EINREISEVERBOT WEGEN CORONAVIRUS

Berlinerin wehrt sich gegen MV-Rausschmiss

Dorle Döpping wohnt zeitweise in Berlin, fühlt sich aber als Mecklenburgerin. Weil sie jetzt nicht ins Land darf, wandte sie sich direkt an MV-Innenminister Caffier.
Dorle Döpping und Michael Behn wollten eigentlich Zeit zusammen in der Seenplatte verbringen – wie hier im Neustrel
Dorle Döpping und Michael Behn wollten eigentlich Zeit zusammen in der Seenplatte verbringen – wie hier im Neustrelitzer Schlossgarten. Privat
Prälank.

Seit nunmehr sechs Jahren verbringt Dorle Döpping ihre meiste Zeit im malerischen Prälank in der Mecklenburgischen Seenplatte. Nach einer ärztlichen Behandlung in der Hauptstadt durfte die Berlinerin aber plötzlich nicht mehr zurück in ihre zweite Heimat nahe Neustrelitz. Denn hier hat sie nur ihren Zweitwohnsitz. Eine Rückkehr wurde ihr im Rahmen der Schutzmaßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus von der Polizei untersagt.

Mehr lesen: Osterausflüge in MV wegen Coronavirus verboten

Dabei betrachtet sich die Rentnerin selbst längst als Bürgerin des Landes. Verzweifelt wandte sich die 71-Jährige daher mit einem offenen Brief an Innenminister Lorenz Caffier (CDU) höchstpersönlich: „Mit einiger Bestürzung musste ich feststellen, dass Sie anlässlich der Ausbreitung der Covid-19-Pandemie Menschen wie mir die Einreise nach Mecklenburg-Vorpommern verbieten und androhen, eine Zuwiderhandlung als Straftat zu ahnden“, schrieb Dorle Döpping in einer E-Mail. Der Rentnerin ist zwar klar, dass der Minister nur die Bewohner des Landes schützen will. Doch: „Ihr radikales Vorgehen in diesem Zusammenhang erscheint mir undifferenziert und letztlich falsch“, so Dorle Döpping weiter.

Mehr lesen: Eine Jogging-Runde durch die Stille der Geisterstadt Berlin

Die Wahl-Mecklenburgerin gehört mit ihren 71 Jahren nämlich zu einer Risikogruppe, lebt in Berlin in einem Mietshaus in einer Straße mit Hunderten von Menschen. „Das Infektionsrisiko ist hier, selbst unter Beachtung aller Vorsichtsmaßnahmen, offensichtlich ungleich viel höher.“ Denn in ganz Prälank würden nur etwa 20 Leute leben. „Während sich in Prälank-Dorf meine sozialen Kontakte völlig überschaubar gestalten – die ich auch völlig reduzieren und mich dennoch gesundheitsfördernd draußen bewegen kann –, bin ich hier in Berlin zwangsläufig vielen Menschen ausgesetzt und diese auch mir.“

Minister antwortet noch am selben Tag

Wie ihr ergehe es vielen anderen: „Durch Ihren Beschluss tragen Sie dazu bei, dass sich solche Menschen unnötig gefährden müssen, beziehungsweise zu Gefährdenden werden.“ Dorle Döpping ist derweil überzeugt, dass die Verbreitung der Pandemie sogar verlangsamt werden kann, wenn sich Menschen auf bevölkerungsärmeren Landstrichen verteilen. „Es ist mir unverständlich, wie Sie zu einer so wenig humanen und in meinen Augen kurzsichtigen und möglicherweise auch fahrlässigen Entscheidung kommen konnten“, schreibt Döpping und bittet den Minister, die Abweise-Praxis noch einmal zu überdenken.

Mehr lesen: MV will Corona-Sünder zur Kasse bitten

Lorenz Caffier antwortete der bestürzten Rentnerin noch am selben Tag. Er gab zunächst zu bedenken, dass die Maßnahmen bedachtsam abgestimmt wurden. „Es ist nicht meine Entscheidung, sondern ein gemeinsamer Kabinettsbeschluss.“ Alle würden ihn für richtig halten. „Das ist sehr schmerzlich und nimmt alle mit, aber es gibt keine Alternative“, sagte Lorenz Caffier im Gespräch mit dem Nordkurier. Denn das Gesundheitssystem des Landes sei nur für eine bestimmte Anzahl an Menschen ausgelegt – und diese würden gerade in Spitzenzeiten des Tourismus weit überschritten werden. Der Minister hat nach eigener Aussage zunächst dafür Sorge zu tragen, dass die Einwohner von Mecklenburg-Vorpommern versorgt werden.

Mehr lesen: Sind Umzüge und Bootsausflüge in der Corona-Krise noch erlaubt?

Dorle Döpping wollte die nächste Zeit ursprünglich in Prälank verbringen – zusammen mit ihrem Freund Michael Behn. Sie half unter anderem Behns Fotoserie „Die Welle“ im Neustrelitzer Kulturquartier zu installieren, fühlt sich also auf viele Arten mit der Region verbunden.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Prälank

Kommende Events in Prälank (Anzeige)

zur Homepage

Kommentare (8)

Unglaublicher Vorgang durch die Landesregierung von MV ! Sich auch noch öffentlich zu dem maroden und kaputt gesparten Gesundheitssystem( ist nur für die eigene Bevölkerung ausgelegt) zu bekennen ist der Gipfel der Armseligkeit! Aber Für italienische und spanische Vollinfizierte ist das Gesudheitssytem dann doch noch ausgelegt, wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird ist einfach unvorstellbar.
Die Coronaviridae wird vorbeigehen und eventuell werden die Urlauber und Touristen wieder nach MV reisen, gibt es dann ein anderes Gesundheitssytem? Oder dürfen die Urlauber nur ihr Geld im MV ausgeben und und wenn sie krank werden müssen sie wieder ausreisen.
Und noch eins, dass sagt das eigentlich schon das Wort, "Zweitwohnbesitzer" sind keine Urlauber oder Touristen! Ich hoffe stark das die Urlauber und Touristen dem Kabinett von MV dafür irgendwann die Quittung präsentieren!
Das auffordern der eigenen Bevölkerung zum denunzieren anderer Bürger zeug welch Geisteskind hier am Werk ist. Kann es sein das sich hier welche die DDR zum Vorbild nehmen?!

Es gibt halt Menschen, die lernen es nicht. "Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.“ (Winston Churchill) Jede Diktatur beinhaltet Ihren Untergang, auch die durch eine Virus motivierte.
Demokratische Verhaltensänderungen sind notwendig und ausreichend, für den restlichen Unsinn gibt es keine Evidenz. Gegenseitige Rücksichtsnahme und ein Verhalten um meine/seine Mitmenschen zu schützen, bedarf zuerst Vertrauen und nie Strafandrohung. Menschen, die Studenten und Familien mit Kindern aus unserem schönen Land vertreiben, tun sicher eines nicht - die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern schützen. Schämt Euch.

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste,
voller Schmerzen und Krankheit.
Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg;
darum haben wir ihn für nichts geachtet.
... Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg.

MV hat die höchste Dichte an Intensivbetten in Deutschland. Genug für all die Urlauber, die im Sommer zu uns kommen, hier erkranken, verunglücken usw.
Aber wenn dann noch die Corona-Erkrankten dazu kommen, reicht es einfach nicht! Sollte eigentlich zu verstehen sein.

Schämen Sie sich! Wie tief ist man menschlich nur gesunken, wenn man sich darüber aufregt, dass schwer Erkrankten Mitmenschen aus Italien und Spanien selbstlos geholfen wird?!

Eine Zweitwohnung ist im Melderecht eine privat genutzte Wohnung, die nicht als Hauptwohnung genutzt wird. Das heißt, dass der Hauptwohnsitz ebend nicht in MV liegt und somit sind es ebend doch Urlauber/Touristen.

Erschreckend ist wirklich, wie manche Menschen auf diese Pandemie mit Unvernunft und Egoismus reagieren. Ich wollte mit meiner Frau an ihrem Geburtstag über Ostern nach Berlin fahren. Das hat sich jetzt natürlich erledigt. Wir werden auch an Ostern als M/V'ler nicht an die Ostsee fahren, um nicht das eigene Leben und das der anderen Menschen auf's Spiel zu setzen, darunter auch das Leben von Frau Döpping, die aufgrund ihres Alters bei einer Infektion mit schweren Komplikationen rechnen müsste. Alle in unserer Gesellschaft bringen in diesen Zeiten Opfer, die weit über dessen hinausgehen, als ein auf Dauer begrenztes Einreiseverbot in ein bestimmtes Bundesland. Ist wie bei Geschwindigkeitskontrollen, da gibt es auch immer Menschen, die natürlich in ihrem "Einzelfall" aus einem ganz besonderen Grund eine Berechtigung hätten, Gesetze auf Kosten anderer, zu übertreten. Vielleicht sollte Frau Döpping mal die Wörter Emphathielosigkeit und Solidarität googeln, um deren Bedeutung zu begreifen. Ich kann nur den Kopf schütteln.

wie wenig scheinbar manche Kommentarverfasser in der Materie stehen.
Die pauschale Gleichsetzung von "normalen" Touristen mit Eigentümern einer Zweitwohnung ist m.E. absolut ungerechtfertigt.
Davon abgesehen, daß der Eigentümer eines Ferienhauses, -wohnung etc. nicht immer nur ausschließlich zu seinem "Vergnügen" zu seinem Eigentum reist, hat er -ibs. im Frühjahr- in der Regel doch auch Arbeiten an diesem zu realisieren. Darüber hinaus bezahlt jede dieser Personen -im Gegensatz zu "normalen" Touristen- Zweiwohnungssteuer. Bei diesem Betrag handelt es in den meisten Kommunen um ein erkleckliches Sümmchen. Einer der Gründe für die Erhebung dieser Steuer ist, daß diese Personen die Infrastruktur der Region nutzen. Wenn ihnen die Anreise zu ihrem Eigentum verweigert wird, ist dies nicht nur fragwürdig, sondern die Erhebung dieser Steuer für den entsprechenden Zeitraum rechtlich absolut nicht gerechtfertigt!