LANGE WARTEZEITEN

Bootsfahrern droht ein Stau-Sommer

Zwei Tendenzen, die nicht zusammenpassen: Einerseits nimmt der Bootstourismus immer mehr zu, andererseits gibt es weniger Schleusenpersonal.
Als im Sommer 2013 die Schleusenwärter streikten, bildeten sich lange Staus vor den Hebewerken, wie hier im Kanal bei Diemitz. Lange Wartezeiten müssen Bootsfahrer zu den Stoßzeiten inzwischen aber auch ohne Streiks einplanen. 
Als im Sommer 2013 die Schleusenwärter streikten, bildeten sich lange Staus vor den Hebewerken, wie hier im Kanal bei Diemitz. Lange Wartezeiten müssen Bootsfahrer zu den Stoßzeiten inzwischen aber auch ohne Streiks einplanen. Tobias Lemke/Archiv
Diemitz.

Die Leute sind sauer. Dabei suchen sie genau das Gegenteil – keinen Ärger, sondern Erholung auf dem Wasser. Wer in der Region mit dem Boot unterwegs ist, kommt in der Regel ums Schleusen nicht herum. Und spätestens dann ist es mit der Erholung vorbei. Denn zu den Stoßzeiten drohen lange Staus vor den Schleusen. Zuletzt schaukelten sich die Wartezeiten am Pfingstwochenende in die Höhe.

„Wir haben mehr als drei Stunden an der Schleuse in Diemitz warten müssen“, berichtet Ursula Pilz. Die Mirowerin ist seit etlichen Jahren mit dem Boot in der Seenplatte unterwegs. Ihr fiel auf, dass die Betriebszeiten an den Schleusen im Gegensatz zu früheren Jahren zurückgefahren wurden. In Diemitz habe die letzte Schleusung schon um 17.45 Uhr stattgefunden, und das an einem Feiertag, der für gewöhnlich von Bootsfahrern stark genutzt wird. „Das darf sich ein Urlaubsland eigentlich nicht leisten“, sagt Pilz. Obendrauf habe es noch patzige Antworten der Schleusenwärterin gegeben, als diese Mittagspause machen wollte. Gegen die Pause habe sie noch nicht mal was einzuwenden gehabt, sehr wohl aber gegen die unfreundliche Behandlung, so die Bootsfahrerin.

Ändern kann der Chef die Lage nicht

Was diesen Punkt betrifft, so kann Peter Münch ihr nur recht geben. „Wenn der Umgang miteinander nicht stimmt, darf man sich natürlich beschweren“, sagt der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Eberswalde, in dessen Zuständigkeit der Canower Außenbereich mit den Schleusen in der Kleinseenplatte fällt. Was die Sache mit den kürzeren Betriebszeiten der Schleusen betrifft, so kann Münch auch dazu den Ärger der Bootsfahrer verstehen. Nur ändern kann der Chef des Schifffahrtsamtes die Lage nicht.

„Auch für uns ist die Situation unerträglich. Uns steht schlichtweg zu wenig Personal zur Verfügung“, erklärt er. Dass der Bund in den vergangenen Jahren bei der personellen Ausstattung der Wasserbehörden eher auf Sparflamme fuhr, wirkt dabei genau einer anderen Entwicklung entgegen – nämlich, dass der Bootstourismus seit Jahren boomt. Inzwischen sprechen die Fachleute im Sommer sogar von einer Übernutzung der Wassersportreviere. „Die Bedingungen haben sich verschlechtert, und das ist nicht gut“, sagt Münch klipp und klar.

App soll anzeigen, wie voll die Wasser-Reviere sind

Hieß es in den Vorjahren noch, man setze auf die Automatisierung von Schleusen, so sind dahin gehend die Töne leiser geworden. „Obwohl wir automatisieren wollen, muss oftmals trotzdem ein Schleusenwärter regeln“, erklärt Münch. Das gilt insbesondere an den stark frequentierten Hebewerken wie zum Beispiel an der Diemitzer Schleuse, die immerhin von mehr als 40000 Booten im Jahr passiert wird. Automatisiertes Schleusen funktioniere da nur schlecht und führe zu noch längeren Wartezeiten. „Wir müssen leider auch feststellen, dass es in den Vorjahren einen rapiden Absturz gab, was die gegenseitige Rücksichtnahme auf dem Wasser betrifft“, sagt Münch. Mit der starken Zunahme der Charterboote seien etwa viele Hobby-Kapitäne unterwegs, die schnell durch wollen und schnell wieder zurück zur Anmietstation.

Verbesserung verspricht sich Münch für die kommenden Jahre dennoch. Zumindest scheint das Thema im Bundesverkehrsministerium angekommen zu sein. So gebe es neuerdings eine Abteilung für den Wassertourismus. Zudem wird derzeit eine App entwickelt, die anzeigen soll, wie voll gerade ein Wasserrevier ist. Ob die Politik letztlich aber auch wieder mehr Personal für die Schleusen beschließt, bleibt offen.

Einen Tipp hat der Fachmann aber, damit es doch noch was wird mit der idyllischen Bootstour. Wer in die Nebenreviere abseits der viel befahrenen Hauptwasserstraße ausweicht, könne mit weniger Verkehr rechnen. Zudem werden ab dem 1. Juni die Schleusenöffnungszeiten ausgeweitet. Die Diemitzer Schleuse ist dann zum Beispiel durchgängig von 7 bis 20.45 Uhr besetzt.

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