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Beide Daumen hoch: Hodul-Elf ist die Nummer 1 im MV-Fußball

VonAndré Gross4500 Zuschauer haben im Neustrelitzer Parkstadion einen Abend erlebt, den sie in jederlei Hinsicht so schnell nicht vergessen ...

VonAndré Gross

4500 Zuschauer haben im Neustrelitzer Parkstadion einen Abend erlebt, den sie in jederlei Hinsicht so schnell nicht vergessen werden.

Neustrelitz.3:0 – gibt es noch Fragen? Ein biergeduschter Hauke Runge sieht sich am Ziel seiner Wünsche. „Für heute und mindestens noch einen Tag sind wir die Fußballmacht in Mecklenburg-Vorpommern“, sagte wenige Minuten nach Abpfiff des Landerspokalfinales im Neustrelitzer Parkstadion der TSG-Präsident dem Nordkurier. Ein 2:0 hatte er getippt.
Die Hansa-Kogge aus Rostock war mit Mann und Maus untergegangen. Und Runge hatte einen Sprint von der Tribüne an den Spielfeldrand hinter sich, nachdem Chaoten das Spielfeld gestürmt und die eigenen Küsten-Kicker attackiert hatten. „Ich wollte mit den Verantwortlichen reden und auf keinen Fall, dass die Partie abgebrochen wird. Den Pokal wollten wir sportlich gewinnen. Außerdem dachte ich, dass es gut sei, unsere eigenen Fans zu beschwichtigen.“ Die hatten friedlich das skandiert, was die Hodul-Elf 90 Minten lang auf dem Rasen umgesetzt hatte: „Hier regiert die TSG!“ Kritik gab es an der Deeskalationsstrategie der Polizei. Die hätte von vornherein vor dem Hansa-Block aufmarschieren und sich nicht am Rand des benachbarten Harbigstadions aufhalten sollen, so die Meinung vieler entsetzter Fußballfreunde.
Im Siegestaumel zu Klängen wie „An Tagen wie diesen“, „The final Countdown“ oder „We are the Champions“ verblassten die hässlichen Bilder. Es wird aber sicherlich einige Zeit dauern, ehe sie gelöscht sind.

Der Landrat plant
noch eine Nachfeier
Landrat Heiko Kärger (CDU), der sich beim 1:0 mit „meinem schlichten Fußballverstand“ geoutet hatte, will die TSG-Mannen als Botschafter der Seenplatte noch einmal separat feiern. „Ich kann den Spielern nur gratulieren, einfach toll“, so der Verwaltungschef, während ihm der Sponsor und Wesenberger Bauunternehmer Thomas Splett ein begeistertes „Heiko, das sind wir“ ins Ohr schrie. Kärger war zuvor scherzhaft die für viele fragwürdige Leistung des Deminer Schiedsrichters angelastet worden. „Der kommt aus deinem Landkreis“, wurde der Verwaltungschef angemacht.
Hauke Runge sah die Sache mit dem Unparteiischen am Ende pragmatisch: „Zumindest brauchen wir uns nicht vorwerfen zu lassen, dass der Schiri für uns war.“ Unklar blieb im Präsidium der TSG, warum der Landesfußballverband bei einem MV-Pokalfinale einen Schiedsrichter aus dem Bundesland verpflichtet hat. Die Männer an den Linien verdienten sich hingegen laut Vereinsführung gute Noten.

Kulturaktivist sieht
noch viel Potenzial
Mit dem Neustrelitzer André Goebel war ein TSG-Anhänger beim Spiel dabei, den viele Residenzstädter als Kulturaktivisten des örtlichen Fallada-Klubs kennen. „Das war grandios, der Mannschaftsgeist ist enorm und es wäre toll, wenn die Truppe noch eine Saison zusammenbleibt. Die kann noch so viel vor sich haben.“ Und das Hodul-Team könnte wirklich zum Aushängeschild der Mecklenburgischen Seenplatte werden. Sport könne das leisten. Über die Regionalliga-Mannschaft der kommenden Saison halten sich die TSG-Oberen naturgemäß noch bedeckt. Dem Präsidenten war nur zu entlocken, dass die Abwehr stehe und sich etliche Spieler mit Einjahresvertrag um Verlängerung bemühen.
Regelrecht ergriffen nach dem 3:0 war Johannes Preuß, Möbelhändler und langjähriges TSG-Präsidiumsmitglied. „Ich bin einfach nur glücklich“, sagte er, um Fassung ringend. Wesentlich abgeklärter TSG-Vorständler
Klaus Mewes: „Beide Daumen hoch, Hansa hatte nicht eine echte Chance.“ Vizepräsident Jörg Ullbrich hatte nach dem 1:0 gesagt, „von mir aus können sie abpfeifen“. Ob seine Prognose „das ist nicht der Endstand“ weiteren TSG-Treffern oder Hansa-Toren galt, war im Trubel der Siegesfeier nicht mehr zu klären. Zuvor hatte ihm seine Frau Alexandra im Überschwang der Gefühle die Tröte entrissen, um dem Finale eine eigene Note zu geben.
Hauke Runge hat den Erfolg des Teams für sich mit einer Zigarre nach Monaten der Nikotinabstinenz besiegelt. Von Caterer Olaf Töllner war ohne genaue Literzahlen zu erfahren, dass noch nie so viel Bier im Parkstadion geflossen ist.

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andregross@nordkurier.de