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Eigentlich wollte sich Christian Drosten Ende Juni 2022 in der Seenplatte erholen. Doch dann wurde er plötzlich aufs Übelste beschimpft. NK-Montage
Campingplatz

Angriff auf Christian Drosten in der Seenplatte – Ermittlungen laufen noch

Mehr als ein halbes Jahr nach dem Vorfall auf einem Zeltplatz in der Seenplatte wartet die Staatsanwaltschaft auf den Bericht der Kriminalpolizei. Lange soll es nicht mehr dauern.
Neustrelitz

Nach wie vor ist unklar, wie die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg die Übergriffe von drei Campern aus Berlin gegen den deutschlandweit bekannten Virologen Christian Drosten ahndet. „Ein Zeitpunkt, zu dem voraussichtlich mit dem Abschluss des Verfahrens gerechnet werden kann, lässt sich nicht seriös prognostizieren”, sagte Oberstaatsanwältin Beatrix Heuer als Sprecherin der Behörde. Der zuständige Dezernent warte auf den Ermittlungsbericht der Kriminalpolizei, in diesem Fall der Kriminalpolizeiinspektion (KPI) Neubrandenburg.

Drei Dauercamper aus Berlin im Fokus des Staatsanwalts

Der Fall auf dem Zeltplatz am Ellbogensee bei Priepert an der Grenze zum Land Brandenburg hatte Ende Juni vergangenen Jahres bundesweit für Aufsehen gesorgt. Beschuldigt werden zwei Frauen und ein Mann im Alter zwischen 33 und 49 Jahren, die als Dauercamper regelmäßig auf dem Zeltplatz übernachten. Ende Juni 2022 trafen sie auf Drosten, der in der Seenplatte einige erholsame Urlaubstage verbringen wollte. Stattdessen wurde er auf übelste Art und Weise beschimpft, insbesondere vor dem Hintergrund seiner führenden Rolle im Zusammenhang mit den Maßnahmen gegen die Coronapandemie.

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So soll der Mediziner, der an der Berliner Charité arbeitet, unter anderem als „Massenmörder” beleidigt worden sein. Daraufhin erstattete Drosten Anzeige gegen die drei Personen. Drosten zählte neben dem SPD-Gesundheits-Experten und späteren -minister Karl-Lauterbach (SPD), dem RKI-Chef Lothar Wieler und dem damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu den Hassfiguren der Querdenker-Bewegung.

Dass sich die Ermittlungen nun schon länger als ein halbes Jahr hinziehen, liegt laut Staatsanwaltschaft an der langwierigen Auswertung der Handys der Pöbler. Sie sollen Drosten auch fotografiert haben, was möglicherweise ebenfalls als Delikt verfolgt werden müsste. Die Polizei hatte die drei Handys der Verdächtigen beschlagnahmt. Auf mindestens einem der Smartphones sei ein Bild von Drosten auf dem Zeltplatz zu sehen, hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft seinerzeit erklärt.

Derzeit ist die Kripo in Neubrandenburg am Zug

Die wichtigste Behörde zum Auslesen und Sichern der Daten von elektronischen Geräten wie Smartphones ist das Landeskriminalamt (LKA) in Mecklenburg-Vorpommern, das sich auch mit den drei Handys der Beschuldigten im Fall Drosten befasst hat. Vom LKA seien die Ergebnisse aber bereits vor einigen Wochen, noch im Jahr 2022, zurück an die KPI Neubrandenburg gegangen, sagte LKA-Sprecher Michael Schuldt.

Beatrix Heuer bestätigte am Montag, dass die LKA-Ergebnisse den Kriminalisten in Neubrandenburg vorliegen. Diese würden die Daten nun auswerten und die Inhalte sichten. „Sobald die Beweiserhebungen abgeschlossen sind, ist den Beschuldigten rechtliches Gehör einzuräumen. Sodann wird der zuständige Dezernent kurzfristig die Ermittlungen abschließen und eine Entscheidung treffen”, erklärte die Oberstaatsanwältin.

LKA hat jede Menge zu tun mit Datenträgern

Sie warb um Verständnis für die Dauer der Ermittlungen, die zumindest für einen Laien auf den ersten Blick vergleichsweise einfach zu sein scheinen. Das LKA habe sehr viel zu tun mit dem Auslesen elektronischer Datenträger, was auch Schuldt bestätigte. Deshalb müssten Prioritäten gesetzt werden, etwa, wenn es um die Ermittlungen zu Kapitalverbrechen oder Drogenkriminalität geht. „Da landet dann das Verfahren Drosten nicht unbedingt auf dem ersten Platz”, sagte Beatrix Heuer. Sie bleibt trotzdem optimistisch, was den Ausgang des Verfahrens betrifft: „Es wird jetzt nicht mehr lange dauern.”

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