KIETZWERDER VERSINKT

Bizarre Toteninsel in der Lieps steht vor dem Untergang

Einst wurde das Eiland in der Lieps aufwendig als Bodendenkmal gesichert. Nun droht die Insel zu versinken. Doch wer ist eigentlich für sie zuständig?
Heike Sommer Heike Sommer
Die Insel Kietzwerder auf der Lieps prägt die Landschaft. Doch das Eiland droht zu versinken.
Die Insel Kietzwerder auf der Lieps prägt die Landschaft. Doch das Eiland droht zu versinken. Heike Sommer
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Prillwitz.

Über die Ostertage werden wieder viele Ausflügler den kleinen Ort Prillwitz an der Lieps ansteuern. Denn er liegt auf der beliebten Rad- und Wanderrunde um den Tollensesee. Jagdschloss samt Park und der Kietzwerder sind Sehenswürdigkeiten, die sich kaum jemand auf der Tour entgehen lässt. Doch der Anblick des Kietzwerders in der Lieps wird viele verwundern. Aus dem üppig bewachsenen Eiland ist eine bizarre Toteninsel geworden.

Sicher haben die vom Kot der hier nistenden Kormorane weiß gefärbten Baumleichen ihren ganz besonderen Reiz – als Fotomotiv. Bei den meisten Prillwitzern löst der Anblick alles andere als Bewunderung oder gar Freude aus. Eher Kopfschütteln und Wut. Denn seit Jahren machen sie auf den erbärmlichen Zustand des Kietzwerders aufmerksam, suchen nach Möglichkeiten, die Insel zu retten.

„Mitte der 1990er Jahre wurde die Insel mit Pfählen und Faschinen gesichert. Und jetzt lässt man sie einfach untergehen“, sagt Gemeindevertreter Peter Strobl. Am meisten ärgert ihn, dass Hinweise und Anfrage im Sande verlaufen. Vor zwei Jahren waren Vertreter der Stadt Neubrandenburg – ihr gehören der Tollensesee und die Lieps – vor Ort. Mit den Prillwitzern waren sie sich einig, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Auch ein Gutachten der Gemeinde Prillwitz lag vor, wie die Insel zu retten sei. Allen war und ist klar: Selbst wenn man Mittel zur Verfügung hätte – derzeit ist man davon weit entfernt – könnten weder die Stadt Neubrandenburg noch die Gemeinde Prillwitz etwas unternehmen. Der Grund: Die Insel steht unter doppeltem Schutz. Sie liegt einerseits in einem Naturschutzgebiet und ist andererseits ein Bodendenkmal.

Insel wurde gründlich von Archäologen untersucht

Der Kietzwerder zeugt von der Besiedlung der Region zwischen dem 7. und 12. Jahrhundert. In den 1970er und 1980er Jahren wurde die Insel gründlich von Archäologen untersucht – auch in der Hoffnung, hier das Slawenheiligtum Rethra zu entdecken. Seitdem halten zwei Behörden ihre schützenden Hände darüber.

Was jedoch verheerende Auswirkung hat. Offenbar weiß die eine Hand nicht, was die andere tut. Nachdem die Stadt Neubrandenburg im Sommer 2017 das Umweltministerium über den Zustand des Kietzwerders informiert hatte und um Unterstützung bat, hieß es aus Schwerin, das Kulturministerium sei zuständig. Doch von da kam nie eine Antwort. Auf Anfrage des Nordkurier wurde ein Jahr später eingeräumt, ein derartiges Schreiben sei nie im Kulturministerium angekommen.

Nun hat die Stadt Neubrandenburg einen zweiten Anlauf gestartet. Am 9. April ging ein Schreiben nach Schwerin. Adressat: das Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege. Die Botschaft des Briefs: Wenn nichts unternommen wird, versinkt die Insel in wenigen Jahren. Von den ehemals 1400 Quadratmetern sind gerade mal noch 500 Quadratmeter Landfläche übrig. Nicht nur Wind und Wetter machten dem Eiland zu schaffen. Mehr als hundert Kormorane besiedeln den Kietzwerder. Ihr Kot tötet nicht nur die Bäume, sondern greift auch das Material an, mit dem das Bodendenkmal befestigt wurde.

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Kommentare (5)

Wenn falsch verstandener Vogelschutz über die Vernunft siegt.

Natur ändert sich. Nichts bleibt, wie es war. Wer daran festhält, schützt nicht Natur. Den Kormoranen - die den Baumbestand dieser Insel vernichteten - macht niemand den Vorwurf Naturschutzfrevler zu sein. Der geologisch- bedingte Untergang der Insel muss nicht aufgehalten werden.

leider ein gern gemachter Fehler. Was kümmerts die Natur wenn diese Insel absäuft? Eben, nix, die Natur ist keine Person, es ist für die Natur irrelevant ob eine Art iwo verschwindet. Allerdings sollten wir als, von der Natur abhängige, Menschheit uns Gedanken drüber machen, ob unser Einfluss auf unsere Umwelt und damit auch der Natur, nicht evtl. einen für uns negativen Effekt hat. Und uns damit im Endeeffekt nicht selbst schadet. (Wow, komm grad selbst nicht klar ob die Grammatik in meinen Sätzen passt, but you kno what I mean.).

... wie der Untergang einer Insel kann man weder mit Umwelt- noch mit Naturschutz verhindern. Man kann den Untergang mit technischen Mitteln hinauszögern. Eine von der Natur totgekackte Insel sollte nicht auf der Prioritätenliste ganz oben stehen. Es tut immer weh, wenn etwas oder wer verschwindet. Es wird Neues entstehen, wenn auch nicht in den nächsten Jahren in der Lieps.

In den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ging die Insel durch extremen Besatz mit Kormoranen fast vollständig unter. Vom prachtvollen alten Baumbestand existieren seither nur noch wenige Reste. Nach dem Absterben der Vegetation wurde der Kietzwerder durch Eisgang und Wellenschlag bis auf eine Fläche von 40 m² abgetragen. In den Jahren 1996 und 1997 wurde die Insel durch Aufspülung und Aufschüttung saniert und dabei wieder deutlich vergrößert. (Wiki)