Corona-Pandemie

Auf der Suche nach dem „Geheimrezept” für Intensivpflege

Ein „Qualifikationsmix” soll in Berlin dem Personalmangel in der Corona-Pandemie abhelfen. In der Seenplatte wird die Idee zurückhaltend aufgenommen.
Gerade auf den Intensivstationen mangelt es in Zeiten zunehmender Corona-Infektionen an Pflegekräften.
Gerade auf den Intensivstationen mangelt es in Zeiten zunehmender Corona-Infektionen an Pflegekräften. Marijan Murat
Seenplatte

Pflegenotstand allenthalben: Unaufhaltsam steigende Infektionszahlen bringen die Krankenhäuser an den Rand des Machbaren. Sorgen bereitet meist nicht nur die Zahl der Intensivbetten, sondern vor allem der Personalmangel auf den Stationen. Ein Rezept dagegen wäre mehr als willkommen.

Patientenmanager und ehemalige Hotelangestellte im Einsatz

Da lässt aufhorchen, wenn der Leiter der Intensivpflege am Benjamin-Franklin-Klinikum der Berliner Charité eines verrät: Vom „Qualifikationsmix” spricht Enrico Schlunk in einem Beitrag der Bild-Zeitung. Dass auch auf seiner Station ein Drittel der Pflege-Stellen unbesetzt sei, werde dem 45-Jährigen zufolge kompensiert, indem die Pflegekräfte fast nur noch grundlegende Aufgaben der medizinischen Pflege übernähmen. Ums Bettenmachen könnten sich in Zeiten heruntergefahrener Tourismusbetriebe von einstigen Hotelangestellten kümmern, Patientenmanager um organisatorische Aufgaben wie etwa die Verlegung, Atemtherapeuten um die Wiedergewöhnung an eigenständiges Atmen.

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Müritzklinikum: Nicht vergleichbar

In den Krankenhäusern der Seenplatte wird diese Strategie interessiert, jedoch zurückhaltend aufgenommen. „Größenmäßig kann man das nicht vergleichen”, heißt es aus dem Mediclin-Müritzklinikum. Die dortige Intensivstation sei so klein, dass man "über arbeitsteilige Prozesse, wie dort beschrieben, nur sehr begrenzt nachdenken” könne.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Zuwachs an intensivpflichtigen Covid-Patienten im Warener Klinikum den Notfallplan ausgelöst: Können normalerweise neben anderen Intensiv-Patienten bis zu zwei Corona-Kranke auf der Station behandelt werden, bedurften vor einer Woche gleich vier Menschen dieser Betreuung. Umgehend war daher die Station den schweren Corona-Fällen vorbehalten; für Nicht-Covid-Patienten wurde eine zweite ITS eröffnet.

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„Tandempfleger” in Neubrandenburg im Einsatz

„Auch auf unseren Intensivstationen ist die Personallage angespannt, sowohl im ärztlichen als auch im pflegerischen Bereich”, bestätigt das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Dort versucht man, zusätzliches Personal für die Isolierbereiche zu gewinnen, indem verschiebbare Leistungen in anderen Bereichen eingeschränkt werden. Dabei handle es sich nicht immer um Pflegekräfte mit spezieller intensivpflegerischer Ausbildung, sie könnten aber als sogenannte „Tandempfleger“ mit speziell ausgebildeten Intensivpflegekräften zusammenarbeiten, heißt es aus dem Klinikum. Helfer aus artfremden Berufen seien „aktuell nicht angedacht”.

Planbare Operationen werden verschoben

Dem stehe, wie das Warener Klinikum verdeutlicht, auch die Position der Krankenkassen entgegen: Es gebe „unterschiedliche Ansichten”, wie mit „unterstützenden Berufsgruppen” in der Refinanzierung und der Anrechnung bei den Pflegeuntergrenzen umzugehen sei. In der Intensivmedizin ist tagsüber für je zwei, nachts für je drei Patienten eine Pflegekraft vorgeschrieben. „Eine hohe Fachkräftequote ist Teil der Strukturvoraussetzungen, um überhaupt komplexe Patienten intensivmedizinisch versorgen zu können und dabei sind Pflegekräfte mit einer Fachweiterbildung in Intensiv- und Anästhesiepflege gemeint”, stellt Mediclin klar.

Um ausreichend Personal für die Covid-Bereiche zu sichern, werden in allen Krankenhäusern der Seenplatte derzeit planbare Operationen verschoben; am Kreiskrankenhaus Demmin werden ab Donnerstag (25. November) nur noch Notfälle mit "äußerster medizinischer Dringlichkeit” aufgenommen und operiert. Derzeit gebe es „keine Alternative, die Patientenversorgung sicher zu stellen”.

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