Untersucht
Brunnen-Wasser auf dem Land stark belastet

Lina Remme (links) und Harald Gülzow (rechts) untersuchen eine Wasserprobe im Labormobil. 
Lina Remme (links) und Harald Gülzow (rechts) untersuchen eine Wasserprobe im Labormobil.
Gerhard Seybert, Medien & Presse Service

In Neustrelitz ist vom VSR-Gewässerschutz Brunnenwasser untersucht worden. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Die Nitrat-Werte im Grundwasser des Neustrelitzer Umlandes sind stellenweise viel zu hoch. Das hat zumindest die Auswertung der Stichproben-Untersuchung des VSR-Gewässerschutzes ergeben, die Ende August auf dem Markt in Neustrelitz durchgeführt wurde. Jede sechste Brunnen-Probe aus dem Umland überstieg die Grenzwerte der deutschen Grundwasserverordnung. Derzufolge dürfe nur 50 Milligramm Nitrat auf einem Liter Wasser enthalten sein. Erschreckend: In einem Brunnen in Woldegk fanden die Umweltschützer 103 Milligramm pro Liter. Ein Usadeler Brunnen enthielt wiederum 80 Milligramm (Quadenschönfeld: 102, Goldenbaum: 66).

Zum Trinken ist dieses Brunnen-Wasser laut VSR-Gewässerschutz nicht geeignet. Außerdem könne es in Fisch-Teichen zu einer Massenvermehrung von Algen kommen. Die Umweltschützer fürchten dann ein Fisch-Sterben. Ganz anders im Stadtgebiet: Die Brunnen in Neustrelitz weisen dem VSR-Gewässerschutz zufolge durchweg niedrige Nitratbelastungen auf.

Strengere Vorschriften fürs Düngen gewünscht

Für den VSR-Gewässerschutz trägt die intensive Landwirtschaft Schuld an den hohen Werten im Umland. Die Umweltschützer fordern nun, den ökologischen Landbau stärker zu fördern: Strengere Dünger-Vorschriften würden hier die Verwendung von chemisch-synthetischen Stickstoffdünger unterbinden. „Die Werte der Umweltschützer sehen auf den ersten Blick wirklich nicht gut aus“, bestätigt Matthias Schmidt, Geschäftsführer des Bauernverbandes Müritz sowie vertretender Sprecher für den Bauernverband Mecklenburg-Strelitz. Doch die reinen Zahlen würden ohne Einordnung des betreffenden Brunnens keine konkrete Aussage treffen. So sei überhaupt nicht geklärt, ob der Brunnen möglicherweise gar nicht mit einem Deckel verschlossen sei oder an welchem Standort er sich befinde.

Ohnehin liege der prozentuale Anteil des ökologischen Landbau in der Mecklenburgischen Seenplatte mit 10,5 Prozent (Neuester Stand: 2017) weitaus höher als im Bundesdurchschnitt. Auf Stickstoff im Dünger könne ein Landwirt nicht immer verzichten. „Wir wollen schließlich auch Ertrag haben“, sagt Schmidt. Erst am vergangenen Mittwoch versprach Umweltminister Till Backhaus (SPD) auf einer Fachtagung in Güstrow, den Gewässerschutz des Landes zu stärken. „Ich kann Ihnen versichern: Der Schutz des Grundwassers ist in meinem Hause Chefsache“, sagte Backhaus. Die Düngeverordnung wolle der Minister sachgerecht weiterentwickeln.

133 Proben kontrolliert

Untersucht wurden in Neustrelitz 133 Stichproben – davon 56 aus dem Umland. Grundwasser ist zwar nicht mit Trinkwasser gleichzusetzen. Dennoch liegt auch der Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung laut Umweltbundesamt bei 50 Milligramm Nitrat je Liter – ebenso wie in der Grundwasserverordnung. Und: „Wenn der Wert im Grundwasser überschritten wird, sind Maßnahmen zur Reduzierung der Einträge einzuleiten“, heißt es vom Bundesumweltamt.

 

Kommentare (1)

Zitat: Und: „Wenn der Wert im Grundwasser überschritten wird, sind Maßnahmen zur Reduzierung der Einträge einzuleiten“, heißt es vom Bundesumweltamt. Das könnt ihr alles den Weihnachtsmann erzählen! Die Agrarkonzerne diktieren in Deutschland die Politik. Sie sind weder angreifbar, noch sind sie bereit hier irgendwelche Zugeständnisse an uns Bürger zu machen. Ihnen interessiert nur die Profitmaximierung. Das dabei unsere Umwelt und inzwischen Menschen geschädigt werden, wird in Kauf genommen. Man sitzt bekanntlich im Ausland. Das ist auch keine Landwirtschaft mehr, sondern es werden nur noch Energiepflanzen für die Biomassereaktoren angebaut. Giftiger Klärschlamm von Mikroplastik über EHEC-Baktierenkulturen bis zum Pharmazeutischen Produktresten landet auf unseren Äckern. Die Situation ist inzwischen noch schlimmer geworden als zu DDR-Zeiten. Wo sind eigentlich die Grünen zu diesem Thema?