CORONA-KRISE

Auf dem Neustrelitzer Wohnungsmarkt herrscht Flaute

Manche können ihre Miete nicht mehr zahlen, andere wollen nicht umziehen, und Schlüsselübergaben finden durch Schleusen statt.
In Randbezirken wie Kiefernheide werden Wohnblocks bereits attraktiver gemacht. Die Folgen der Corona-Krise sind aber auch auf
In Randbezirken wie Kiefernheide werden Wohnblocks bereits attraktiver gemacht. Die Folgen der Corona-Krise sind aber auch auf dem Wohnungsmarkt in Neustrelitz spürbar. Robin Peters/Archiv
Neustrelitz.

Die Turbulenzen der Corona-Krise machen natürlich auch vor dem Wohnungsmarkt nicht Halt. Manche Mieter, die von ihrem Arbeitgeber in die Kurzarbeit geschickt wurden oder ihre Geschäfte schließen mussten, können ihre Mieten nicht mehr zahlen. Mieter, die in diesen Tagen umziehen wollten, überlegen sich jetzt dreimal, ob das unbedingt notwendig ist. Parallel sinkt die Nachfrage nach Wohnungen.

Bei der Neustrelitzer Wohnungsgesellschaft (Neuwo) sind bislang rund zehn Anträge auf Mieterleichterung eingegangen, sagt Arne Pägelow, Abteilungsleiter Wohnungswirtschaft. Zumeist seien es Mieter von Gewerberäumen, die in Zahlungsnot geraten sind. „Wenn die Mieter glaubwürdig darlegen, dass sie zurzeit nicht zahlen können, finden wir für jeden eine individuelle Lösung. Die Miete wird nicht erlassen, sondern gestundet und ist in den nächsten zwei Jahren zurückzuzahlen.“ Das Tochterunternehmen der Stadt Neustrelitz vermietet 3000 eigene Wohnungen und verwaltet 1000 Wohnungen im Auftrag der jeweiligen Eigentümer, die meisten im Stadtteil Kiefernheide. Der Löwenanteil der Mieter scheint durch die Krise bislang keine größeren finanziellen Schwierigkeiten zu haben.

So ist die Lage auch bei der Walde Hausverwaltung, die 1100 Wohnungen in Neustrelitz besitzt. „Zwei bis drei Mieter sind in Schwierigkeiten. Bei denen kann man nicht verlangen, dass sie in einem Ritt zahlen. Für sie wird die Miete gestundet – nicht aufgehoben, sondern aufgeschoben“, heißt es aus dem Unternehmen.

„Erlassen wird nichts, aber gestundet“

Bei der Modernen Wohnungsbaugenossenschaft (MWG) haben sich nach Auskunft von Vorstand Dirk Walde auch erst ein paar der 1500 Mietparteien mit Problemen gemeldet. Auch für sie würden Lösungen gefunden. „Erlassen wird nichts, aber gestundet.“ Die meisten Wohnungen der MWG befinden sich in den Stadtteilen Kiefernheide und Rudow.

Kleinere Vermieter wie Daniela Spanka mit 50 Wohnungen rechnen auch jederzeit mit Anfragen ihrer Mieter. „Wir werden Lösungen finden. Ganz wichtig ist aber, dass die Betriebs- und Nebenkosten weiter gezahlt werden, weil wir diese Gelder an die Versorger überweisen müssen.“

Die Lust am Umziehen ist den meisten Neustrelitzern offenbar vergangen. Schließlich werden zum Möbeltransport meistens mehrere Helfer benötigt – sehr riskant, weil jeder der Beteiligten das Virus haben könnte, ohne es zu wissen. „Umzüge sind stark zurückgegangen, die Nachfrage stark gesunken. Wir sind uns aber sicher, dass sie auch wieder steigen wird“, sagt MWG-Chef Dirk Walde. Bei der Neuwo ist es nach Auskunft von Arne Pägelow „sehr ruhig geworden. Wir hatten in den vergangenen 14 Tagen keine Kündigungen und keine Neuvermietungen. Einige, die jetzt eigentlich umziehen wollten, ziehen ihre Kündigungen zurück“.

Reparaturen nur im absoluten Ernstfall

Ob beim Umgang mit den Mietern oder bei Kontakten mit den Kollegen – bei allen Neustrelitzer Wohnungsunternehmen hat Sicherheit oberste Priorität. „Wir passen so gut wie möglich auf unsere Mieter und auf uns auf. Sicherheitsregeln und Kontaktverbot werden strengstens eingehalten“, sagt Dirk Walde. Im Gebäude der MWG-Verwaltung in der Augustastraße sei eine „Schleusenlösung“ eingerichtet worden. „Schlüssel können in eine Schleuse gelegt werden. Interessenten geben ihren Ausweis ab, bekommen dann den Schlüssel und können die Wohnung allein besichtigen. Es muss ja weitergehen. Aus Sicherheitsgründen können aber nur leer stehende Wohnungen besichtigt werden“, erklärt Dirk Walde.

Reparatur- und Wartungsarbeiten werden zurzeit nur dann in Angriff genommen, wenn die Sache keinen Aufschub duldet. „Kleinstreparaturen wie Silikonfugen nachziehen, Fenster oder Türen einstellen werden nicht durchgeführt. Havarien, kaputte Heizungen, Wasserrohrbrüche, Rohrverstopfungen oder Stromausfälle werden aber natürlich repariert“, informiert die Walde-Hausverwaltung.

Telefonische Sprechzeiten

Sprechzeiten bieten große Vermieter der Residenzstadt während der Coronapandemie nur noch telefonisch an. „Aus aktuellem Anlass werden die Mietersprechzeiten bis auf Weiteres ausgesetzt. Telefonisch und per E-Mail sind wir selbstverständlich weiterhin erreichbar“, teilt die Walde-Hausverwaltung auf ihrer Internetseite mit. „Aufgrund der aktuellen Lage und zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes mit gesunden Mitarbeitern bleibt unsere Geschäftsstelle für den allgemeinen Besucherverkehr geschlossen“, teilt die Neuwo ihren Kunden mit. Neben Telefonaten oder E-Mails seien in dringenden Fällen nach Absprache auch persönliche Gespräche möglich.

 

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