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Blankensee – Kultur-Provinz? Denkste!

Bürger aus Pampow und Blankensee setzen gemeinsam das Schild „Pampsee“ auf dem neu eingeweihten Gemeindeplatz.  FOTOS: R. Nitsch

VonRita NitschAnfang April hat ist die Künstlerin Barbara Caveng von der Stadt aufs Land nach Blankensee gezogen. Ein ungewöhnliches Experiment begann. Sie ...

VonRita Nitsch

Anfang April hat ist die Künstlerin Barbara Caveng von der Stadt aufs Land nach Blankensee gezogen. Ein ungewöhnliches Experiment begann. Sie hat es geschafft, die drei Dörfer der zur Kunstgemeinde „Pampsee“ zu vereinen. Jetzt hat die Künstlerin gemeinsam mit den Bewohnern einen neuen Gemeindeplatz gestaltet. Und der ist alles andere
als gewöhnlich.

Blankensee.Wer zwischen Blankensee und Pampow unterwegs ist, der staunt über das neue Ortsschild mitten auf der grünen Wiese. Darauf zu lesen: „Pampsee“, Kunstgemeinde im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Auffallend auch ein alter Bauwagen, auf dem mit weißen Schriftzeichen solche Sätze geschrieben stehen wie: Ich mag auch gerne reisen. Ich kann es mir nicht leisten… Worte, die von Bedeutung sind für diesen oder jenen Einwohner der Gemeinde. Das Rätsel um diese Dinge ist schnell gelöst. Sie gehören zum Kunstprojekt der deutsch-schweizerischen Künstlerin Barbara Caveng. Seit April gehört der Rotschopf zur Dorfgemeinde und wird für ihre Herzlichkeit und Hartnäckigkeit geliebt. Jetzt die Idee mit dem Gemeindeplatz. Mit einem kleinen Fest wurde jetzt die Einweihung gefeiert. Und sie kamen, die Pampower und die Blankenseer. Auch die Jagdbläsergruppe gab ein Ständchen zum Besten.
Vor 18 Jahren zog die Grafikerin Anke Böhm nach Blankensee. Sie ist begeistert über den Stil von Barbara Caveng und bringt sich mit ein. „Mir gefällt, wie sich die Künstlerin in ihrem Denken treu bleibt und sich von Ideen nicht so schnell abbringen lässt“, meint Anke Böhm.
Viele Einwohner haben geholfen, die Schablonen für die Schrift des fahrenden Kioskes anzufertigen und die spezielle Zinkfarbe aufzutragen. Die Sätze, die das Gefährt zieren, sind authentisch und stammen aus den Aufzeichnungen von Gesprächen, die Barbara Caveng mit den Einwohnern geführt hat.
Günther Heise war der Grillmeister zur Einweihung des Platzes. „So ein Gemeinschaftsplatz ist eine gute Möglichkeit, Leute zusammen zubringen“, sagt er. Im Ruhestand bekomme man einen anderen Blick dafür, wie wichtig auch soziale Kontakte seien. „Wer zum Beispiel für dieses Fest einen Kuchen gebacken oder sich an der
Gestaltung des Wagens beteiligt hat, das bleibt in Erinnerung“, ist sich Günther Heise sicher.
„Früher hatten wir hier einen Konsum, eine Post. Doch wo kann man sich heute treffen?“, denkt Gabriele Riesebeck nach. Es sei schön zu sehen, dass so viele Leute zur Einweihung des Platzes gekommen sind.
Heinz-Walter Löhr, der
etwas abseits von Pampow im Forsthaus Thursee lebt, hat eigentlich mit der Bewirtschaftung seines Waldes, den sieben Enkeln und seinen Hobbys genügend zu tun. Doch das Kunstprojekt hat ihn und seine Frau Gabriele überzeugt. „Für mich ist Pampow zur Heimat geworden. So ein gemeinsames Projekt trägt auch dazu bei, Gräben zwischen Ost und West zu schließen“, meint Löhr. Noch ist der Platz nicht vollendet. Doch Barbara Caveng ist zufrieden. „Ist es nicht schön, hier Jung und Alt gemeinsam feiern zu sehen?“, fragt sie glücklich. In den nächsten Wochen gilt es noch, den Bauwagen innen schön zu gestalten, sodass er ein anspruchsvoller Kiosk wird. Auch die historische Postkartenserie soll fertig und das Parkett aus Kaminholz verlegt werden. Und in der Sonnenschirmgruppe werden in den nächsten Wochen die Nähmaschinen rattern, um Stoffe für Schirme und andere Souvenirs, die es im Kiosk zu kaufen geben wird, zu nähen.