KRISE KILLT KUNST

▶️3000 Grad-Festival in Feldberg soll 2020 nur virtuell stattfinden

Das 3000 Grad-Festival in Feldberg ist dem Coronavirus zum Opfer gefallen. Es besteht nun die Möglichkeit, dass es nie wieder stattfindet.
Drei Tage heile Welt – so geht es zu beim Feldberger Festival. In diesem Jahr gibt‘s die Party im Internet.
Drei Tage heile Welt – so geht es zu beim Feldberger Festival. In diesem Jahr gibt‘s die Party im Internet. Susanne Böhm/Archiv
In diesem Jahr bleibt das Eingangstor zur Feldberger Kieskuhle geschlossen und die Durchfahrt verboten.
In diesem Jahr bleibt das Eingangstor zur Feldberger Kieskuhle geschlossen und die Durchfahrt verboten. Susanne Böhm
Feldberg.

Der Sommer wird ruhig in der Feldberger Seenlandschaft. Lange hatten die Veranstalter des 3000 Grad-Festivals in Feldberg auf ein Wunder gehofft, doch jetzt haben sie die dreitägige Freiluftfeier schweren Herzens abgesagt. „Verantwortung und Solidarität stehen für uns an oberster Stelle – auch angesichts der gesundheitlichen Gefahr der Covid-19- Pandemie“, teilte der Verein „3000 Grad Musik und Kultur“ mit.

Für alle, die sich auf die Party in der Kieskuhle Mitte August gefreut hatten, ist das ärgerlich. Für die Veranstalter ist es mehr als das, denn sie sind in ihrer Existenz bedroht. „Es könnte das endgültige Aus sein.“ Denn der Verein wirtschaftet nach eigenen Angaben nicht kommerziell. Die Einnahmen reichen gerade aus, um vier festangestellte Mitarbeiter und mehrere Freiberufler zu bezahlen. Rücklagen gibt es keine, erklärt Vereinsmitglied Ronny Mollenhauer. Die Krise sei zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt gekommen. Ausgerechnet im vergangenen Jahr habe der Verein einen Kredit aufgenommen, das Festivalgelände mit Strom und Wasser erschlossen und eine Kläranlage gebaut. „Wir sitzen immer noch auf Schulden. Außerdem haben wir laufende Miet- und Unterhaltskosten.“

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„Es könnte eine richtig spaßige Angelegenheit werden”

Knapp 3500 der 5000 Tickets seien verkauft. Wenn die Mehrheit ihr Geld zurückfordert, müsse der Verein Insolvenz anmelden, erklärt Ronny Mollenhauer. „Dann bedeutet es das Ende vom 3000 Grad-Festival. Nicht nur dieses Jahr, sondern endgültig aus und vorbei.“ Damit das nicht passiert, haben sich die Veranstalter etwas einfallen lassen: Das Festival findet trotzdem statt – im Internet.

„Es könnte eine richtig spaßige Angelegenheit werden.“ Die Idee: Die Künstler kommen ohne Publikum zusammen und stellen ein abwechslungsreiches Programm mit Konzerten, Lesungen, Varieté und Workshops auf die Beine. Der Ort bleibt geheim, damit es nicht doch noch zu größeren Menschenansammlungen kommt. Wer sein Ticket behält oder eins kauft, bekommt die Zugangsdaten und kann übers Internet dabei sein – in Echtzeit vom 14. bis 16. August. Um wenigstens ein bisschen Geselligkeit und Kommunikation zu ermöglichen, soll es Chats und Interviews geben. „Es gibt richtig gute, abwechslungsreiche Konzerte und DJs mit erleuchtenden Backstage-Eindrücken. Wir machen ein virtuelles Festival, so gut, wie wir es hinbekommen. Auf mehreren Bühnen soll es Konzerte, Live-Acts und DJ-Sets geben, in denen sich das 3000 Grad-typische Spektrum von handgemachter und digitaler Musik eröffnet. Es soll Eindrücke von der Bühne geben und spannende Interviews dahinter. Dazwischen Performance Kunst, und Theater“, erklärt Ronny Mollenhauer.

Auf Ticket-Einnahmen angewiesen

Ihm sei bewusst, dass dies kein vollwertiger Ersatz für ein echtes Festival ist, aber es sei eine Chance, den Zuschauern etwas Freude zu machen, den Verein zu retten und jene zu unterstützen, die von solchen Veranstaltungen leben. „Es geht um Gagen und die Bezahlung für die Elektrikerinnen, Techniker und Anlagen-Verleiher, Ordner und Catering-Crews, Deko-, Licht- und Video-Künstlerinnen.“ Wie schön und aufwendig das Online-Festival wird, hänge davon ab, wie viele Leute ihre Karten behalten oder noch kaufen. Sollten die meisten ihr Geld zurückhaben wollen, wäre dies ein „wirtschaftlicher Supergau. Dann wissen wir nicht, ob wir bis nächstes Jahr überleben. Wir sind unbedingt auf die Ticket-Einnahmen von diesem Jahr angewiesen“. Die Reaktionen auf das Angebot seien bislang gemischt. Es gebe viele, die ihre Tickets behalten, aber auch viele, die auf ihr Geld bestehen.

Die Veranstalter hoffen, dass ihre aus der Not geborene Erfindung funktioniert. Gerade in Krisenzeiten sei der Heile-Welt-Gedanke, den die Festivalmacher tragen, wichtig. „Lasst uns nicht einfach wieder Normalität herstellen, sondern aktiv eine neue, nachhaltigere Alltagsrealität gestalten.“ Das Projekt unterstütze Kunst, Kultur, alternative Lebensmodelle und viele Menschen, die hinter den Kulissen der Veranstaltungs-Welt arbeiten.

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