NATURSCHUTZ

Auf der Suche nach der Mopsfledermaus

In Mecklenburgs Wäldern versteckt sich ein besonderes Säugetier. Kaum jemand kennt es, denn es ist äußerst selten und vom Aussterben bedroht. Jetzt wollen Forscher mehr erfahren.
Mopsfledermäuse nutzen Verstecke hinter der Baumrinde als Quartier.
Mopsfledermäuse nutzen Verstecke hinter der Baumrinde als Quartier. Christian Giese
Hier fühlt sich die Mopsfledermaus zu Hause. In einem ehemaligen Munitionslager bei Neustrelitz wurden mehrere Quartiere
Hier fühlt sich die Mopsfledermaus zu Hause. In einem ehemaligen Munitionslager bei Neustrelitz wurden mehrere Quartiere für die vom Aussterben bedrohte Art eingerichtet. NK-Archiv/M.Steffen
Neustrelitz.

Die Mopsfledermaus gehört zu den letzten ihrer Art. Sie sieht aus wie ein kleiner Außerirdischer. Stupsnase wie ein Mops, Ohren wie ein Elefant, Flügel wie ein Flugsaurier und Körper wie eine Maus: Wer dieses ulkige Wesen schon mal gesehen hat, kann sich glücklich schätzen.

Die Mopsfledermaus gehört zu den seltensten aller Fledermausarten. Wenig ist über sie bekannt. Um das zu ändern, startet im Mai in acht Bundesländern die Feldforschung für ein deutschlandweites Projekt rund um die besonders geschützte Mopsfledermaus.

Mecklenburg-Vorpommern macht mit. Wenige Exemplare der „Fledermaus des Jahres 2020“ sind nämlich auch in den Wäldern der Mecklenburgischen Seenplatte, in Vorpommern-Greifswald, in der Mecklenburgischen Schweiz und auch im Rostocker Umland zu Hause.

In Fürstensee bei Neustrelitz wurden vor Jahren acht alte Munitionslager zu Fledermausquartieren umgebaut. Eine 170 Hektar große Waldfläche in dem Bereich ist Teil des Forschungsprojekts. Der alte Kiefernwald mit stellenweise Mischwald und Lichtungen bietet der Mopsfledermaus und ihren Verwandten offenbar ein gutes Zuhause.

Akrobatin der Lüfte sucht sich ihr Sommerquartier

„Zehn Arten wurden bereits auf der Fläche nachgewiesen“, heißt es von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die das Areal verwaltet. Nach dem Ende der Winterruhe sucht sich die Mopsfledermaus nun ihr Sommerquartier.

Besonders liebt sie Risse in alten Stämmen, Baumspalten und Bäume mit abstehender Rinde. Das war‘s aber auch schon fast mit dem Wissen über die Akrobatin der Lüfte. Über ihr Vorkommen und darüber, wie die Tiere ihren Lebensraum nutzen, soll das Verbundprojekt „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus in Deutschland“ Klarheit bringen. Neben Mecklenburg-Vorpommern machen auch Brandenburg, Hessen und Bayern mit.

„Aufgrund der hervorragenden Bedingungen in den Quartieren bei Neustrelitz fühlen sich die Mopsfledermäuse hier ausgesprochen wohl“, sagt Lothar Schmid, Leiter der Abteilung Naturschutz des Bundesforstes. Durch die Forschung soll nun das Wissen über die Verbreitung der Mopsfledermaus in den Wäldern Deutschlands vertieft und praktische Schutzmaßnahmen erprobt werden. Gelingen soll das durch den Einsatz von Technik.

Verbundprojekt soll sechs Jahre lang laufen

Ruferfassungsgeräte, sogenannten Mini-Batcorder, werden in den Bäumen installiert. „Wenn eine Mopsfledermaus zwischen Baumwipfeln und an Waldrändern Nachtfalter jagt und dabei ihren unverkennbaren Ortungslaut ausstößt, zeichnen ihn diese Geräte auf.

Gelingt der Nachweis der seltenen Art in einem Gebiet, werden anschließend einzelne Tiere mit Netzen gefangen und mit Sendern versehen“, erklärt Lothar Schmid. Damit lassen sich die Lieblingsschlafplätze der Mopsfledermäuse aufspüren. Auch über ihr Jagdverhalten erhoffen sich die Wissenschaftler Erkenntnisse. Danach sollen ihre Lebensräume optimiert und vernetzt werden.

Neben den ausgewählten Flächen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben suchen die Naturschützer auch in weiteren Gebieten in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen nach der Mopsfledermaus. Sechs Jahre sind für das Verbundprojekt angesetzt. Beteiligt sind auch die Stiftung „David”, die Stiftung „Fledermaus”, der Naturschutzbund Deutschland und die Universität Greifswald.

Mopsfledermaus überlebte nur in wenigen Gebieten

Ursprünglich war die Mopsfledermaus in Mecklenburg und Vorpommern häufig anzutreffen, denn Deutschlands naturnahe Wälder gehörten zu ihren Verbreitungsschwerpunkten in Europa.

„In den 1950er- bis 1970er-Jahren führte eine Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft zu dramatischen Bestandseinbrüchen. Pestizide reduzierten das Nahrungsangebot für das hoch spezialisierte Säugetier erheblich. Vielerorts wurden Alt- und Totholz in Wäldern beseitigt und die Landschaft mehr und mehr durch Straßen zerschnitten. Die anspruchsvolle Fledermausart überlebte in Deutschland und Westeuropa nur in wenigen Gebieten“, erklärt Thorsten Grützner.

Deutschland müsse seiner Verantwortung für den Erhalt der Art gerecht werden. Dazu müsse wieder mehr Natur in den Wäldern zugelassen werden. Bund und Länder teilen sich die Finanzierung des knapp 5,5 Millionen Euro teuren Vorhabens.

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