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Auch Alpakas müssen regelmäßig zum Friseur gehen

VonTobias LemkeFür die alljährliche Schur ihrer Herde lassendie Strasener Züchterder Andentiere extra einen Profi aus Übersee einfliegen. Im Handumdrehen ...

Auch die Fohlen müssen ran. Marco Rebom (rechts) und Christian Mierke beruhigen das Kleine, bevor es an die Schur geht.  FOTOs: Tobias Lemke

VonTobias Lemke

Für die alljährliche Schur ihrer Herde lassen
die Strasener Züchter
der Andentiere extra einen Profi aus Übersee einfliegen. Im Handumdrehen hat er
die wertvolle Wolle
vom Tier geschoren.

Seenplatte.Ruck, zuck ist das Vlies runter. Wofür Familie Rebom an die zwanzig Minuten pro Tier brauchen würde, benötigt Mike Banks lediglich rund zwei Minuten. Der Neuseeländer ist professioneller Scherer für Schafe und Alpakas. Jetzt war er bei der Strasener Simagi Alpaka GbR beschäftigt.
„Mike ist ein Weltmeister im Scheren. Mit ihm sind wir einfach in zwei Tagen durch und sparen jede Menge Zeit“, sagt Simone Rebom vom Familienbetrieb in Strasen bei Wesenberg. Etwa 180 Tiere werden derzeit dort auf dem Weideland geschoren. Dabei stammen rund 60 Alpakas von befreundeten Züchtern, die dieser Tage allesamt bei der schweißtreibenden Arbeit auf dem Hof mit anpacken. Denn neben der Schur bekommen die Andentiere gleich ein Rundum-Paket zur Pflege. „Wir schauen uns auch die Zähne an und schneiden Klauen, die zu lang geworden sind“, erklärt Simone Rebom. Vor dem Scheren wird das Fell der Tiere zudem per Druckluft durchgepustet, um es vom gröbsten Dreck zu säubern. Dabei müssen die fleißigen Helfer schon mal damit rechnen, von den Andentieren angespuckt zu werden.
Auch für die Schur selbst braucht Mike Banks, der in den Wochen zuvor in England seine Dienste anbot, Unterstützung. So müssen die Alpakas auf den Boden gelegt werden. Die Technik wie bei Schafen, bei der die Tiere zwischen den Beinen des Scherers festgehalten werden, ist bei Alpakas wegen deren Größe schlicht nicht möglich. Übrigens lassen manche Züchter ihren Alpakas gerne auch einen Haarschnitt verpassen – „wie beim Friseur“, scherzt Simone Rebom.
Das gewonnene Vlies wird anschließend in Papiersäcke verstaut, um es zu trocknen und später weiterverarbeiten zu können. „Wir sortieren die Fasern dann nach Farbe und Qualität“, schildert Simone Rebom. Die besonders robuste aber auch feine Wolle lassen die Strasener zu Bettdecken oder Strickwolle verarbeiten und vermarkten die Produkte oder die Rohwolle in Eigenregie über ihren Hofladen. Dabei würde nur die sogenannte A-Wolle, die vom Oberkörper der Alpakas stammt, weiterverarbeitet werden. Von jedem Tier werden außerdem Faserproben für die Qualitätskontrolle und einen Gesundheitscheck in ein spezialisiertes Labor in den USA eingeschickt.
Am Ende des Tages werden Reboms circa 150Kilogramm Wolle in den Säcken haben. Die Andentiere sind aber nicht nur als Lieferant für Wolle beliebt. Christian und Christin Mierke aus Ueckermünde (Landkreis Vorpommern-Greifswald) setzen Alpakas zum Beispiel auch als Therapietiere ein. „Mein Mann war als Physiotherapeut auf der Suche nach alternativen Behandlungsmethoden. Irgendwie sind wir dann auf Alpakas gekommen“, erzählt Christin Mierke.
Dabei eignen sich nur die Hengste, die noch nicht gedeckt haben, für Therapien mit kranken Menschen. Denn die Jungtiere seien besonders entspannt und zutraulich.
Eigentlich sind Alpakas als Fluchttiere eher scheu und entfernen sich sobald Menschen sich nähern. Mit den männlichen Jungtieren hingegen können Schlaganfall-Patienten, die die Alpakas am Halfter führen, wieder laufen lernen, nennt Christin Mierke ein Beispiel.
Jürgen Henning, der seine Herde auch in Strasen scheren lässt, setzt seine Alpakas ebenfalls als Therapietiere ein. „Ich gehe mit den Alpakas sogar in Hospize und Altenheime“, erzählt der Magdeburger.

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