TOURISMUS

Bundesgerichtshof erschwert Badesteg-Bau in der Seenplatte

Der marode Badesteg im Dabelower See bietet Stoff für eine unendliche Geschichte. Seit zwei Jahren ringen Gemeindevertretung und Amt um eine Lösung.
Heike Sommer Heike Sommer
So einen Holzsteg wie am Fürstenseeer See hätten die Dabelower sicherlich auch gerne. Die Chancen dafür stehen
So einen Holzsteg wie am Fürstenseeer See hätten die Dabelower sicherlich auch gerne. Die Chancen dafür stehen jedoch schlecht. Heike Sommer
Dabelow.

Als im Mai 2017 das Thema zum ersten Mal auf die Tagesordnung der Gemeindevertretung in Wokuhl-Dabelow gesetzt wurde, ahnte wohl niemand, dass der marode Badesteg im Dabelower See sich zu einem derartigen Dauerbrenner und Zankapfel entwickeln würde. An sage und schreibe 16 Terminen wurde über das Bauwerk bisher diskutiert. Wie eine Posse lesen sich die Sitzungsprotokolle dazu.

Anfangs schien alles ganz einfach: Der bisherige Steg, der auf Holzpfählen errichtet wurde, sollte durch eine Pontonbrücke ersetzt werden. Die Verwaltung wurde beauftragt, entsprechende Angebote einzuholen. Als sich jedoch herausstellt, dass die Gemeinde sich eine Pontonbrücke nicht leisten konnte, kam der Neubau einer Holzvariante ins Spiel. Jetzt jedoch begannen die Mühlen der Bürokratie zu mahlen. Aus haftungstechnischen Gründen lehnte das Bauamt dieses Ansinnen ab. Begründung: Ein Neubau sei genehmigungspflichtig, die ausführende Firma müsse die Haftung übernehmen.

Reparatur des Holzstegs ist sinnlos

Zwei Monate später mussten die Dabelower eine neue Kröte schlucken: Auch eine Reparatur des Holzsteges sei sinnlos. Jetzt wollten die Dabelower die Sache selber in die Hand nehmen. Der ortsansässige Verein solle das Projekt übernehmen, hieß es. Schon vier Wochen später, im Juli 2018, war davon nicht mehr die Rede. Es hatte sich schlichtweg keine Firma für die Reparatur gefunden. Von da an heißt es: „Betreten verboten“.

Schließlich hatte sich trotz notdürftiger Reparatur der Zustand der Brücke so verschlechtert, dass der Abriss unausweichlich wurde. Im März 2019 schlug die letzte Stunde für den Badesteg und es ist ungewisser denn je, ob die Dabelower und ihre Gäste jemals wieder das Vergnügen haben werden, vom Steg aus in den See zu springen. Denn während Gemeinderat, Bürger und Verwaltung sich den Kopf zerbrachen und heftig ins Streiten gerieten, ob und wie ein Steg gebaut und finanziert wird, hat der Bundesgerichtshof eine folgenschwere Entscheidung getroffen.

Versicherer pochen auf Überwachung

Demnach sind Kommunen zur Überwachung ausgewiesener Badestellen verpflichtet. „Unser Versicherer, die kommunale Schadensausgleichskasse, hat uns vor zwei Monaten darüber informiert“, sagt Gemeindevertreter Olaf Böhme. Dem BGH-Urteil war die Klage einer jungen Frau vorausgegangen, die sich beim Baden in einem kommunalen Freibad im Seil einer Boje verheddert hatte. Weil sie minutenlang unter Wasser war, trug sie schwere Gehirnschäden davon und ist seitdem pflegebedürftig. Ihrer Schadensersatzklage gegen die Kommune wurde stattgegeben. Nun sind jene Gemeinden mit öffentlich zugänglichen Seen im Zugzwang – zumindest, wenn es sich um eine Stelle mit „bädertypischem Ausbau“ handelt. Dazu zählen Stege, Rutschen oder auch Toiletten. Die Versicherer pochen auf entsprechende Vorkehrungen. „Uns wurde signalisiert, dass eine Aufsicht von 8 bis 18 Uhr vorgehalten werden muss“, sagt Böhme.

In Wesenberg, Mirow, Wustrow und Priepert sieht man sich noch nicht im Zugzwang, so die Leiterin des Amtes Kleinseenplatte, Karola Kahl. Hier seien derartige Forderungen der Versicherer noch nicht lautbar geworden. „Vor einigen Jahren haben wir sämtliche Stege mit Geländern ausgerüstet, weil der Versicherer das verlangt hat. Mehr ist nicht vorgesehen“, sagt sie. In der Stadt Neustrelitz hat man das Problem auf dem Schirm – immerhin gibt es einige Naturbäder mit Stegen – aber noch keine Lösung parat.

 

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