Kampf für Tempolimit
Behinderter Junge kommt in Adamsdorf kaum über die Straße

In Adamsdorf setzen sich Bürger für eine Geschwindigkeitsbegrenzung ein. Denn für die Kinder ist die Straßenquerung gefährlich, vor allem für den gehbehinderten Tom.
In Adamsdorf setzen sich Bürger für eine Geschwindigkeitsbegrenzung ein. Denn für die Kinder ist die Straßenquerung gefährlich, vor allem für den gehbehinderten Tom.
Ramona Pegelow

Die Adamsdorfer starten erneut einen Versuch, um rasante Autofahrer zu bremsen – den Kindern zuliebe. Vor allem ein Junge kämpft sich mühsam durch das Dorf.

Familie Pegelow wohnt gern in Adamsdorf. Vor sieben Jahren sind Björn und Ramona Pegelow mit ihren beiden Söhnen Ben und Tom in das Dorf gezogen. Der Ruhe wegen und weil die Kinder hier sicherer unterwegs sein können. Ihr ältester Sohn Tom ist von Geburt an gehbehindert. Er bewegt sich im Rollstuhl von A nach B. „Jetzt lernt er, auf Unterarmstützen zu laufen, fällt aber noch regelmäßig hin“, sagt Ramona Pegelow. Sie ist stolz darauf, dass der 11-Jährige immer selbständiger wird. Umso ärgerlicher sei es, dass es Tom unnütz schwer gemacht wird, von seiner mühsam erlernten Bewegungsfreiheit Gebrauch zu machen.

„Wir wohnen am Ortseingang von Adamsdorf. Im gesamten Dorf ist die Geschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde begrenzt, nur am Ortseingang nicht“, sagt Björn Pegelow. Seit die Kreisstraße ausgebaut wurde, kommen die Autos aus Richtung Kratzeburg mit hoher Geschwindigkeit in den Ort gefahren. Weil Tom nicht wie andere Kinder seines Alters zügig die Straße überqueren kann, schwebe er andauernd in Gefahr, von einem Auto erfasst zu werden. „Wenn er nach der Schule nachmittags zum Spielplatz will, der sich auf der anderen Straßenseite befindet, braucht er immer Begleitung“, sagt der Vater. Das wäre nicht nötig, wenn auch hier die Geschwindigkeitsbegrenzung gelten würde, ist er überzeugt.

Schon zwei Versuche wurden abgelehnt

Mehrmals hat die Familie schon Anlauf genommen, um eine solche Regulierung herbeizuführen. In der Gemeinde und insbesondere bei den Leuten in Adamsdorf stößt ihr Anliegen auf vollstes Verständnis. Erst kürzlich hat die Gemeindevertretung einstimmig beschlossen, die Geschwindigkeitsbegrenzung auch für diesen Teil der Ortsdurchfahrt zu beantragen. „Das ist nicht das erste Mal“, sagt Markus Vonhoff. Schon zweimal habe die Untere Verkehrsbehörde das Ansinnen abgelehnt.

Dem dritten Versuch wollten die Adamsdorfer ein wenig Nachdruck verleihen und stellten demonstrativ ein Warnschild an dem besagten Straßenabschnitt auf. „Es geht ja nicht nur um Tom, sondern auch um andere Kinder im Dorf, die sicher über die Straße kommen sollen“, sagt Björn Pegelow. Bisher lehnte die Verkehrsbehörde den Antrag stets ab, weil auf Kreisstraßen keine besonderen Geschwindigkeitsbegrenzungen errichtet werden dürfen. „An unübersichtliche Kurven ist es zulässig“, erinnert sich Arnold Krüger, Chef im Amt Neustrelitz Land, an die bisherigen abschlägigen Antwortschreiben.

Klein beigeben wollen die Adamsdorfer diesmal jedoch nicht. „Als nächstes wollen wir eine Unterschriftensammlung organisieren“, sagt Björn Pegelow.