Das Video von einer Wolfsbegegnung verbreitet sich in der Region um Brunn aktuell rasant.
Das Video von einer Wolfsbegegnung verbreitet sich in der Region um Brunn aktuell rasant. Screenshot: Privat/ZVG
Der Wolf ist im Osten der Seenplatten keine seltene Erscheinung mehr. Die Schafzucht Genzkow in Eichhorst hat wegen des Raubti
Der Wolf ist im Osten der Seenplatten keine seltene Erscheinung mehr. Die Schafzucht Genzkow in Eichhorst hat wegen des Raubtieres sogar ihren Betrieb zunächst aufgegeben. Holly Kuchera (Symbolfoto)
Zaun-Problem

▶ Zwei Wölfe reißen alte Wunden auf, Tierhalter in Sorge

Das Video von zwei Wölfen verbreitet sich aktuell wie ein Lauffeuer. Den ansässigen Tierhaltern ist kaum zum Lachen zumute. Eine Schafszucht zog drastische Konsequenzen.
Brunn

Das Video ist nur rund zwanzig Sekunden lang. Zwischen Dahlen und Birkhof kreuzen am frühen Morgen gleich zwei Wölfe in entgegengesetzte Richtungen die Landesstraße 28. Viel mehr machen sie nicht. Und gänzlich neu ist das Wolfsvorkommen in der Region auch nicht. Längst gilt der gesamte Raum zwischen Neubrandenburg und Friedland als Wolfsstreifgebiet. Doch der mit dem Handy festgehaltene Beweis wirkt dennoch nachhaltig. „Ich hoffe, dass sie hier wirklich nur durchstreifen und nicht hier in der Gegend einen festen Platz finden“, sagt Brunns Bürgermeister Christian Schenk.

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Auch die Tierhalter in der Region verfolgen die Wolfsbewegungen mit Argwohn. „Klar ist man ein wenig ängstlich, denn er scheint immer mehr die Scheu zu verlieren“, sagt Ansgar Schlingmann, der in der Nähe Tausende Puten hält. Mit dem Video kam die Erinnerung an ein Loch unterm Zaun. Das könne auch ein Fuchs gewesen sein, sagt Schlingmann, dessen Vögel seit Jahren von Hütehunden beschützt werden. Eine Wolfsbegegnung hatten diese wohl noch nie, Geld vom Land gab es für die Hunde allerdings auch nicht. „Denn laut Ministerium fressen Wölfe kein Geflügel“, so Schlingmann.

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„Müssen warten, bis sich politisch etwas ändert“

Er drückt für sich und seine Tiere trotzdem beide Daumen. Denn seit einem Jahr fühlen sich in der Friedländer Region offenbar immer mehr Wölfe wohl und immer mehr Tierhalter dabei unwohl.

Einen der ersten Wolfsrisse gab es vergangenen Sommer in Eichhorst, wo die Schafszucht Genzkow einige Tiere grasen ließ. Ein Dreivierteljahr später sind alle Tiere weggeben. Von mehr als 1.500 Schafen hat sich der Betrieb rund um die Familie von Sabine Weiß getrennt. „Es ging einfach nicht mehr. Der Schäfer konnte schon nicht mehr schlafen. Wir müssen jetzt warten, bis sich politisch etwas ändert“, sagt Weiß.

Das Weggeben der Tiere habe die ganze Familie emotional berührt, gibt sie zu. Immerhin: Der Schäfer wurde nicht arbeitslos, sondern beim Landwirtschaftsbetrieb der Familie integriert. „Da hängt ja auch immer eine Familie dran“, zeigt sich Weiß froh, zumindest dafür eine Lösung gefunden zu haben. Doch einen finanziellen Ausgleich gab es nicht, zu ungesichert seien dafür nach Einschätzung der Behörden die Tiere gewesen.

Theorien zur Wolfsabwehr funktionieren nicht

Der Betrieb aus der Friedländer Region suchte das Gespräch mit dem Schweriner Agrarministerium. „Wir wollen zeigen, dass die politischen Theorien zur Wolfsabwehr in der Praxis nicht funktionieren“, sagt die Datzetalerin. Schafe nachts einzupferchen, obwohl sie gerade zu dieser Jahreszeit lieber grasen, wenn keine Sonne scheint, sei keine Lösung. Feste Zäune ließen sich in der Datzeniederung kaum vernünftig aufbauen, für mobile Zäune fehlten die Mitarbeiter. „Und es wäre auch wirtschaftlich nicht tragbar, jemanden nur für das Zaunaufbauen einzustellen.“ Doch trotz mehrmaliger Bitte sei kein Treffen mit dem Landwirtschaftsministerium zusammengekommen.

Im Osten der Mecklenburgischen Seenplatte ist das Rudel in Eichhorst schon länger offiziell bekannt. Dazu kommt ein Wolfsvorkommen im Landgrabental, dessen Status aktuell ungeklärt ist. Im Vergleich zur Uecker-Randow-Region vergeht sich der Wolf etwas weiter westlich noch immer relativ selten an Nutztieren. Seit Jahresanfang sei es zu zwei Rissvorfällen in der Region gekommen. Nur bei einem konnte genetisch der Wolf als Schuldiger nachgewiesen werden, heißt es auf Anfrage aus dem Ministerium.

Zäune scheinen keine Patentlösung zu sein

Doch die Unzufriedenheit der Tierhalter mit der Politik wächst. Auch Rinderhalter und BUND-Mitglied Hans-Albrecht Witte von der Datze Naturrind GbR fordert ein konsequenteres Handeln. Der Schauplatz des neuesten Videos ist nur drei Kilometer Luftlinie von seinen Rindern entfernt, demnächst will er sie ausstallen. „Wir haben einen Festzaun mit Strom und können einfach nur hoffen, dass das reicht“, sagt Witte. Denn längst gebe es auch Beispiele, wo Zäune, Strom und selbst Hütehunde nicht vor Wolfsattacken bewahren konnten. Gerade Zäune seien ein Problem. „Das Wild soll ja noch rüber kommen, sonst mehren sich die Wildunfälle auf den Straßen“, fürchtet Witte.

So blicken die Tierhalter weiter nach Schwerin und hoffen auf Hilfe und ein Umdenken beim Wolfsschutz. Auch die Familie Weiß, deren Schafszucht aktuell die Schafe fehlen. Aber sie hätten die Hoffnung nicht aufgegeben, sagt Sabine Weiß. „Denn Schafe gehören einfach in unser schönes Datzetal“, betont sie.

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