Abrechnung

Biber-Bauten werden für Boden- und Wasserverband teuer

Die Ablehnung von finanziellen Hilfen für die vom Biber gebeutelten Regionen stößt im Osten der Seenplatte auf Unverständnis.
Tobias Lemke Tobias Lemke
Martina Schwenk Martina Schwenk
Kontrolle des Pegelstand in einem Graben bei Neetzka im Jahr 2016. Der Biberdamm, auf dem der Mitarbeiter des Wasser und Bodenverbands „Landgraben“ steht, musste anschließend weggenommen werden, um den angrenzenden Bahndamm vor Unterspülung zu schützen (Archivfoto)
Kontrolle des Pegelstand in einem Graben bei Neetzka im Jahr 2016. Der Biberdamm, auf dem der Mitarbeiter des Wasser und Bodenverbands „Landgraben“ steht, musste anschließend weggenommen werden, um den angrenzenden Bahndamm vor Unterspülung zu schützen (Archivfoto) Tobias Lemke/Archiv
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Seenplatte.

Die Kosten für das Vorjahr liegen noch nicht abschließend vor. Fest steht aber, dass der Biber dem Boden- und Wasserverband „Landgraben“ mit Sitz in Friedland wieder einiges an Geld und Anstrengungen gekostet hat – mindestens so viel wie im Jahr 2017. Da standen unterm Strich rund 60 000 Euro. Im Jahr davor haben 57 000 Euro zu Buche geschlagen und bisheriger Rekord sei das Jahr 2015 mit Kosten von 71 500 Euro zur Beseitigung von Biberschäden gewesen, erklärt Verbandschefin Irene Kalinin auf Nordkurier-Nachfrage.

Staudämme werden zum echten Problem

Dass Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) weiterhin Entschädigungen für Biberschäden ablehnt, stößt bei Kalinin daher auf Unverständnis. „Der Biber ist bei uns mittlerweile zum echten Problem geworden, das wehtut.“ Die Staudämme des Tiers seien nicht mal so im Handumdrehen abzureißen oder herunterzustufen. Dafür müsse schwere Technik anrücken. Dazu komme: Der Wasserbaumeister unterhöhle Wege und bringe Böschungen zum Abrutschen. „Das Problem ist ja, dass er eine ganze Infrastruktur eines Gewässersystems zerstört, in denen keine Pufferzonen vorhanden sind“, erklärt Kalinin. Ein weiterer negativer Aspekt sei, dass bei manchem Mitarbeiter mittlerweile gut die Hälfte der Arbeitszeit für den Biber „draufgeht“. Andere Arbeiten wie die Gehölzpflege würden auf der Strecke bleiben.

Golmer Mühlenbach gehört zu den Schwerpunkten

Wie viele Tiere im Verbandsgebiet leben, kann sie nicht mit Sicherheit sagen. Schwerpunktgebiete sind der Golmer Mühlenbach zwischen Woldegk und Friedland sowie Bereiche in der Friedländer Großen Wiese. Im Raum Strasburg wurden zuletzt sogenannte Bibermatten verlegt. Damit, so hoffen die Verbandsmitarbeiter, soll dem Treiben des Bibers jetzt Einhalt geboten sein.

Sozusagen durch die Hintertür hatte der Verband versucht, sich einen Teil der durch den Biber verursachten Kosten vom Land zu erstatten. Weil neben den Gemeinden des Verbandsgebietes auch das Land Mitglied ist, wurde einfach per Bescheid das Geld eingefordert. Das Land legte jedoch Widerspruch ein. „Es war ein Versuch, jetzt müssen wir uns in der Angelegenheit juristisch mit dem Land auseinandersetzen“, so Kalinin.

Mit Bedauern zur Kenntnis genommen

Schäden durch den Biber gebe es auch im Bereich des Wasser- und Bodenverbands „Obere Havel/Obere Tollense“, der für die Gewässer zweiter Ordnung in der Kleinseenplatte, rund um Neustrelitz, Feldberg und teils um Woldegk zuständig ist. Jedoch hielten sich die Kosten im Gegensatz zu den bei den Nachbarn aus Friedland bisher noch in Grenzen, sagt Frank Filter, stellvertretender Geschäftsführer. Die ablehnende Haltung des Ministers in Sachen Entschädigung habe man dennoch mit Bedauern zur Kenntnis genommen. „Die betroffenen Gebiete ganz im Regen stehen zu lassen, kann nicht die Lösung sein“, sagt Filter.