Preisverleihung und Ehrung

Ausstellung eröffnet das Daniel-Sanders-Jahr in Neustrelitz

Der Sprachforscher Daniel Sanders wurde vor 200 Jahren geboren. Um ihn zu ehren, reiste extra ein Gast aus London an. Auch ein Sprachpreis wurde vergeben.
Anke Goetsch Anke Goetsch
Der ehemalige Landesrabbiner William Wolff war am Sonnabend in Neustrelitz Gast der Ausstellungseröffnung zum Werk von Daniel Sanders.
Der ehemalige Landesrabbiner William Wolff war am Sonnabend in Neustrelitz Gast der Ausstellungseröffnung zum Werk von Daniel Sanders. Marlies Steffen
Till Moritz Rothe, Marvin Wils, Augustus Frick (v. l.) sind die Preis-träger des Daniel-Sanders-Sprachpreises der Stadt.
Till Moritz Rothe, Marvin Wils, Augustus Frick (v. l.) sind die Preis-träger des Daniel-Sanders-Sprachpreises der Stadt. Anke Goetsch
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Neustrelitz.

Großer Bahnhof für den großen Strelitzer Sprachforscher und Lexikografen Daniel Sanders (1819-1897): Zur Eröffnung der ersten monografischen Ausstellung „Sanders 200“ im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz reiste der ehemalige Landesrabbiner William Wolff extra aus London an. Dies nicht zuletzt, um mit Interessierten über Sanders und das jüdische Leben in Strelitzer Landen im Gespräch zu sein. Mit Sanders verbinde sich für ihn ein wichtiges Stück deutscher und jüdischer Kultur. „Meine Eltern besaßen zu Hause noch die Wörterbücher von Sanders“, so Wolff.

Zu den Ehrengästen gehörte auch Peter Fischer als Vertreter des Zentralrats der Juden in Deutschland und Professorin Ulrike Haß, die mit ihrer Arbeit in den 1990er Jahren den Grundstein für die neuere Sanders-Forschung gelegt hat. Der junge Germanist Sebastian Göttel von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der sich intensiv mit dem Briefwechsel von Sanders beschäftigt, hat die Schau wissenschaftlich begleitet. In seiner Einführung bei der Eröffnung würdigte er den Strelitzer Gelehrten als „bienenfleißigen“, facettenreichen Menschen, als einen freiheitlichen Geist.

Daniel-Sanders-Preis für drei Schüler

Sein dreibändiges „Wörterbuch der deutschen Sprache“ machte ihn im 19. Jahrhundert berühmt. Er beschäftigte sich mit der neugriechischen Sprache, genauso lag ihm die plattdeutsche Mundart am Herzen. Er beschäftigte sich mit jüdischer und deutscher Geschichte. Sanders war Lehrer und Kinderfreund, seine Jüdische Freischule war anerkannt. Er war ein Verfechter von Demokratie und staatsbürgerlichen Rechten. Neben der Arbeit an seinen Wörterbüchern machte er sich stark für eine einheitliche Orthografie im deutschsprachigen Raum. In der Ausstellung bekommen die Besucher einen Überblick über all das.

Bereits am Freitagabend wurde im Kulturquartier der Daniel-Sanders-Sprachpreis für Schüler vergeben. Für den Preis, der zum 20. Mal von der Stadt ausgelobt wurde und mit 500 Euro dotiert ist, waren 16 Sachtexte von Schülern aus den Klassen 6- 12 eingereicht worden.

Die Preisträger sind Augustus Frick von der Regionalen Schule Blankensee, Till Moritz Rothe vom Gymnasium Carolinum und Marvin Wils, ebenfalls vom Carolinum. Professorin Ulrike Haß, die 1999 den Sprachpreis mit auf den Weg gebracht hatte, lobte in ihrer Festrede die originellen Ideen und die Sprachgewalt der eingereichten Arbeiten. „Wäre Daniel Sanders ein unsichtbarer Gast in der Jury, er wäre hoffnungsfroh“, sagte sie.