MEHR MOBILITÄT

Bürgerbus für Dörfer um Woldegk geplant

Um das Leben auf dem Land zu erleichtern, gibt es immer mehr Bürgerbusse. Bald könnte es auch im Strelitzer Land so ein Angebot geben.
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Bald könnten die Bürgerbusse auch die Dörfer um Woldegk und Friedland miteinander vernetzen. 
Bald könnten die Bürgerbusse auch die Dörfer um Woldegk und Friedland miteinander vernetzen. Marc Steinbach/Archiv
Woldegk.

Mal eben in die Stadt zum Einkaufen fahren oder am Abend ins Theater. Für Menschen, die kein Auto haben oder keines mehr fahren können, ist dies auf dem Lande aber kaum möglich. Busse fahren entweder nur noch für die Schüler und kaum noch abends oder an den Wochenenden – und wenn, dann nicht in jedes kleine Dorf. Ein Bürgerbussystem in der Region Woldegk und Friedland soll deshalb bald Abhilfe schaffen.

„Wir wollen die ländliche Mobilität wieder zum Laufen bringen“, sagt Udo Onnen-Weber, Leiter des Kompetenzzentrums ländliche Mobilität der Hochschule Wismar. Im Woldegker Amtsausschuss stellte er das Projekt auf der jüngsten Sitzung vor. „Das Ziel ist es, mit Kleintransportern die Menschen aus den Dörfern zu den Bushaltestellen zu bringen, damit sie von dort in die Busse umsteigen können und in die Stadt kommen“. Die Bürgerbusse sollen laut Onnen-Weber mit dem Takt des Öffentlichen Personennahverkehrs verzahnt werden oder zu den Zeiten fahren, in der keine öffentlichen Busse eingesetzt werden, um so den Nahverkehr zu ergänzen.

Projekt unterstützt Kommunikation zwischen den Dörfern

„Natürlich ist es auch möglich, das Angebot so zu gestalten, dass ein Wagen zweimal in der Woche die Leute zum Einkaufen nach Woldegk bringt oder auch mal zu Kulturveranstaltungen nach Neubrandenburg. Das ist alles flexibel planbar“, so Onnen-Weber. Der Wissenschaftler zielt auch darauf ab, die Kommunikation und Interaktion zwischen den einzelnen Dörfern zu verbessern.

Drei Fahrzeuge sollen dazu angeschafft werden. Ein Elektroauto und zwei Kleintransporter mit sieben oder neun Sitzen. Ehrenamtliche Fahrer, zum Beispiel Frührentner, sollen die Busse steuern. Für die Autos reiche laut Onnen-Weber ein kleiner Personenbeförderungsschein aus, der durch das Projekt mitfinanziert ist. Das Land Mecklenburg-Vorpommern plant drei Modellregionen für die ersten beide Jahre mit Fördermitteln zu unterstützen. Neben Woldegk sind auch Malchin und Triebsees im Gespräch.

Vorschlag für Finanzierung steht auch schon

Woldegks Bürgermeister Ernst-Jürgen Lode begrüßt das Vorhaben grundsätzlich. „Wir sollten alle Projekte unterstützen, um die Mobilität zu verbessern.“ Auch Amtsvorsteher Hans-Joachim Conrad kann sich vorstellen, dass das Projekt ein Erfolg wird. „Wir brauchen es nur unter die Leute bringen.“

Finanziert werden soll das Projekt über drei Säulen so Onnen-Weber. „Ungefähr 25 bis 30 Prozent können über die Einnahmen aus den Fahrtkosten gedeckt werden. 50 Prozent kommen über das Finanzausgleichgesetz des Landes und der Rest über Sponsoren, so Onnen-Weber. „Damit könnten wir nach der Förderperiode von zwei Jahren kostendeckend arbeiten.“

Erfahrungen in der Region Röbel gesammelt

Erste Erfahrungen sammelt das Team um Onnen-Weber bereits seit Anfang des Jahres in der Region Röbel. Dort können die Dorfbewohner mit den sogenannten Elli-Bussen schon bequem von einem Dorf zum anderen fahren. „Natürlich braucht es seine Zeit, bis die Busse angenommen werden, aber wir haben auf drei Linien dort immerhin schon 40 bis 60 Fahrgäste in der Woche.“

Noch steht aber nicht ganz fest, ob der Bürgerbus bald auch in den Dörfern um Woldegk fahren darf. Erst muss das Energie- und Infrastrukturministerium des Landes entscheiden, ob Woldegk zusammen mit Friedland als Modellregion ausgewählt wird. Dies soll Anfang November geschehen.

Sollte die Entscheidung positiv ausfallen, soll im ersten Quartal 2019 eine Arbeitsgruppe aus Bürgern, Verwaltung und Politik eine konkrete Umsetzung erarbeiten. Die ersten Busse könnten dann im Sommer kommenden Jahres die Gemeinden im Raum Woldegk vernetzen.

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