Ein Trau-Ort weniger
Auf Schloss Rattey wird nicht mehr geheiratet

Schloss Rattey bot ein besonderes Ambiente für Ja-Sager: Doch damit ist es jetzt vorbei.
Schloss Rattey bot ein besonderes Ambiente für Ja-Sager: Doch damit ist es jetzt vorbei.
Robin Peters

Mit einer großen Feier hat sich Angelika Möller auf dem Schloss Rattey als Standesbeamtin verabschiedet. Mit ihrem Abschied erlebt das Anwesen vorerst eine seiner letzten Partys.

Die langjährige Standesbeamtin Angelika Möller hat sich auf Schloss Rattey mit einer bunten Feier in den Ruhestand verabschiedet. Im Januar des neuen Jahres wird sie nur noch ihre Nachfolgerin einarbeiten. Damit verliert der Nordosten nun einen der schönsten Trauorte. Denn das Schloss wird mit ihrem Abschied nicht länger als Außenstelle des Standesamtes Woldegk zur Verfügung stehen. „Wir möchten uns nun als Hochzeitsschloss von der großen Bühne verabschieden“, sagt Hoteldirektor Hardy Eitner.

Einen Tag zu spät zur Trauung

Rund 750 Ehen habe Möller allein auf Schloss Rattey geschlossen. Hervorheben mag die langjährige Standesbeamtin kein bestimmtes Paar: „Jede Trauung war besonders“, sagt Möller. Eine kuriose Geschichte weiß Möller dennoch zu erzählen: Ein Paar sei laut Möller erst einen Tag nach dem Termin der Eheschließung auf dem Schloss erschienen, weil es sich auf dem Land verfahren habe.

Von Berufs wegen Paare glücklich gemacht

„Die Arbeit hat mein Leben bestimmt“, weiß Möller zu berichten. Ihre Familie habe oft auf sie verzichten müssen. Denn viele Hochzeiten hätten am Wochenende stattgefunden. Trotzdem sei Möller ihrer Aufgabe immer mit Begeisterung nachgegangen. Schließlich habe die Standesbeamtin von Berufs wegen andere Menschen glücklich gemacht. Und: „Die Schlossatmosphäre werde ich wohl vermissen“, sagt Möller.

Bei einem reichen Büfett, Sekt und einer Foto-Schau auf der Leinwand von den alten Kollegen entwickelt sich das Abschiedsfest zu einem regen Austausch von Erinnerungen. „Mir sind nicht nur einmal die Tränen gekommen bei ihrer Art, die Paare aneinanderzuketten“, scherzt Eitner auf der Abschiedsfeier.

Ambiente für Ja-Sager

Der Hoteldirektor ist überzeugt, dass es ohne Möllers harmonische Ausstrahlung nicht so viele Hochzeiten auf dem Schloss gegeben hätte. Eitner habe die prunkvollen Hochzeiten mit den Verliebten mitunter ein Jahr lang geplant. „Ich bin kein Zauberer. Bei jedem Paar und deren Eltern habe ich ein ehrliches Angebot unterbreitet und die groben Vorstellungen umgesetzt.“

Immerhin: 18 Jahre bot das prachtvolle Schloss in Rattey glücklichen Paaren ein passendes Ambiente für das Ja-Wort. 2019 werde es laut Eitner dagegen zunächst keine Feiern mehr geben. „Wir sind auf der Suche nach einem Nachfolger für dieses Haus“, sagt Miteigentümer von Schloss Rattey, Karsten Förster. Im Schloss würden große Veranstaltungen nun heruntergefahren – weil sie sich nicht mehr verbindlich einplanen ließen. Das Weingeschäft bleibe allerdings bestehen. Im Gegenteil: „In diesem Jahr haben wir eine Rekordernte gehabt“, sagt Förster. Das Gut habe Wein für etwa 30 000 Flaschen produziert.