MASSENTIERHALTUNG

Bürgerinitiative gegen Legehennen-Anlage in Cantnitz gegründet

Was bringt eine BI eigentlich? Nordkurier-Reporterin Marlies Steffen sprach darüber mit Matthias Twisselmann, der Mitglied der Cantnitzer BI ist.
Matthias Twisselmann ist Mitglied der Bürgerinitiative Cantnitz gegen die unweit des Dorfes geplante Legehennenanlage.
Matthias Twisselmann ist Mitglied der Bürgerinitiative Cantnitz gegen die unweit des Dorfes geplante Legehennenanlage. privat
Cantnitz ·

Matthias Twisselmann ist Landschaftsarchitekt und Stadtplaner der Architektenkammer Niedersachsen. Er besitzt seit dem Jahr 2013 ein Haus in Cantnitz. Unweit des Dorfest plant ein Investor eine Lege-Hennenanlage für 40.000 Tiere. Daheim ist Twisselmann in Osnabrück.

 

Am Ortsrand von Cantnitz soll eine Legehennen-Anlage entstehen. Auf der Informationsveranstaltung dazu gab es bereits Bürgerproteste. Was versprechen Sie sich von der Bürgerinitiative?

Nach Auffassung der BI sind die beiden vorgeschlagenen Standorte nicht geeignet für derartige Tierhaltungsanlagen. Es handelt sich um einen ökologisch wertvollen unzerschnittenen Freiraum mit nahe gelegenen wertvollen Biotopstrukturen und sehr sensiblem Landschaftsbild am Eingangsbereich eines Kur- und Erholungsortes, der nicht durch große, raumbedeutsame bauliche Anlagen wie dieser zerstört oder beeinträchtigt werden sollte. Die Bürgerinitiative ist ein loser Zusammenschluss von Menschen, die sich dafür einsetzen, dass Natur und Landschaftsbild in dieser Form erhalten bleiben.

 

Wie viele Mitglieder zählt sie bislang?

An der Online-Petition sowie unserer Unterschriftensammlung vor Ort haben sich bisher insgesamt über 2500 Bürger beteiligt und sich damit gegen die geplante Anlage ausgesprochen – davon ca. 420 Stimmen allein aus der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft!

 

Und gibt es im Dorf selbst eine große Bereitschaft mitzumachen?

Es gibt eine sehr rege Bereitschaft, sowohl aus Cantnitz als auch aus anderen Teilen des Gemeindegebietes, aber auch aus anderen Kommunen, zum Beispiel durch Feriengäste, Freunde etc..

 

Der potenzielle Investor hat erklärt, dass er vorhat, die Anlage auch dann zu bauen, wenn die Einwohner nicht damit einverstanden sind. Fühlen Sie sich bislang von ihm ernst genommen?

Er ist Unternehmer und vertritt seine Interessen, das ist grundsätzlich nachvollziehbar. Wichtig ist aber, dass die Bürger von Cantnitz und des restlichen Feldberger Gemeindegebietes sich von der Gemeindeverwaltung und den Vertretern der Orts- und Gemeinderäte ernst genommen und angemessen informiert und vertreten fühlen. Hier besteht derzeit ein großes Problem. Die Bürger werden unzureichend und falsch informiert und Diskussionen abgeblockt.

 

In Mirow hat sich auch gerade eine BI gegen eine geplante Hühnerfarm gegründet. Wollen Sie mit den Mirowern zusammenarbeiten?

Derzeit ist keine enge Zusammenarbeit angedacht, wenngleich wir in einem lockeren Austausch miteinander stehen, ebenso mit anderen Bürgerinitiativen mit vergleichbaren Anliegen, beispielsweiseEselshütt. Die Mirower und unsere Website sind auch miteinander verlinkt. Über unseren Einsatz für die Region um den konkreten Standort Cantnitz hinaus geht es uns auch darum, darauf aufmerksamzu machen, dass solche Proteste auch an anderen Orten laut werden und die Praxis der Massentierhaltung in dieser Form grundsätzlich infrage gestellt werden muss.

 

Die Genehmigung der Anlage wird letztlich auf der Grundlage der Gesetze beim StALU erfolgen. Als Bürgerinitiative können Sie da unter Umständen wenig ausrichten?

Zur planungsrechtlichen Situation wurde bisher sehr viel Falsches erzählt und geschrieben. Entscheidend ist dabei, dass die Gemeinde bei der angedachten Größenordnung erheblichen Einfluss und Steuerungsmöglichkeiten bezüglich einer solchen Tierhaltungsanlage hätte: 1. Sofern es sich um eine gewerbliche Tierhaltungsanlage ohne eigene Futtergrundlage handeln sollte, müsste die Gemeinde selber aktiv einen Bebauungsplan für den Investor aufstellen, damit die Anlage genehmigt werden könnte.2. Sofern eine es sich um eine bauplanungsrechtlich privilegierte Anlage handeln sollte, könnte die Gemeinde mit guten Gründen ihr gemeindliches Einvernehmen verweigern, eine Veränderungssperre erlassen und einen Bebauungsplan zur Steuerung der Standorte von Tierhaltungsanlagen aufstellen. Daher ist die Gemeinde nicht auf die Beurteilung des Vorhabens und der Gesetze durch das StALU gebunden, sondern kann das Geschehen selber steuern. Die BI setzt darauf, die Gemeindeverwaltungund die Gemeindevertreter entsprechend zu informieren und deren Unterstützung zu erhalten.

 

In welcher Weise möchten Sie in der kommenden Zeit öffentlich aktiv werden?

Auf verschiedene Arten – durch direkte Kontakte zu Behörden, zur Gemeindeverwaltung und zu den Gemeindevertretern und anderen Bürgern, zur Presse. Aber auch durch Internetauftritte, unsere Facebookseite, Flyer und so weiter. Sofern wir keine Unterstützung seitens der Gemeinde erhalten sollten, werden wir uns aber auch Rechtsbeistand suchen, alle Verfahren sehr kritisch begleiten und gegebenenfalls zusammen mit anerkannten Naturschutzverbänden dagegen auch juristisch vorgehen.

 

Wie ist es bei Ihnen selbst, wo kaufen Sie Ihre Eier und wie wichtig ist Ihnen regionale Versorgung?

Am liebsten bei bekannten kleinbäuerlichen Hühnerhaltern vor Ort, alternativ gerne Bio-Eier. Regionale Versorgung begrüßen wir, ist aber nicht überall ausreichend vorhanden.

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