BERUFSWETTBEWERB

Azubis gärtnern um die Wette

In Neustrelitz fand der Erstentscheid beim Berufswettbewerb der Junggärtner statt. Wer beim Wettstreit abräumen will, muss neben Fachwissen auch ein gutes Augenmaß an den Tag legen.
Tobias Lemke Tobias Lemke
Aus dem Stegreif gar nicht so einfach. Kassandra Eißrich, Janine Kansy und Eric Brenke (von links) sollen den Umfang einer Baumscheibe schätzen.
Aus dem Stegreif gar nicht so einfach. Kassandra Eißrich, Janine Kansy und Eric Brenke (von links) sollen den Umfang einer Baumscheibe schätzen. Tobias Lemke
Neustrelitz.

Mit dem Wettbewerb kommt auch der Ehrgeiz. „Wäre schon toll, wenn wir weiterkommen“, sagt Eric Brenke. An der Beruflichen Schule in Neustrelitz und in seinem Ausbildungsbetrieb erlernt er derzeit den Beruf des Gärtners mit dem Schwerpunkt Zierpflanzenbau. Gemeinsam mit zwei Mitschülerinnen hat er am Dienstag ein Team beim Berufswettbewerb der Junggärtner gestellt. Der Wettstreit wird alle zwei Jahre ausgetragen.

Insgesamt 21 Schüler, aufgeteilt auf sieben Teams, stellten sich den Aufgaben im Erstentscheid auf Landesebene, der in diesem Jahr in Neustrelitz stattfand. Die besten Mannschaften können sich für den Nordentscheid in Nienburg in Niedersachsen qualifizieren. Dort wiederum geht es um ein Ticket zum 31. Bundeswettbewerb, der auf der Bundesgartenschau in Heilbronn ausgetragen wird. Die Bewertung erfolgt dabei in einem zweistufigen Verfahren. Ein Mal für Mannschaften, die sich aus Auszubildenden des ersten und zweiten Lehrjahrs zusammensetzen und des Weiteren für die aus dem dritten Lehrjahr.

Gemüse in der Box

Mit zweitplatzierten Teams sei die Berufliche Schule aus Neustrelitz vor zwei Jahren beim Nordentscheid übrigens durchaus erfolgreich vertreten gewesen, berichtet Heike Anschütz. Die Berufsschullehrerin für Gartenbau gehört zum Organisationsteam des Landes-Wettbewerbs.

An acht verschiedenen Stationen mussten die Schüler am Dienstag ihr Können und Wissen unter Beweis stellen. So galt es, beim „Lagergemüse“ etwa die richtige Frucht in einer Box zu erfühlen. Die Kisten waren so präpariert, dass die Schüler hineingreifen, aber nicht den Inhalt sehen konnten. Drinnen lagen Zwiebel, Rote Beete, Möhre, Rosenkohl, Knollensellerie und anderes Gemüse.

An einer weiteren Station ging es ums Messen und Schätzen. Wie viele Kartoffeln müssen in einen Sack, damit er 3,2 Kilo wiegt? Wie groß ist der Umfang einer Baumscheibe? Wie viele Äpfel braucht man für fünf Liter Most? Die Lehrlinge sollen das richtige Gefühl für Größen, Mengen und Gewichte bekommen. Gut, wer da zuvor seinen Finger ausgemessen hat und diesen als Referenz fürs Längenmaß heranziehen kann. Denn andere Hilfsmittel sind an der Station ausgeschlossen. „Am Ende des Tages müssen Gärtner natürlich auch rechnen können. Es geht bei der Übung aber darum, auch ein gesundes Augenmaß zu entwickeln“, erklärt einer der Juroren, die die Schüler an jeder Station bewerten.

Früher mehrzügige Klassen, heute nur eine

Pflanzenschutz, Arbeitssicherheit, Friedhofsgestaltung oder Stadtgärten waren weitere Themen im Wettbewerb. An der Station „Entsteint euch!“ bewies der Berufswettbewerb der Junggärtner, dass er auch auf aktuelle und strittige Entwicklungen im Gartenbau eingeht. An der Station sollten sich die Lehrlinge mit dem Für und Wider des übermäßigen Einsatzes von Steinen als Gestaltungsmittel auseinandersetzen.

Neben der Beruflichen Schule in Neustrelitz werden im Land lediglich noch in Güstrow Gärtner in den drei Fachrichtungen Garten- und Landschaftsbau, Zierpflanzenbau und Gemüsebau ausgebildet. Waren die Berufsschulklassen der Gärtner früher mehrzügig, so gibt es an beiden Standorten etwa im 1. Lehrjahr aktuell jeweils nur eine Klasse.

Nur 44 Junggärtner beginnen ihre Ausbildung

Insgesamt haben im Land zuletzt nur 44 Junggärtner eine Ausbildung begonnen. „Das ist sehr wenig“, sagt Heike Anschütz. Bildeten die Betriebe früher ganze Lehrlingsgruppen aus, so seien es heute maximal zwei, drei Auszubildende. „Die Firmen haben einfach Probleme, geeignete Bewerber zu finden. Doch das ist ein Problem, das sich durch viele Branchen zieht“, sagt Anschütz.

zur Homepage