sogenannten Warnmultiplikatoren, unter anderem, Rundfunksender und App-Server geschickt, die am Modularen Warnsystem (MoWaS) des Bundes angeschlossenen sind. Die Warnmultiplikatoren versenden die Probewarnung in ihren Systemen oder Programmen an Endgeräte wie Radios und Warn-Apps, auf denen die Bürger die Warnung lesen, hören oder wahrnehmen. In den Landkreisen und in den Kommunen werden zudem zur Verfügung stehende Warnmittel ausgelöst – das können auch Sirenen und Lautsprecherwagen sein.

Zuständig für diesen ersten Warntag sind Bund und Länder – und natürlich auch die für solche Themen Zuständigen in den Landkreisen und Gemeinden. Die Bevölkerung solle durch diesen Tag unrter anderem die unterschiedlichen Warnmittel kennen lernen, deren Bedeutung und natürlich auch, woher man Informationen in einem Notfall beziehen kann und wie man sich verhalten sollte

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Kommentare (2)

Na da bin ich ja mal gespannt, ob morgen was zu hören ist. Ich hatte den Eindruck, dass nach der Wende praktisch alle Sirenen abgebaut worden sind. Zumindest die in den Städten.

Vorbereitung auf prophezeihte Weltuntergänge. Hoffentlich sind die Dieselstromaggregate bei Stromausfall intakt. Vermutlich plant man mit Netzausfällen in der Zukunft, dass altertümlich, analoge Warnsignale reaktiviert werden.