Die Polizei warnt vor einer besonderen Form der Abzocke, vor dem Romance Scamming (Symbolbild).
Die Polizei warnt vor einer besonderen Form der Abzocke, vor dem Romance Scamming (Symbolbild).
Love Scamming

Betrügerin bringt Senior aus der Seenplatte um fast 40.000 Euro

Was da einem 81-Jährigen aus dem Bereich Woldegk passiert ist, haben die Täter gekonnt eingefädelt. Die Polizei gibt Tipps, wie man sich schützen kann.
Woldegk

Die Betrugsfälle, bei denen zumeist Rentner in der Region um ihr Geld gebracht werden, reißen nicht ab. Jetzt wurde ein 81-Jähriger aus einem Dorf in der Nähe von Woldegk Opfer eines Liebesbetrugs. Er verlor fast 39 000 Euro, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.

Der Mann lernte Anfang 2021 über das Internet eine angebliche Stella Miller aus Oklahoma kennen. Nach einigem Kontakt gab sie ihm gegenüber an, dass sie von ihrem Vater 500 Millionen Dollar geerbt hätte. Da sie aber eine arme Studentin sei und kein eigenes Konto habe, sollte der Rentner aus der Seenplatte helfen an das Erbe zu kommen, indem er fällige Gebühren bezahlt.

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Zahllose Schreiben an den Senior geschickt

Mit großem Aufwand seitens der Betrüger wurden zahlreiche Dokumente an die E-Mail-Adresse des Geschädigten übersandt. Darunter befanden sich unter anderem Kopien von Ausweisen, der Erbschein, Schreiben von Rechtsanwaltskanzleien und Banken. Wie sich herausstellte, nutzte die angebliche Stella Miller für ihren gefälschten Ausweis ein Foto eines indisch-kanadischen Models.

Mit zahllosen Schreiben brachten die Betrüger den Senior schließlich dazu, mehrere Überweisungen auf amerikanische und französische Konten vorzunehmen und Gutscheinkarten zu erwerben. Er verlor auf diesem Wege fast 39 000 Euro. Erst als die Zahlungsaufforderungen nicht nachließen, wurde dem Mann bewusst, dass er einem Betrug aufgesessen war. Er ging zur Polizei.

Romance Scamming oder auch Love Scamming ist eine Art Heiratsschwindler-Betrug in der digitalen Welt und gehört zur Nigeria Connection – dem Synonym für Vorauszahlungsbetrug. Die Nigeria Connection ist seit den 80er-Jahren weltweit aktiv. Was mit Briefen und Faxen begann, hat Erkenntnissen der Polizei zufolge mithilfe des Internets mittlerweile ungeahnte Ausmaße angenommen. Der Liebesbetrug ist hierbei eine der perfidesten dieser unzähligen Maschen. Die Täter haben es nur nicht auf den Bereicherungswillen der Opfer abgesehen, sondern bringen die Geschädigten in eine emotionale Abhängigkeit und täuschen das Entstehen oder Vorhandensein einer Liebesbeziehung vor. Zum einen dauert es so länger, bis das Opfer den Betrug durchschaut, zum anderen ist die Scham der Geschädigten größer. Oft offenbart sich das Opfer nicht mal dem eigenen sozialen Umfeld, geschweige denn der Polizei. Das Dunkelfeld ist kaum abschätzbar.

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Bild-Rückwärtssuche kann beim Enttarnen helfen

Die Polizei weist indessen auch darauf hin, dass es für die Opfer durchaus Recherche-Möglichkeiten gibt, ob Anhaltspunkte für ein unseriöses Verhalten vorliegen. So könne nachverfolgt werden, ob bei den verwendeten Fotos der Abzocker ganz andere Identitäten hinter den abgebildeten Personen stecken. Dies kann zum Beispiel durch eine Bild-Rückwärtssuche im Internet herausgefunden werden, so die Polizei.

Da die Betrüger oft dieselben wohlklingenden Namen verwenden, könne dies mit dem Zusatz „Scammer“ in eine Suchmaschine eingegeben werden. Falls jemand wirklich Opfer eines Betrugs geworden sei, sollte der Kontakt sofort abgebrochen werden. Der Täter sollte auf allen Kanälen blockiert werden. Sämtliche Forderungen des Scammers sollten ignoriert, bereits geleistete Zahlungen über die Bank rückgängig gemacht machen. Chatverläufe und Mails sollten gesichert und abgespeichert, Überweisungsbeläge aufgehoben werden. Ein etwaiges Schamgefühl sollte überwunden werden und die betroffenen Opfer sollten sich an die Polizei wenden. Allerdings räumt die Polizei im Zusammenhang mit diesen Fällen auch ein, dass eine Strafverfolgung der Täter oft schwierig ist, da die Betrüger im Ausland sitzen würden. Das sollte die Geschädigten aber nicht davon abhalten, sich zu melden.

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